Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Verwaltungsabteilung in Südbaden gearbeitet hatte 5 , wechselte er Anfang September 
1945 zur Direction Generale de l'Economie et des Finances in Baden-Baden. Bau 
mont und Amal errichteten zusammen den Service de denazification, der sich als ein 
Bureau d'etudes et organe de liaison verstand. Den Dienststellen der Militärregie 
rung und den einzelnen Ländergouvemeuren wurden bei der Entnazifizierung wei 
terhin volle Eigenständigkeit gelassen. Ihre Aufgabe bestand zunächst darin, Infor 
mationen über den Stand der Entnazifizierung zu sammeln und Vergleiche mit der 
benachbarten US-Zone anzustellen. Baumont besuchte Anfang September 1945 die 
Militärregierungen in Freiburg und Bad Ems - für den Besuch in den anderen Län 
dern fehlte es an Transportmöglichkeiten; Amal kontaktierte amerikanische Entnazi 
fizierungsoffiziere in Frankfurt, die anschließend zu einem Gegenbesuch nach Ba 
den-Baden kamen. Ziel war es, Richtlinien für die Entnazifizierung in der französi 
schen Besatzungszone zu entwickeln, de degager les lignes essentielles d'une techni- 
que de la denazification, c'est-ä-dire de preciser ce qu'il fallait faire et comment on 
pouvait le faire en etablissant des regles generales propres ä guider les actions lo 
cales 6 . 
Die Kritik amerikanischer und französischer Zeitungen am Zustand der französi 
schen Entnazifizierungspolitik 7 nahmen Baumont und Amal Ende Oktober zum An 
laß, Laffon zur Einrichtung eines zentralen "Service de denazification" in seinem 
Kabinett zu bewegen. Trotz den seit kurzem geltenden Direktiven sei noch keine 
Einheitlichkeit bei der Entnazifizierung in der französischen Zone erreicht worden. 
Je nach Land und oberster Dienstbehörde differierten die Maßnahmen in Wirtschaft 
und Verwaltung: Dans tel Land, la denazification a ete et sera plus poussee; dans tel 
autre, le souci de creer une administration centrale risque de prendre le pas sur la 
denazification et d'amener la Commission d'Epuration ä prononcer plus de reinte- 
grations que de revocations de fonctionnaires. Auch wenn wichtige Gründe wie 
Sach- und Ortskenntnisse für eine dezentrale Behandlung der Entnazifizierung sprä 
chen, bleibe sie doch eine Aufgabe, die zentraler Lenkung bedürfe [une question de 
politique generale particulierement delicate). Jeder Skandal, jede Eigenmächtigkeit 
oder falsche Interpretation der Richtlinien habe schwerwiegende Folgen für die Be 
satzungspolitik. Deshalb sei jetzt die Einrichtung einer zentralen Dienststelle erfor 
derlich, die folgende Aufgaben übernehmen müsse: 
- Studien über alle Fragen der Entnazifizierung; 
- Planung und Ausarbeitung von Direktiven und ihrer Durchführungsbestimmungen; 
- Kontrolle der Durchführung in den einzelnen Ländern der ZFO; 
- zentrale Erfassung und Auswertung aller Informationen und statistischer Unter 
lagen sowie Veröffentlichung periodischer Arbeitsberichte; 
5 Grohnert, S. 20f. 
6 Laffon bat Anfang Oktober Filippi um einen detaillierten Bericht über die bisherige Arbeit des Service 
de denazification. Das Ergebnis war der "Rapport sur l'activite du Service de denazification”, 
16.10.1945; CCFA/DGEF/CAB 1126: Filippi an Baumont, 12.10.1945; CCFA/DGEF/CAB: Filippi, 
30.10.1945; AOFAA DGAP c.232 p.49 u. DGEF c.200. 
7 Hierzu: Grohnert, S. 73ff.
	        

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