Full text: 1925 (0003)

Luft iſt erfüllt vom Sauſen der Luftkutsche, die via Neptun—Mars wieder vom Peter | 
    
Saarkalender für das Jahr 1925 
„Zeigen Sie Ihre Ausweispapiere!“ Verſchlafen reibt der Alte ſich die Augen, | 
kramt suchend und vergebens in den Taſchen. Höhniſch grinſt das Spiegelbild des | 
Mondes aus der Saar und äfft und lacht: Ja, Hoffmann, der Paß! Der ſchwimmt 
und zappelt in den Nadeln der Schleuſe – aber brauch eine Ausrede, Hoffmann, 
sſonſt geht's Dir übel.“ Und gleich wimmerts: 
„Herr Bollezei, ich brauch jo kääner, ich bin jo selwer ä Naachdwäſchder, ich bin jo 
de Hoffmann aus Saabrigge . . .!“ 
„Keine Flaufen, bitte,“ ſchnarrt es zurück. „Hoffmann hin, Hoffmann her; dichten | 
Sie zie Hoffmanns Erzählungen. Woll son lästiger Ausländer, was! . . . Mit zur. 
Es p Liewer Bollezei,“ wimmert es weiter und fleht, „ich bin doch de Hoffmann aus 
abrigge. . ... -. 
Da aber Wimmern und Flehen nichts nützt, ſchickt er einen Blick in den dunkeln 
Nachthimmel und folgt dem Bollezei mit einer Abbitte an Péder. Der Neumarkt zieht 
in Rieſenſchatten vorbei, die Markthalle taucht auf, Altneu- und Kirchgasse zieht 
ſich aus nächtlichem Schleier. Und da du. lieber Himmel 4p+– was iſt denn das? 
Ist nicht ein Sagen und Singen von verflossenen Tagen, steht nicht dort Gevatter 
und Baſe, knarren nicht die Türen und lugen dort nicht neckiſche Mädchenköpfe im | 
fahlen Schein der Läden? ; 
„Saabrigge, Saabrigge!“ ſchreit da der Hoffmann auf und zerrt sich von der Hand | 
an feinem. Mayter. „Lasse mich, ſahn. ich Eich, Herr Bollezei, laſse mich, kä Schridd s 
ehn ich mee weider!“ 
ht Vor Freude zitternd ſinkt er in die Knie und küßt der Heimat Boden und hebt | 
frohlockend die Arme zum Peder droben in dem Himmel. 
„Liewes, guddes, aldes Saabrigge! Do biſchde jo – – – Liewes, guddes, aldes 
Saabrigge!“ E 
Dis Pieke kollert über die krumme Wäckelchen und erinnert den lauernden Bollezei | 
an seine pflichtsſchuldige Mission. : 
„Mund gehalten in der Nacht; mit zur Wache!“ — ſchnarrt er und nimmt den | . 
Hoffmann am zerfranzten Kragen. Aber der Peder im Himmel hat den Hoffmann 
in Saabrigge gehört und ſchickt seinem Nachtwächterhirn mit himmliſchem Rundfunk 
{zrell einen rettenden Gedanken. Und der Hoffmann fängt darauf an, nach bestem 
iſſen und Gewissen zu kauderwelschen und zu parlieren: 
„Liewer Mußje, duswit Parabli, nidd vumm Troddewar ohne Schillee ins Brissong!“ 
Und während der Hüter des Rechts langsam verſchwindend ein. „Verzeihung“ mur- 
melt, lacht und. weint und ſchluchzt der Hoffmann „Liewes guddes aldes Saabriggel!“ 
und immer und immer wieder „Guddes aldes Saabrigge!“ | 
Dong! hallts vom grauen Turm der Schloßkirche. Dong! Dong! Dong! Und die | 
kommt und den Hoffmann aus Saarbrücken zurückholt ins himmliſche Elyſium. Und 
nun liegt er im Wolkenkiſſen und riecht keine Autos und ſieht keinen Schutz mann | 
mehr. Und kein bananes dringt mehr in sein müdes Ohr, sondern nur noch ein ſüßes 
_ liebes, liebes trautes Dong – Dong + Dong! P 
  
Iubelfeier des : 
Renlgymnaſiums Neunkirchen (Baar) gegr. 1870. 
Von Studienprofeſſor Dr. Trösken, Vorsitzender des Ffeſtausſchuſſes. 
  
Unter den Landgemeinden des Saargebietes, die ſich in der zweiten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts infolge des Aufblühens von Bergbau und Induſtrie zu ansehnlichen, ſtadtähn- 
lichen Orten entwickelten, steht Neunkirchen an erſter Stelle. Es zählte 1848 2717 Einwohner, 
1871 8880, 1875 schon 11 197 und am Ende des Jahrhunderts fast 30 000 Einwohner. Neben | 
den Volksſchulen, die immer weiter ausgebildet wurden, mußte eine höhere Schule 
gegründet werden, um ſtrebſamen Knaben den Uebergang auf die Gymnasien in Saar- | 
brücken, St. Wendel und Zweibrücken zu ermöglichen. Das geschah am 12. April 1876. 
50 Jahre sind seitdem verfloſſen, und die Höhere Schule oder die Lateinschule 
hat sich zu einer stattlichen Anstalt entwickelt, die von fast 500 Schülern besucht wird. 
Von den Lehrern, die damals zuerſt einige Knaben um ſsich sammelten, den Herren 
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