Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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1.  Die  Baden-Badener  Direktiven  zur  "epuration  systematique

Die  Militärregierung  in  Baden-Baden  versuchte  mit  ihren  neuen  Entnazifizierungsdirektiven ­
  einen  Ausgleich  zwischen  dem  Wunsch  nach  einer  einheitlichen  Politik  innerhalb ­
  der  Besatzungszone  und  dem  Ziel  einer  dezentralen  Verwaltungsstruktur  zu
finden.  Die  Entnazifizierungsdirektive  vom  19.  September  1945  gab  daher  nur  die
Rahmenbedingungen  (un  cadre  d'action)  für  die  neue  Phase  der  Entnazifizierung  vor
-  die  praktische  Durchführung  wurde  den  Ländergouvemeuren  überlassen:
II  n'est  pas  dans  le  röle  de  l'Administration  Centrale  de  s'immiscer  dans  le  detail
de  l'action  locale  des  Delegations  Superieures  ...  C’est  aux  Delegations  Superienres
  qui  connaissent  les  elements  de  la  politique  locale  qu'il  appartient
d'agreer  ou  de  repousser  les  propositions  faites  par  les  Allemands  '.
1.1.  Die  Entnazifizierungsdirektive  fiir  den  Verwaltungsbereich
vom  19.  September  1945
Im  Gegensatz  zum  Verfahren  in  der  amerikanischen  Besatzungszone 1  2  mußte  in  der
französischen  Zone  nicht  jeder  Erwachsene  ein  Entnazifizierungsverfahren  durchlaufen. ­
  Nur  ein  Teil  der  berufstätigen  und  der  bereits  pensionierten  Bevölkerung  hatte
den  politischen  Fragebogen  auszufüllen.  Dies  betraf  die  Beschäftigten  im  öffentlichen ­
  Dienst,  das  Leitungs-  und  Führungspersonal  in  der  Privatwirtschaft  sowie  einen
Teil  der  Freiberufler.  Stark  belastete  NS-Aktivisten  wurden  interniert;  sie  bekamen
erst  ab  1948  ihr  Spruchkammerverfahren 3 .  Die  Anweisung  Laffons  vom  31.
Dezember  1945  sorgte  dafür,  daß  alle  bekannten  NS-Aktivisten,  die  weder  automatisch ­
  zu  internieren  waren  noch  zu  den  genannten  Berufsgruppen  gehörten,  ein
Entnazifizierungsverfahren  bekamen 4 .
Am  19.  September  1945  erließ  Laffon  die  Direktive  Denazification  des  Administration. ­
  die  für  eineinhalb  Jahre  das  Entnazifizierungsverfahren  in  der  gesamten  französischen ­
  Zone  regelte 5 .  Er  begründete  den  Erlaß  der  neuen  Direktive  damit,  daß  die

1  CCF  A/CAB:  "Epuration  de  personnel  allemand.  Rapport  General",  31.12.1945;  AOFAA  DGAP  c.233
p.52  d.2.  Auf  der  Konferenz  der  Landergouvemeure  am  1.  Oktober  1946  in  Baden-Baden  wiederholte
Laffon  diesen  Grundsatz:  Je  vous  rappelte  que.  dans  le  domaine  de  l'epuration.  je  me  suis  bome,  et
campte  toujours  me  bomer,  ä  vous  donner  des  directives  generales  en  vous  laissant  la  responsabilite
de  l’execution.  II  vous  appartient  par  consequent  de  mettre  en  oeuvre  les  moyens  materiels  necessaires
pour  obtenir  les  resultats  promis:  CCFA/CAB/C  7145:  Laffon  an  die  Delegues  Superieurs,  4.10.1946:
"Reunion  du  1er  Octobre  1946";  AOFAA  LAFFON  c.3  Serie  4.  AP  GB  457  AP  72  u.  AP  GG  d.7-U.
:  Nach  dem  Befreiungsgesetz  der  amerikanischen  Zone  vom  5.  März  1946  war  die  Vergabe  der  Lebensmittelkarten ­
  an  die  Abgabe  des  politischen  Meldebogens,  den  jede  Person  über  18  Jahre  auszufiillen
hatte,  verknüpft:  Schullze,  Ench:  Gesetz  zur  Befreiung  von  Nationalsozialismus  und  Militarismus  vom
5.3.1946.  München  1946.
3  CCFA/DGAA/INT/DENAZ  9501:  Toumie  an  Koenig.  7.2.1948;  AOFAA  DGAP  c.232  p.46.  Siehe  das
Kapitel  F.l  3.
4  Die  .Anweisung  Laffons  wird  erwähnt  in:  GMPA/AA/INT  2355:  Schneider  an  Koch.  26.4.1946;  LA  SP
H  13/744/553.
5  CCFA/CAB/C  722  (Sigel  "AC"):  Laffon  an  die  Directeurs  Generaux  et  Directeurs.  19.9.1945;  AOFAA
DGAPc.3306p.U5.
            
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