Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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comme incapables, malgre tous les efforts qui pourront etre tentes, d'etre gagnes aux 
idees democratiques 95 . Es gebe außerdem nicht nur eine saarländische öffentliche 
Meinung, sondern auch eine interessierte Öffentlichkeit in Frankreich. Diese würde 
es nicht verstehen, daß die materiellen Vorteile, die sich aus der wirtschaftlichen An 
gliederung der Saar an Frankreich für die dort lebenden Personen ergeben werden, 
auch denjenigen zugute kämen, die keine Saarländer seien beziehungsweise sogar für 
die Verbrechen des NS-Regimes verantwortlich gewesen waren 96 . Die angeordneten 
Ausweisungen würden die letzten ihrer Art sein; wenn es in Zukunft noch einzelne 
Ausweisungen gebe, dann nur für Delikte, die nach diesem Datum begangen werden 
(// ne s'agirait que de sanctions ä l'egard d'actes d'hostilite precis et posterieurs ä ce 
jour) 97 . Bei offensichtlichen Fehlurteilen sagte Grandval eine Überprüfung zu. In den 
nächsten Tagen wurden die Gesuche der Parteien und Kirchen von der Militärregie 
rung entgegengenommen und auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüft. Kirchenrat Wehr 
berichtete, daß nach Beendigung seines Gesprächs mit Grandval sämtliche Kreisde 
legierten im Vorraum gewartet hätten, um die Ausweisungslisten durchzusehen. Er 
selbst habe Grandval später zwei Listen von Personen mit der Bitte um Rücknahme 
der Ausweisungsbefehle überreicht 98 99 . 
Am 23. Juni meldete die Militärregierung, daß die Ausweisungen bereits in Verges 
senheit geraten seien: Dix jours apres les expulsions, celles-ci paraissent dejä 
entrees dans l'oubli, et la population un instant troublee et inquiete semble rapide 
ment retrouver son calme 99 Im Gegensatz zur ersten Ausweisungsaktion vom 2. Juli 
1946, bei der die "Entpreußung" im Vordergrund gestanden hatte, war für die Aus 
weisungen des Jahres 1947 die Entnazifizierung maßgeblich. Es wurden vor allem 
nicht-saarländische Nationalsozialisten ausgewiesen. Aufgrund der Rücknahmen bei 
den anderen Personenkategorien steigerte sich allerdings der Anteil der 
"Verdächtigen" auf ein Drittel des Gesamtumfanges. Insgesamt wurden in den Jahren 
1946/47 von der französischen Militärregierung 1.820 Personen ausgewiesen; der 
größere Teil in den beiden Ausweisungsaktionen vom Juli 1946 (450 Personen) und 
Juni 1947 (1.058 Personen). Daneben erfolgten noch einzelne Ausweisungen von 94 
Familien, die 312 Personen umfaßten 100 . Über den - im Vergleich zur nationalsozia 
95 Grandval, 10.6.1947 (Anm. 81). Die Antwortschreiben an die anderen Parteiführer hatten den gleichen 
Inhalt; MAE NANTES Cab.Pol. 81/62-64 u. LA SB VK 211. 
96 Ebd. Siehe auch die Mitteilung der Militärregierung in der "Saarbrücker Zeitung" Nr. 71/47 
(19.6.1947), S. 2. 
97 Ebd. 
98 Kirchenrat Wehr: Bericht über sein Treffen mit Grandval am 9. Juni 1947; AEKSB 08-5/3-2. Der ehe 
malige Kreisdelegierte Tersac bestätigte mir im Juni 1990, daß direkte Verhandlungen zwischen Partei 
führern und der Militärregierung über die Rücknahme (oder Bestätigung) einzelner Ausweisungen 
stattgefunden hatten. 
99 GMSA/CAB/POL 510: Grandval an Laffon, 23.6.1947; AOFAA CC POL III K 3 p.44. Laffon meldete 
Paris die erfolgreich abgeschlossene Aktion; CCFA/SUR 316: Laffon an das CGAAA, 5.7.1947; AO 
FAA SEAAA 1/3 p.61. 
100 Ich stütze mich dabei auf die Aufstellung des Hohen Kommissariats vom 13. Januar 1950, die aller 
dings, was die erste Aktion 1946 angeht, korrigiert werden muß: Statt 801 wurden nur 450 Personen 
ausgewiesen (801 war die ursprünglich geplante Zahl); HCRFS/CAB/POL 2429: Hoher Kommissar 
Grandval an Bidault, 13.1.1950; MAE Z EU/Sarre 1949-55 d.99/113-120. Von französischer Seite
	        

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