Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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2.  Entnazifizierung  in  der  SHAEF-Phase  im  Saarland,  Hessen-Pfalz
und  Rheinland-Hessen-Nassau
2.1.  Die  Übernahme  des  Besatzungsgebietes  zum  10.  Juli  1945
am  Beispiel  des  Saarlandes
Am  10.  Juli  1945  übernahmen  französische  Truppen  auch  diejenigen  Teile  ihrer  Besatzungszone, ­
  die  bisher  von  der  amerikanischen  Militärregierung  verwaltet  worden
waren.  Während  sich  die  Offiziere  der  oberen  Kommandoebene  mit  ausgeprägter
Höflichkeit  begegneten,  gab  es  bei  der  Übergabe  des  Besatzungsgebietes  auf  Kreisebene ­
  etliche  Probleme.  Verständigungsschwierigkeiten  zwischen  französischen  und
amerikanischen  Offizieren  verstärkten  das  bereits  vorhandene  gegenseitige  Mißtrauen. ­
  So  wurde  französischen  Offizieren  bis  zum  offiziellen  Übergabetag  die  Einreiseerlaubnis ­
  in  den  Kreis  Merzig  verweigert 1 .  Die  amerikanischen  Offiziere  hinterließen ­
  kaum  Unterlagen:  Aus  St.  Wendel  meldete  Capitaine  Lindauer,  daß  ein  amerikanischer ­
  Unteroffizier  alle  politischen  Fragebögen  und  Akten  der  Sicherheitspolizei
verbrannt  habe.  In  Merzig  sah  sich  Lieutenant  Gassmann  vor  dieselbe  Situation  gestellt: ­
  ...et  me  me  des  documents  que  nous  avions  vu  entre  leurs  mains  ont  disparu
avec  leur  depart 2 .  US-Militärs  nahmen  auch  Mobiliar,  Wertgegenstände  und  -  nach
Meinung  der  französischen  Offiziere  -  politisch  belastetes  deutsches  Personal  mit.
Lindauer  berichtete:  Lors  du  depart  du  Detachement  americain,  j'ai  du  constater  que
la  caravane  consistait  en  une  dizaine  de  voitures  et  deux  camions  civils,  bondes  de
marchandises  ...  et  qu'ils  ont  amene  tout  un  personnel  allemand,  compose  de  personnes
  dont  une  grande  partie  serait  certainement  aujourd'hui  en  lieu  sür,  si  elles  etaient
  restees  sur  place  3 .
2.2.  Die  Entnazifizierung  in  der  SHAEF-Phase
In  der  Zeitspanne  zwischen  dem  Ende  der  Kampfhandlungen  und  dem  Erlaß  neuer
Entnazifizierungsrichtlinien  im  Herbst  1945  bestanden  große  regionale  Unterschiede
bei  der  Durchführung  der  politischen  Säuberung.  Selbst  innerhalb  der  einzelnen  Regierungsbezirke ­
  wichen  die  Maßnahmen  voneinander  ab 4 .  Der  Service  Epuration  in
Baden-Baden  benannte  diese  Phase  nach  dem  alliierten  Oberkommando  (epuration

1  Die  französische  Militärregierung  in  Saarbrücken  berichtete,  daß  die  US-Armee  antifranzösische  Propaganda ­
  betrieben  und  zahlreiche  CIC-Agenten  installiert  habe;  GMSA/Det.E  32:  Colonel  Lais  an  General ­
  Morlifcre,  6.7.1945;  l£re  Armee  Fran?./3e  Bureau:  Note,  18.7.1945;  AP  GG  d.7-W  (Papiers  Tersac);
  GMSA:  Rapport,  13.9.1945;  AOFAA  DGAP  c.231  p.42  d.70.
2  GMSA/Det.l  Ottweiler/St.  Wendel:  Lindauer  an  Lais,  4.9.1945;  D&.I  Merzig:  Gassmann,  2.9.1945;  AP
GG  d.7-W  (Papiers  Tersac).
3  Lindauer,  4.9.1945  (Anm.  2).
4  In  diesem  Zeitraum  hatten  an  manchen  Orten  deutsche  Eigeninitiativen  die  Möglichkeit,  eine  eigene
Säuberung  durchzuführen.  Von  der  Entnazifizierung  in  der  Stadtverwaltung  Mainz  handelt  der  Artikel
von  Oberbürgermeister  Emil  Kraus  im  "Neuen  Mainzer  Anzeiger",  26.4.1946.  Zur  Situation  im  Land
Baden:  Wolfrum,  Französische  Besatzungspolitik,  S.  33f.
            
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