Full text: 3.1925 (0003)

  
  
Saarkalender für das Jahr 1925 
 Schwalbenneſtl‘“.. ~ Deutsches Kindergemüt, 
deutſche Natursinnigkeit, die dort noch keimten 
und blühten, wo doch das eigene Leben ſtünd- 
lich vom Tode umlauert war. Ich muß geſtehen, 
 ggaum etwas aus der Seele unſerer Heimat- 
ſöhne hat mich in den harten Jahren des Feld- 
lebens da draußen tiefer und inniger zu packen 
vermocht, als dieſer ſeelenvolle Ausfluß edlen 
îNaturempfindens. 
; Tauſende aus uns, die eine moderne Ueber- 
kultur, beſonders unſerer Induſtrie- und Groß- 
ſtädte, der Natur so ſehr entfremdet hatte, ſind 
es da draußen, in einem erzwungenen, innigen 
Gemeinſchaftsleben mit ihrer einsamen Natur- 
umgebung, erſt wieder inne geworden, daß in 
ihrer Seele die Stimme der Natur, die Sehn- 
ucht nach ihren Schätzen, nicht erſtorben war. 
ächtiger denn je fühlen viele den Drang, ſich 
in die Natur und ihre Geheimnisse zu verſenken. 
Und heute, nach jener so troſtloſen und nieder- 
drückenden materiellen Verarmung und geistigen 
Verelendung unseres Vaterlandes ſucht der 
HNMenſch mehr noch für Herz und Seele jene 
Reichtümer, die nicht von Sanktionen erfaßt 
werden können und die nichts unsern deutſchen 
Landen zu rauben vermag, dort, in unſsern 
deutschen Wäldern und unsern deutschen Fluren. 
Viel mehr ist wieder die hohe ſittliche Bedeutung 
der Natur als urtiefen Quells der Erholung und 
aller reinen Freuden erkannt. 
 DVolgyl: faſt als Ueberdrang äußert ſsich viel- 
fach dieſe Erkenntnis in einer Gier nach dem 
Erfasſſen und dem Besitz reizvoller Raturobjekte, 
" die leider allzuviel nur zerſtört und vernichtet. 
Dort aber, wo nicht persönliche, kindiſche Eitel- 
keit und ſchnöde Gewinnſucht des Sammlers 
 nlowie rohe Zerſtörungswut und nackter Egois- - 
mus rabiater Jagdliebhaber die Ursache der 
Naturſchädigungen ſind, iſt es nicht allzu ſchwer, 
durch den rechten Appell an die deutſche Ratur- 
ſinnigkeit und durch planmäßige Heranbildung 
einſichtiger Naturerkenntnis und lliebevoller 
Naturbetrachung diesem Ueberdrang zu steuern 
und seine im Grunde nur edlen Regungen in 
die rechten Bahnen zu leiten. Köstliche Freude 
und herzliche Genugtuung erlebt da, wer es 
verſteht, die Kreiſe unserer arbeitenden Stände 
in Schilderungen durch die Feder sowie in Vor- 
trägen durch Wort und Lichtbild fesselnd heran- 
zuführen ‘an die Schönheit unserer Heimat in 
ihren Naturobjekten und deren reizvollen 
Lebensäußerungen. Erkennen und Verstehen 
der Natur aber und die Freude an ihren Schön- 
heiten laſſen jene Sympathie und Liebe auf- 
keimen, der es Herzensſache sein wird, sorglich 
zu schonen und zu ſchützen, seien es edle Tier- 
formen, schöne Pflanzenbeſstände oder urwüchsige 
Landſchaftsbilder. Ja, wir bedürfen des Bornes, 
an dem immer noch das deutsche Volk geſundete 
auch von den ſchwerſten Schlägen, die es traf, 
an denen es immer wieder fich unbegrenzte Er- 
neuerungskraft trank, des Quells, dem Jdeale 
entspringen, an denen das Herz ſich aufrichtet, 
die Schwungkraft verleihen in den Kämpfen 
des Lebens, damit Güter geben, die wertvoller 
ſind, als alle Marktartikel des Augenblicks. Und 
