Full text: 3.1925 (0003)

18. 
Saarkalender tür das Jahr 1925 
Juni: In der Landesratssitzung verſuchte der 
Staatskommissar Lieſch, ein Luxemburger, 
eine Debatte über die Unzuträglichkeiten 
in der Schulabteilung (Notton~Ö]Colling) 
zu verhindern. Nutzloſes Bemühen. Scharfe 
Angriffe erfolgen. Notton–~Colling werden 
ſchwere Vorwürfe gemacht über ihre anti- 
deutſche Politik. Der Kampf gegen die 
Schulabteilung sei ein Notſchrei des ge- 
18. 
21. 
26. 
ſamten Saargebietes zur Erhaltung der 
deutſchen Schule. 
Juni: Die Direktion des Innern über- 
sſendet den Landräten einen Erlaß, in dem 
geſagt iſt, daß das Flaggen folgender 
Fahnen erlaubt sei: 1. in der Landesfarbe, 
2. in den kirchlichen Farben, 3. in den 
Farben der völkerrechtlich anerkannten, 
ſelbſtändigen Staaten und der verfassungs- 
mäßigen deutſchen Regierungen. 
Juni: Der Hauptausſchuß des preußiſchen 
Landtages nimmt einstimmig den Antrag 
an, die Arbeiter und Angestellten des Saar- 
bergbaues in Wahrung der nationalen 
Gesinnung mit aller Kraft zu unterſtützen 
und die Opfer im preußischen Bergbau 
unterzubringen. Gegen alle Angehörigen 
des deutſchfeindlithen Saarbundes oll 
diſziplinariſch eingeſchritten werden. 
Juni: Gründung des Schutzvereins für den 
Hausbeſiz im Anmtltsgerichtsbezirk Saar- 
brücken. Eine Absage an den mit poli- 
tiſchen Tendenzen verknüpften alten Haus- 
beſitzerverein. Der neue Verein verfolgt 
fern von Politik rein wirtſchaftliche Ziele. 
Vereinsbüro: St. Johannerſtr. 62, Tel. 809. 
Juni: Zur Wirtſsſchaftskriſis im Saargebiet 
erklärt der Arbeitgeberverband, Fachgruppe 
der Hochöfen und Walzwerke, daß er, ob- 
wohl die Frage der Kohlenpreiſe, Koks- 
kohlen und Frachten noch nicht geklärt sei, 
die bisherigen Löhne weiter zahle bis zum 
31. Juli. 
Juni: Infolge gänzlichen Absatzmangels 
kündigen die „Süddeutschen Lederwerke“ 
zu St. Ingbert zum 5. Juli ihrer geſamten 
Belegschaft. 
Juli: In der „Saar-Ztg.“, Saarlouis, wird 
Klage geführt, daß an einer rein deutſchen 
Schule ein französſiſcher Lehrer amtiert. 
Juli: Die Presse veröffentlicht einen Bericht 
über dke Bevölkerungsbewegung im Saar- 
gebiet i. J. 1928. Ende des Jahres 1922 
hatte das Saarland 719 072 Personen zu 
verzeichnen. Ende 1923 dagegen 749 397 
Perſonen, und zwar 374 105 männliche und 
375 292 weibliche. Lebendgeburten 21 080, 
Sterbefälle 9346. 
Presſſe meldet über Kreistag Merzig, der 
ein ſtim mig den von der Regierung 
nicht bestätigten Kreisdeputierten Diplom- 
Ingenieur Bodo Karcher-Beckingen wieder 
wählte. Er erklärte bei dieſer Gelegenheit 
u. a.: Wenn es in den letzten Jahren nur 
140 
8. 
allzuoft zu Mißverſtändniſſen und Gegen- 
ſätzen mit der Regierungskommiſſion ge. 
kommen ſei, trage die Tatſache die Schuld, 
daß wir unſererſeits uns mit der Haltung 
der Regierungskommission nicht.. einver- 
ſtanden erklären könnten, „denn der Frie- 
densvertrag enthält auch Rechte für uns, 
und das vornehmſte Recht iſt das auf die 
Wahrung unſerer deutſchen Nationalität! 
Ich spreche das hier offen aus, nicht daß 
ich und andere ſich der Regierungskom- 
mission widersetzt hätten, iſt der Grund für 
die Nichtbeſtätigung, denn das habe ich nicht 
getan, sondern die Tatſache, daß ich alle 
Bestrebungen zu bekämpfen mich für verre 
pflichtet halte, die auf eine Verfälſchung 
des deutſchen Charakters unſerer Heimat 
abzielen. Wenn das eine Schuld iſt, dann 
bekenne ich mich allerdings gerne dazu. 
Ich wiederhole: Wir sind ſtets bereit, mit 
der Regierungskommission während ihrer / 
Tätigkeit im Saargebiet zuſammenzueu 
arbeiten; aber keine Macht der Erde wird 
uns daran hindern können, den Tag zu 
ersehnen, an dem wir wieder in unſer 
deutſches Vaterland zurückkehren dürfen. 
Das ist nicht nur unsere Pflicht gegenüber 
unseren Kindern und der Bevölkerung, die 
uns gewählt hat, sondern darüber hinaus 
unser gutes, im Friedensvertrag festgelegtes 
Recht, und dieſes Recht müssen wir die 
Regierungskommission bitten, zu reſpek- 
tieren. 
. Juli: Scharfe Kritik in Bevölkerung und 
Presse erfährt ein Urteil des Oberverwal- 
tungsgerichts in der Angelegenheit der 
kombinierten Stimmzettel. Die Partei 
Schmoll und die Saarſseparatiſten warfen 
dem Zentrum und der Deutſch-Saarländ. 
Volkspartei wegen kombinierter Stimme | 
zettel Wahlbetrug vor. Die beiden ersteren 
erzielten im Verwaltungsausſchuß ein gün- 
ſtiges Urteil, gegen das Beſchwerde bei der | 
oberſten Instanz eingelegt wurde. Präsident |. 
Nippold (Schweizer) erklärt, daß nur die | 
Gegner (Partei Schmoll und die Saar- | 
ſeparatiſten) Beschwerde gegen die an- | 
gerufene Entscheidung einlegen könnten. 
Die Angelegenheit wird vertagt unter Be- 
dingungen, die von vornherein die Sache | 
aussichtslos erscheinen laſſen. – In Frank- | 
reich haben kombinierte Stimmzettel 
Gültigkeit. : 
Juli: Die berüchtigte Antiſtreikverordnung 
wird begraben. Ferner wird in der Landes- 
ratsſizung u. a. 
ſprochen. Dr. Röchling erwähnt in der 
Debatte, das meiſte Geld aus dem Saar- 
gebiet zögen die franzöſiſchen Saargruben. 
. Die Kohlenpreiſe seien 60 Prozent höher 
wie im Frieden, während die Selbstkosten 
der Bergverwaltung beſtimmt unter ‘dem | 
Die Form der | 
Friedensniveau lägen. 
jetzigen Gesetzgebung über den Wucher ſei 
Unsinn, da sie die Schäden nicht an der 
Wurzel fasse, nur ein Wuchergesetz, das in 
: 
  
  
auch über Wucher ge- | 
 
	        
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