Full text: 2.1924 (0002)

Saarkalender für das Jahr 1924. 
Eine Hexenverbrennung in Wallerfangen im Fahre 1620. 
Im Aktenheft der Serie B, Nv. 10 276 des Nanziger Departement-Archivs, findet 
fich ein Rechnungsbeleg, der sich in der Form won andern, gleichgültigen Wirtschafts- 
rechnungen kaum unterscheidet. aber hinsichtlich ſeines Inhaltes für uns von kultur- 
historischem Interesse iſt. Das Blatt stammt aus dem Jahre 1620 und enthält eine 
Zuſammenſtellung der „Aus gaben für die Hinrichtung einer Ver- 
brecherin, die von den Gerichtsleuten der hochwür digen Damen, 
der Abtiſsin und .des Konvents zu Frauſautern, zum. Feuer- 
1 o d e verurteilt war“. Die Art der Exekution legt die Vermutung nahe, daß 
es ſich hierbei um ein der Hexerei beſchuldigtes Opfer handelte. Die Rechnung, welche 
der Wallerfanger Rentmeiſlter des Herzogs von Lothringen Alexander Bichelberger, 
hierüber aufstellte, lautet in der Ueberſetzung wie folgt: 
„Der Rechnungsführer ſtellt hiermit in Ausgabe den Betrag von 
7 Franken, die er den sieben Sergeants des Amtes Berus gegahlt 
hat, die verpflichtet ſind, bei derartigen Gelegenheiten das Holz 
herbeizufahren und andere Fronden zu leisten, macht 7.. Fk. 
Desgleichen gezahlt den 16 vereidigten Arkebusſieren zu Waller- 
fangen, die ausgefſchickt werden mußten, um die Verurteilte in 
Empfang zu nehmen und zum Tode gu führen, pro Mann 
b Groſchen, macht 8 Fr. 
Dem Johann Marſchall. der die Ketten und andere dazu 
nötigen Geräte gemacht hat 5 Fr. 4 Gr. 
Demselben. Marſchall für Reisigbündel gezahlt 2 Fr. 
und für Stroh 1 Fr. 6 Gr. 
Dem Scharfrichter laut seiner hier eingereichten Liquidation 
den Betrag von 17 Fr. 
Dem Fuhrmann, der die Verurteilte zum Richtplatz gefahren 1 Fr. 6 Or. 
Ferner stellt der Rechnungsführer den Betrag von 17 Franken 
3 Groſchen in Ausgabe für Zehrung der beiden Herren Pfarrer, 
welche der Verurteilten die Beichte abgenommen und sie zu Tode 
begleitet haben, sowie seiner ſselbſt, seines Gegenbuchführers, des 
Bürgermeisters von Wallerfangen. eines Gerichtsſchreibers, zweier 
Sergeants der hergog.ichen Verwaltung und des Stadtälteſten, 
welcher, wie üblich, zur Wahrung der Rechte seiner Hoheit dem 
Akte beigewohnt haben, hierfür und für Bezahlung der beiden 
Geistlichen 17 Fr. 5 Gr. 
An dieser Rechnung machte die Rechnungskammer einige Abzüge; so erhielten die 
Wallerfanger Arkebusierer statt der angeforderten 8 nur 4 Franken, der Scharfrichter 
statt 17 nur 10 Franken und der letzte Poſten wurde gar von 17 Franken s5 Groschen 
auf 4 Franken 8 Groſchen herabgesetzt. : 
  
Banarbrücker Spukgeſchichten. 
Nach Jugenderinnerungen von Ed. Haas. 
Vielfach glaubte man auch in unserer Gegend vor etwa 70 Jahren noch an Hexen 
und dergl.; der Aberglaube wurde in den zur damaligen Zeit noch üblichen Spinn- 
ſtuben gelehrt und unterhalten. Ueberhaupt war man ſowohl auf dem Lande als 
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ſträßchen uu Borſtadtflraße und Neugasse pr Café Englert, das „Muhkalb“ 
um. Es war dies der Sage nach ein großes Kalb ohne Kopf. Verschiedene Leute, 
hauptsächlich alte Baſen, behaupteten fest, das Muhkalb geſehen zu haben, und io 
getrauten sich viele Leute nach Dunkelwerden nicht mehr durch das Gäßchen zu 
gehen. Die Jungens ſtanden furchtſam am Anfang oder Ende der Gaſse, die beherzten 
größeren, wollten öfters ihren Mut zeigen und liefen mit Geſchrei. das ihre eigene 
Furcht verdecken sollte, durch das dunkle Gäßchen. Es waren aber nicht viele, die den 
Mut hatten, bei Dunkelwerden durchgulaufen. | / 
An der Schloßkirche ſpukte das graue Männchen, welches den Vorübergehenden 
erſt um 9 Uhr abends erscheinen sollle, mit Ausnahme des Küſters, dem erschien es nie. 
  
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