Ehrenpflicht unſerer Nation iſt es, dem Verluſt 
äußerer Werte zu begegnen durch die Schaffung 
und Bergung innerer Werte. Nicht darf noch 
weitere Verarmung unſerer Natur weitere Ver- 
armung und endliches Erſterben unseres 
Seelenlebens bedeuten. Deutsche Kultur bedeutet 
es, in Idealismus und Liebe unſere deutſche 
Natur und ihre edelſchönen, herzigen Geſtalten 
zu erhalten und zu betreuen. 
Schutz darum auch der Natur unſerer lieben 
Saarheimatlande! Schutz vor allem auch ihrer 
Vogelwelt und besonders den gegeichneten be- 
drohten Gestalten derselben! Hart und bitter 
tzſ q, keit ung. t:: 
nichtungswerkes, wie es auch bei uns an der 
Arbeit iſt, wie es durch beſtimmte Verhältnisse 
der Gegenwart unserer Saarheimat mehr noch 
in der Natur verwüſtete, als es in andern 
Gauen der deutſchen Heimat geſchah. Doch 
jene harten Worte galten nur jener kleinen 
Zahl, deren Tun aufs tiefste empören muß. 
Ihnen aber, mögen sie berechtigt oder unberech- 
tigt Jagdwaffen führen, ein entſchiedenes: Halt! 
Und nicht weiter mehr! Auch in unſern Saar- 
. heimatrevieren gilt noch ein Jagd- und Vogel- 
ſchutzgeſez. Und tausendmal mehr Natursinnige 
aus uns haben in ihrer Liebe zur Natur auch 
tauſendmal mehr ein Atrecht an dieselbe, als 
jene kleine Clique von modernen Jagdfexen 
und heimatfremden Schießern, die es ſich heraus- 
nimmt, schonungslos unsere ſchönsten Tier- 
gestalten auszutilgen und damit Wald und Flur 
unserer Heimat zu veröden. Die Saarbrücker 
Lande wußten durch Zeiten der ſchwerſten Ge- 
fährdung hin ihr ſchönſtes Naturgut, ihre herr- 
lichen Wälder, zu erhalten und erlittene Schäden 
und Verluſte bald wieder wett zu machen. Und 
wir ſind uns dieſer ſeltenen Heimatſchöne be- 
EP.: zu§e "u hr tie Vest 
erwuchs stets als ſchönſte völkische Tugend die 
Heimatliebe und Heimattreue, die auch das 
Kleinste der Heimat wertet, ſchont und ſchützt. 
Natursſinnigkeit und Gemüttiefe wackerer Söhne 
unserer Saarheimatlande iſt es gewesen, die 
jene zutraulichen Schwalbenpärchen dort in der 
fernen Kriegsfremde so ſsorglich betreute. Ich 
nahm es als eine herzerfreuende Bekundung 
dafür, daß der Idealismus in dem Volke unserer 
Heimat noch nicht ausgeſtorben iſt und daß die 
Liebe zur Natur und ihren Kindern in Tau- 
ſenden unsres Volksſchlages tief noch lebt. Sie 
werden ebenſo und mehr noch Hüter und 
Schützer der heimiſchen Vogelgeſtalten sein, die 
Hüttchen und Gassen des Heimattdorfes um- 
ſpielen, Wiesengrund, Feldmark und Waldbann 
des Heimattales so reizvoll beleben. Deutsche 
Kulturarbeit bedeutet ihre Erhaltung, die Ret- 
tung hoher ideeller Werte für unsere ſchöne, 
heißgeliebte Heimat . . . 
  
In sicherer Hut. In einem benachbarten Orte begegnet ein Herr einer ihm bekannten alten 
Frau. Begrüßung und die übliche Frage: „Wie geht's zu Hauſe?“ „Gut, unfer Kathchen iſt jetzt 
Auch in Saarbrücken.“ „Nanu, das 17jährige Ding in dem wilden Leben und Treiben einer Groß- 
tadt!‘ „O, ich bin ſehr beruhigt, es geschieht ihr nichts, ſie hat mir gestern noch geſchrieben, iie 
lkände unter Polizeiaufsicht.“ 
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