Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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-  Herstellung  des  Kontaktes  zwischen  den  einzelnen  Ländern  der  französischen
Zone,  zu  den  anderen  Besatzungszonen  und  zum  Alliierten  Kontrollrat  in  Berlin
und
-  Entscheidungen  über  strittige  Einzelfälle 8 .
Laffon  akzeptierte  den  Vorschlag  und  richtete  im  November  1945  ein  Bureau
d'etudes  des  questions  d'epuration  -  später  Service  Epuration  genannt  -  ein,  in  dem
zunächst  Curial  und  Arnal  arbeiteten.  Auch  in  den  einzelnen  Ländern  wurde  jeweils
ein  Service  Epuration  eingerichtet,  dessen  Offiziere  sich  auf  unregelmäßig  stattfindenden ­
  Konferenzen  in  Baden-Baden  trafen.  Mitte  Januar  1946  wurde  der  erste
große  Arbeitsbericht  veröffentlicht 9 .
3.2.  Prinzipielle  Überlegungen  zur  Entnazifizierung
Für  die  Anfangszeit  der  französischen  Besatzung  bestehen  sehr  große  Lücken  in  der
Aktenüberlieferung.  Daher  ist  es  hier  nur  möglich,  die  Überlegungen  und  Planungen
Baumonts  zur  Entnazifizierungsdirektive  der  Privatwirtschaft  darzustellen.  Baumont
hielt  sich  nicht  lange  bei  der  Frage  auf,  ob  eine  Entnazifizierung  nötig  sei.  Er  verglich ­
  ihre  Notwendigkeit  mit  der  Bedeutung  der  Kohle  für  die  französische  Wirtschaftspolitik ­
  (une  question  aussi  capitale  dans  Vordre  moral  et  politique  que  celle
du  charbon  dans  Vordre  economique).  Den  Begriff  denazification  wollte  er  eher
vermeiden  und  stattdessen  von  epuration  sprechen,  un  terme  moins  cru  l0  11 .  Er  schätzte
die  Mitgliederzahl  der  NSDAP  auf  zehn  Millionen,  wovon  sich  bei  einem  Anteil  von
1/8  an  der  Gesamtbevölkerung  höchstens  eine  Million  Pgs  in  der  französischen  Zone
befänden.  Zum  einen  seien  diese  Länder  -  bis  auf  das  Saarland  -  keine  nationalsozialistischen ­
  Hochburgen  gewesen,  sondern  besäßen  eine  starke  katholische  beziehungsweise ­
  demokratische  Tradition.  Zum  anderen  habe  die  geographische  Randlage
der  ZFO  dazu  geführt,  daß  zahlreiche  schwer  belastete  Nationalsozialisten  vor  den
anrückenden  alliierten  Truppen  geflüchtet  seien.  Besonders  eklatant  zeige  sich  dies
im  Saarland:  Le  territoire  incontestablement  le  plus  nazifie  de  la  Zone  frangaise  s'est
trouve  largement  denazifie  du  fait  des  operations  militaires.  Es  sei  daher  mit  etwa
500.000  Parteimitgliedern  zu  rechnen,  worunter  sich  höchstens  30.000  NS-Aktivisten
(nazis  virulents)  befänden.  Baumont  unterschied  drei  Kategorien:  a)  les  nazis  virulents,
  b)  les  nazis  de  coeur  und  c)  les  membres  nominaux  du  parti  national-socialisme
  >>.  Das  Vorgehen  gegen  die  nazis  virulents  war  durch  die  alliierten  Vorschriften

8  Als  Alternative  zu  ihrem  Vorschlag  hatten  Baumont  und  Amal  die  Einrichtung  periodischer  Konferenzen ­
  der  zuständigen  Offiziere  vorgeschlagen;  CCFA/DGEF/CAB,  29.10.1945;  AOFAA  DGEF  c.200.
9  CCFA/CAB:  "Epuration  de  personnel  allemand.  Rapport  General",  31.12.1945;  AOFAA  DGAP  c.233
p.52  d.2.
10  CCFA/DGEF/CAB:  Baumont:  "L'6puradon  en  madere  economique  et  financiöre",  5.9.1945;  AOFAA
DGAP  c.232  p.49.
11  Qu'est-ce  qu'un  nazi?  So  lautet  die  Schrift  von  Jean  Sigmann  aus  dem  Jahre  1948,  herausgegeben  von
der  Militärregierung,  versehen  mit  einem  Vorwort  von  Raymond  Schmittlein,  dem  Direktor  der  Erziehungsabteilung ­
  in  Baden-Baden.  Sigmann  erläutert  ausführlich  die  verschiedenen  NS-Organisationen
und  die  Bedeutung  des  Parteieintrittsdatums:  Sigmann,  Jean:  Qu'est-ce  qu'un  nazi?  Freiburg  o.J.
(1948).  Schmittlein  schreibt  in  seinem  Vorwort:  Si  l'etude  ...  avait  eti  connue  des  administrations  alliees
  en  1945,  de  nombreuses  erreurs  eussent  sans  doute  ete  epargnees.
            
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