Full text: 3.1925 (0003)

Saarkalender für das Jahr 1925 
Was! Euch beyden, dir abſcheuliche Tiraaie und dir blutdürsſtiger Fanatismus, konnte 
es gelingen, die edelſte, die empfehlungswürdigste aller Künste unter dem eiſernen 
Joch, bedeckt mit Verachtung, in den Schlamm zu treten. Gemäſtet von Raub ſaugtet 
ihr tropfenweiſe den Schweiß des Landmanns zur Sättigung eurer Begierden und das 
Eleud des Lenfchengeſchlets. seine Schmach und seine Banden dienten. zum Glanze 
euerer Tropheen. 
Konnten denn so viele Verbrechen ungeſtraft bleiben? Nein, ſicher niht! Die Uebel, 
denen die Natur zur Beute ward; rührten den Schöpſer und er ſchickte aus der Höhe 
seines Reichs dieſe Schutzgöttin, die heute das Glück des Menſchengoſchlechis macht. 
Ja! mitten unter dem Volke, das sie am meiſten aufgelegt fand, um sich der Sache 
aller Völker anzunehmen, war es,, wo die Freyheit herabſtieg; ihre erſten Strahlen 
fielen auf die Hütte des Laa dmanns; auf seinem einfachen bäuriſchen Dach ließ ſie ſich 
nieder, und von da ſprach sie das gerechte, ſtrenge Urtheil. das die Bande bietitelter 
Schinder vertrieb. 
Ein einziger Schrey machte in dieſem Augenblick die Luft von einem Ende der 
Welt zum andern widerhallen; es war der Schrey, welcher der wiederauflebenden Freyheit 
und den letzten Zuckungen des Despotismus voranging. 
In einer heiligen Begeiſterung ſchwang sich unſere Seele zuerſt hin zu dieser 
Gottheit, bewillkommte sie und ſchwur ihr Treue; und an dieſen Tagen der Gerechtigke.t 
und des Ruhms brachte die Fränküiſche Republik das geweihte Sinnbild der  Frenyheit 
mitten unter euch. Bey .hrer Annäherung verließen die Horden von Königen, von 
Fürſten und Großen allmählig dieſes Land, das, getränkt von dem Blule ihrer Opfer, 
 dbereit war, sie zuverſchlingen, wenn sie den grofen Tag der Züchtigung nicht vorhergesſehen 
hätten. Mit ihnen verſchwanden auch jene niederträchtigen Beyfallunker, jene Schmeichler, 
die im Schimpf und in der Niedrigkeit grau wurden, jene nichtswürdigen Schranzen, jene 
schmutzigen Kriecher, und alle dieſe kriechenden Insekten reinigten die dem Laſter ent- 
riſſene Erde von ihrer Gegenwart. Sind aber auch noch etliche von den Knechten dieser 
Ungeheuer unter uns ülrig, nun so sind sie leicht kennbar,; an ihrer Stirne tragen ſie 
das Gepräge des Verdruſſes und der Schmach; versenkt in den tiefsten Kummer vermehren 
die Fortſchritte der Freyheit ihre Verzweiflung. 
_ Sogar könnt ihr, rechtschaffene Einwohner, von diesen Nichtswürdigen mehrere 
finden, die unter euch, wie das Cameleon, alle Farben und Gestalten annehmen, um 
euch zu verführen und um eure Vorgesetzten zu' hintergehen, und die, indem sie über 
ordentliche Verwaltungen klügeln, eure Gunſt und euer Zutrauen zu’ erbetteln suchen. – 
Ihre Absicht iſt nicht, der Republik nützlich zu seyn; nein! gedrungen durch Noth, 
beſeelt von Raserey haben sie die ſtrafbare Absicht, zugleich mit der Regierung den guten 
Bürger zu hintergehen. 
Ihr habt mich verſtanden, Freunde der Freyheit, denkt an eure Pflichten! 
O Du Beſchützer unserer Arbeiten! Du Geber aller Güter! Du der ein Volk von 
Helden leiteſt! Sieh mit einem väterlichen Blick auf diese republikanische Verſammlung; 
sieh! die dem Schöpfer schuldige Verehrung sich in deinem Werk erneuern. Wo iſt ein 
dir würdigeres Schauſpiel als das, weiches dir hier dies Volk von Ackerleuten, Kriegern 
Und Magiſtratsperſonen vereint darbietet. Von dem Pflua war es, wo Rom, Athen und 
Sparta ihre besten Magiſtratspersonen und ihre größten Feldherren hernahmen. Einer 
der ſchönſten Tage der Vorgeit war der, an dem man das Feſt des Ackerbaues feyerte, 
und nach diesem Beispiel laßt uns ehrerbietig unsern Vätern folgen. Und ihr tugendhafte 
Ackerleute, eilt hin zum Altar des Vaterlandes, da winden auch die Erkenntlichkeit und 
die Freundschaft Bürgerkronen. Kommt uad empfangt sie im Namen der Fränkischen 
Republik aus den Händen eurer Mitbürger. Möge unser dieſer Tag beſtändig mertk- 
würdig, möge er der Tag unserer Unterwerfung vor dem Geseke und der Tag unserer 
unmwanktelbaren Ergebenheit an die Freiheit, die Gerechtigkeit und die Republik ſsein.“ 
  
Das vorstehende, bisher unbekannte Schriftstück mit den dasselbe begleitenden 
unerträglichen, bis zur Verzweiflung drückenden Verhältnissen zeigt, in welcher Drangsal 
unsere Vorfahren gelebt und bei aller Qual ihr Deutschtum bewahrt haben bis der Tag 
des Glücks ſie aus den Banden der Knechtſchaft befreite. Reden und Taten ſtehen bei 
dem „Bürger“ Bernard, wie auch bisweilen bei anderen Gewalten zu anderen Zeiten, 
n einem unlösbaren Widerspruch. 
  
Neunkirchen. J m mer q e mü tl i ch! Bei einem hiesigen aus der Ruhe nicht herauszubringenden 
Bitte beschwerte sich ein Gast über deſſen Bier mit den „Worten: „Aber, Otto, dein Bier ſcheint 
zu sein!“ Ruhig entgegnete er: „Nein, am Biek liegt's net, das Glas ist nur schmutzig! 
  
Saarkalender u12e. : r 7
	        
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