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- Herstellung des Kontaktes zwischen den einzelnen Ländern der französischen
Zone, zu den anderen Besatzungszonen und zum Alliierten Kontrollrat in Berlin
und
- Entscheidungen über strittige Einzelfälle 8 .
Laffon akzeptierte den Vorschlag und richtete im November 1945 ein Bureau
d'etudes des questions d'epuration - später Service Epuration genannt - ein, in dem
zunächst Curial und Arnal arbeiteten. Auch in den einzelnen Ländern wurde jeweils
ein Service Epuration eingerichtet, dessen Offiziere sich auf unregelmäßig stattfindenden
Konferenzen in Baden-Baden trafen. Mitte Januar 1946 wurde der erste
große Arbeitsbericht veröffentlicht 9 .
3.2. Prinzipielle Überlegungen zur Entnazifizierung
Für die Anfangszeit der französischen Besatzung bestehen sehr große Lücken in der
Aktenüberlieferung. Daher ist es hier nur möglich, die Überlegungen und Planungen
Baumonts zur Entnazifizierungsdirektive der Privatwirtschaft darzustellen. Baumont
hielt sich nicht lange bei der Frage auf, ob eine Entnazifizierung nötig sei. Er verglich
ihre Notwendigkeit mit der Bedeutung der Kohle für die französische Wirtschaftspolitik
(une question aussi capitale dans Vordre moral et politique que celle
du charbon dans Vordre economique). Den Begriff denazification wollte er eher
vermeiden und stattdessen von epuration sprechen, un terme moins cru l0 11 . Er schätzte
die Mitgliederzahl der NSDAP auf zehn Millionen, wovon sich bei einem Anteil von
1/8 an der Gesamtbevölkerung höchstens eine Million Pgs in der französischen Zone
befänden. Zum einen seien diese Länder - bis auf das Saarland - keine nationalsozialistischen
Hochburgen gewesen, sondern besäßen eine starke katholische beziehungsweise
demokratische Tradition. Zum anderen habe die geographische Randlage
der ZFO dazu geführt, daß zahlreiche schwer belastete Nationalsozialisten vor den
anrückenden alliierten Truppen geflüchtet seien. Besonders eklatant zeige sich dies
im Saarland: Le territoire incontestablement le plus nazifie de la Zone frangaise s'est
trouve largement denazifie du fait des operations militaires. Es sei daher mit etwa
500.000 Parteimitgliedern zu rechnen, worunter sich höchstens 30.000 NS-Aktivisten
(nazis virulents) befänden. Baumont unterschied drei Kategorien: a) les nazis virulents,
b) les nazis de coeur und c) les membres nominaux du parti national-socialisme
>>. Das Vorgehen gegen die nazis virulents war durch die alliierten Vorschriften
8 Als Alternative zu ihrem Vorschlag hatten Baumont und Amal die Einrichtung periodischer Konferenzen
der zuständigen Offiziere vorgeschlagen; CCFA/DGEF/CAB, 29.10.1945; AOFAA DGEF c.200.
9 CCFA/CAB: "Epuration de personnel allemand. Rapport General", 31.12.1945; AOFAA DGAP c.233
p.52 d.2.
10 CCFA/DGEF/CAB: Baumont: "L'6puradon en madere economique et financiöre", 5.9.1945; AOFAA
DGAP c.232 p.49.
11 Qu'est-ce qu'un nazi? So lautet die Schrift von Jean Sigmann aus dem Jahre 1948, herausgegeben von
der Militärregierung, versehen mit einem Vorwort von Raymond Schmittlein, dem Direktor der Erziehungsabteilung
in Baden-Baden. Sigmann erläutert ausführlich die verschiedenen NS-Organisationen
und die Bedeutung des Parteieintrittsdatums: Sigmann, Jean: Qu'est-ce qu'un nazi? Freiburg o.J.
(1948). Schmittlein schreibt in seinem Vorwort: Si l'etude ... avait eti connue des administrations alliees
en 1945, de nombreuses erreurs eussent sans doute ete epargnees.