Full text: 1.1923 (0001)

Saarfalender für das Jahr 1923 
verein 05 Saarbrücken und Sportverein Völklingen. Unter dieſen Vereinen verdienen vor allem 
die Leiſtungen der Neunkircher Boruſſen beſonderer Erwähnung. Zn ſteigendem Maße hat die 
Neunkircher Mannſchaft die Führung im ſaarländiſchen Sport übernommen und beſonders unter 
dem Öſterreichiſchen Juternationalen Fiſchera eine außerordentliche Stärke erlangt. Unter den 
vielen ſichtbaren Erfolgen dieſer im allgemeinen ſtändigen Aufwärt5bewegung iſt vor allem zu 
nennen das aufjehenerregende Spiel gegen den ungarijchen Meiſter M. T. K. im Jahre 1920, der 
lange Zeit den ganzen Kontinent beherrſchte. Der M. T.K., der ſich um dieſe Zeit auf einer 
Sportreiſe durch Deutſchland befand, mußte ſich gefallen laſſen, in der Eiſen- und Kohlenſtadt 
Neunkirchen zum erſten Male auf deutſchem Boden den Ball aus dem Kaſten zu holen. Die 
Boruſſen unterlagen nur knapp 3:2 nach hervorragendem Spielverlauf. Jm Jahre 1921 konnte 
dann Boruſſia den ſüddeutſchen Pokal erringen und im Jahre 1922 einen weiteren großen Erfolg, 
das Endſpiel um die ſüddeutſche Meiſterſchaft in Frankfurt a. M. verzeichnen. Der Gegner Wacker- 
München konnte erſt nach zweiſtündigem Kampfe durch einen Fehler der Boruſſenverteidigung 
knapp 2:1 ſiegen. Die geſamte Sportpreſſe war des Lobes voll über das Können der Saar- 
leute, und das Erſtaunen über die gezeigten Leiſtungen war eben ſo groß wie die Freude, im 
Saartal ſo gute Sportsleute zu haben. Die Anerkennung war die Aufſtellung mehrerer ſaar- 
ländiſcher Spieler in die ſüddeutſche Repräſentative gegen Norddeutſchland. E53 ſpielten in der 
ſüddeutſchen Mannſchaft Regiß, Kaufmann und Dr. W. Neu-Neunkirchen, ſowie Wollbold 
Saar 05 Saarbrücken. 
Auch die Sportarten, die man gewöhnlich unter dem Sammelnamen Leichtathletik zu- 
ſammenfaßt, erfreuen ſich im Saartal großer Pflege. 'Sichtbarer Ausdruck ſind die Erkämpfung 
der ſüddeutſchen Meiſterſchaft im 10000 Meterlauf 1921 durch den Läufer des S. C. Saar 05 Saar- 
brücken und des Allg, Turnvereins Dudweiler Matthes, ſowie die Erringung der deutſchen 
Hochſchulmeiſterſchaft im Speerwurf durch Dr. Reinhold Müller vom S. C. Saar 05. . 
Auch unſere heimiſchen Schwimmer, Ruderer, Radfahrer und Schwerathleten 
haben bei 'den verſchiedenſten Gelegenheiten das Saargebiet ehrenvoll vertreten, dem Radſport 
beſonder38 hat die Errichtung der Saar-Olympia-Bahn bei Saarbrücken eine Aera des . Auf- 
ſ<hwung3 gebracht. .- 
Aus dem Geſagten geht hervor, daß dieZſaarländiſche Turn- und Sportbewegung allen Anlaß 
hat, auf das Erreichte ſtolz zu ſein. Sie iſt ſich aber ſicher auch bewußt, daß noch viel zu tun 
übrig bleibt und daß in den nächſten Jahren die Erkenntnis der Bedeutung und des Nußens 
jeder LeibeSübung ſich um ein gutes Stück vertiefen muß. Nicht wurzeln, wo wir ſtehen, 
nein, weiterſc<hreiten! Beſonders gilt es, die Gemeinden aufzurütteln, denn noch lange 
nicht genug haben ſie die Volksſache der Turnerei und des Sportes unterſtüßt. Und doch iſt 
es eine vom Leben hundert- und tauſendfach beſtätigte Weisheit, daß die Verminderung der 
Krankenanſtalten eng mit der Vermehrung der Turn- und Sportplätze zuſammenhängt. Klein- 
licher Geiſt hält hier und da immer no<h den Daumen auf den Sack, weil er nicht begreift, daß 
wir an der Schwelle eines neuen Zeitalters ſtehen, eines Zeitalters, das der Jugend und der 
Kraft der frohen ungebrochenen Herzen gehört: des Zeitalters der LeibeSübungen, aus dem reicher 
Segen für das ſchwer geprüfte Vaterland erwachſen ſoll. Dieſes Endziel allein ſollte uns für 
die edle Sache begeiſtern, denn über ihrem Wollen ſteht der alte Spruch 
Herz und Hand dem Vaterland! 
Das Denkmal! 
Von einem Saarländer. 
Wir ſchreiben jeht das Jahr 1935. Die Abſtimmung liegt ſchon einige Monate hinter uns. 
Wie nicht anders zu erwarten, iſt ſie gut ausgefallen, wenn auch niemand ein ſolch günſtiges 
Reſultat, 99,4% Stimmen für Deutſchland, erwartet hätte. All die großen und kleinen Manöver, 
die Abſtimmung hinauszuſchieben, mußten an dem feſten Willen der Bevölkerung ſcheitern, die 
energiſch ihr Selbſtbeſtimmungsrecht reklamierte und dabei von allen rechtlich Denkenden der 
ganzen Welt unterſtüßt wurde. Der franzöſiſche Propagandadienſt verſuchte daher in letter Zeit 
auch nicht mehr ſo ſehr für den Anſchluß an Frankreich Stimmung zu machen, ſondern er ver- 
ſuchte, die Bevölkerung für die Beibehaltung des bisherigen Zuſtande38, über den ja auch nach 
dem jonſt ja ſchon längſt abgeänderten Verſailler Vertrag abgeſtimmt wurde, zu gewinnen. -- 
Aber auch dieſe Propaganda hatte keinen Erfolg und auch dieſe Hoffnung ging nicht in Erfüllung. 
Nur 0,04 9,5 der Stimmen wurden für dieſen Vorſchlag abgegeben, die für Frankreich: abgegebenen 
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