Full text: 2.1924 (0002)

  
Saarkalender kür das Jahr 1924. 
gegen die Saar vor und beſchoſſen das von den Franzosen besetzte Schloß in Saar- 
brücken. Diese steckten, um die Annäherung des Feindes zu erſchweren, die dem Schloſsse 
zunächſt gelegenen Häuser in Brand. Das Feuer ergriff die Schloßkirche, deren Turm 
und Dach abbrannte. Die Glocken ſchmolzen, und das Deckengewölbe stürzte ein. Im 
Schlosse hielt sich noch die Gräfin Eleonore Clara auf, deren Auslieferung die Fran- 
zoſen verweigerten. Vor den Geſchoſſen mußte sie in den Keller flüchten und wurde 
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und den Reichstruppen, bei denen Graf Guſtav Adolf als Generalwachtmeiſter diente. 
In diesem Gefecht wurde der Graf tödlich verwundet und geriet in die Hände der 
Franzoſen. Er ſtarb zwei Tage später an seinen Wunden in Straßburg. Seine Leiche 
wurde einbalſanmiert und in dem Kloſter St. Nicolai. beigesetzt, ſpäter aber, als das 
Kloster abgebrannt war, in die Thomaskirche zu Straßburg gebracht. Hier iſt die Leiche 
des tapferen und charakterfeſten Grafen in dem mit einer Glasplatte bedeckten Sarge 
noch zu sehen. Seine Witwe Eleonore Clara wurde i. J. 1681 von den Franzosen 
gezwungen, vor der Reunionskammer in Metz dem König Ludwig AIV. den Lehens- 
eid zu schwören. Sié hat auch noch die vielfachen Bedrückungen ihres Landes durch 
die Franzoſen mit ansehen müssen und starb i. J. 1709 im Alter von 76 Jahren. Das 
Andenken dieses edlen Fürſtenpaares, das in ſchwever Zeit deutschen Sinn bewies, 
verdient im Saarbrücker Lande nicht vergessen zu werden. 
eingesetzJIen Regierungskommisston 
Victor Raull 
  
Geclenktafel in der Hula des neunkirchener Realgymnasiums. 
N eunkirchen- Saar mit zirka 40 000 Einwohnern, ſeit Jahrzehnten eine der größten Landgemeinden 
Preußens, erhielt die Städteordnung am 23. Dezember 1921. Der Präjident der Regierungs-Kommission verlas persönlich 
vor dem Stadtrat die Antwort auf das Geſuch um Verleihung des Städterechtes. Anfangs September 1921 wurde oben 
abgebildete Bronzetafel enthüllt, die eine herbe Kritik im Stadtrat und in der Saarpreſsſe auslöſte. Man führt die 
usweiſung der ſoz. Redakteure Rauſch und Lehmann auf ihre Stellungnahme in dieſer Sache zurück. Im Neunkirchner 
tadtrai entſtand bei Beſprechung der Ausführung der Gedenktafel eine heftige, drei Stunden währende Debatte. 
Die Redner der Linken und der Deutſch-Demokraten erklärten, es leg! für das Anbringen der Gedenktafel kein 
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Fgrden. Wenn trotzdem eine Zuſtimmung vorliege, ſ ſei ſie entgegen einer anderen Stellungnahme nur von drei 
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Verbindung mit der Ausweiſung zweier Redakteure erregte im Saarrevier viel Aufsehen. 
  
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