Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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part  de  la  Commission  d'Administration  du  Territoire  de  la  Sarre  que  de  celle  de
certaines  personnalites  religieuses  et  des  partis  politiques 89
Wehr  forderte  von  Grandval  die  Rücknahme  der  Ausweisungsbefehle  und  die  Überprüfung ­
  der  Einzelfälle  in  einem  geordneten  Verfahren.  Auf  diesem  Ausweisungsbefehl ­
  (liegt)  nicht  Gottes  Segen  und  Wohlgefallen  ermahnte  er  Grandval  und  betonte:
Die  Evangelische  Kirche  ist  aufs  tiefste  erschüttert  durch  die  herzzerreißende  leibliche ­
  und  seelische  Not  der  großen  Zahl  der  Ausgewiesenen  90 .  Auch  der  Bischof  von
Speyer,  Wendel,  und  die  katholische  Kirche  Trier  setzten  sich  für  die  Betroffenen
ein 91 .  Die  Verwaltungskommission  beschloß  wegen  der  vielen  offensichtlichen  Fehlurteile ­
  bei  Grandval  vorzusprechen.  Sie  bat  ihn  um  eine  Überprüfung  der  Befehle
durch  eine  saarländisch-französische  Kommission 92 .  Die  politischen  Parteien  reagierten ­
  einmütig:  In  einer  gemeinsamen  Resolution  forderten  Johannes  Hoffmann
(CVP),  Richard  Kim  (SPS),  Gustav  Bruch  (DP)  und  Fritz  Nickolay  (KP)  Grandval
auf,  im  Interesse  der  Befriedung  und  eines  aufrichtigen  Zusammenarbeitens  die  angekündigten ­
  Maßnahmen  zurückzunehmen.  Diese  würden  nicht  nur  eine  außerordentliche ­
  Härte  für  die  Betroffenen  darstellen,  sondern  auch  die  Entwicklung  der
demokratischen  Kultur  gefährden 93 .  Nur  das  MRS  lehnte  jede  Kritik  an  den  für  notwendig ­
  erachteten  Ausweisungen  ab:  Aus  diesem  Grunde  mischten  wir  uns  weder  bei
der  Aufstellung  der  Listen  in  die  Zuständigkeit  der  allein  verantwortlichen  Militärregierung ­
  ein,  noch  beteiligten  wir  uns  an  den  uns  unverständlichen  Interventionen  der
politischen  Parteien  94 .
Saarländischen  Kritikern  gegenüber  warb  Grandval  um  Verständnis.  Gerade  weil  der
französischen  Militärregierung  nichts  mehr  am  Herzen  liege  als  die  saarländische
Demokratie,  sei  diese  letzte  größere  Ausweisungsmaßnahme  notwendig  geworden.
Sie  richte  sich  nur  gegen  diejenigen,  die  sich  für  demokratisches  Gedankengut  unzugänglich ­
  gezeigt  hätten:  ...  que  mon  gouvemement  a  estime  indispensable  de  proceder
  ä  une  seule  et  unique  assez  vaste  Operation  qui  a  pour  but  de  rejeter  de  la  communaute
  sarroise  des  elements  qui  en  raison  de  leur  attitude  passee  apparaissent

89  GMSA/C  AB/POL  510:  Grandval  an  Laffon,  23.6.1947;  AOFAA  CC  POL  III  K  3  p.44.
90  Kirchenrat  Wehr  an  Grandval,  9.6.1947;  AEKSB  08-5/3-2.
91  CCFA/DGAA/INT/5.  Sect.  6678:  Koenig  an  das  CGAAA,  26.6.1947:  Bericht  über  den  Besuch  des  Bischofs ­
  von  Speyer  im  Saarland;  MAE  Z  EU/Sarre  1944—49  d.31/205;  "Saarländische  Volkszeitung"
Nr.  26/47  (28.6.1947),  S.  lf.
92  Im  -  auf  der  nächsten  Sitzung  abgeänderten  -  Entwurf  des  Schreibens  hatte  die  Verwaltungskommission ­
  noch  Verständnis  für  die  Maßnahmen  der  Militärregierung  geäußert:  Wenn  wir  auch  durchaus  der
Ansicht  sind,  daß  Ausweisungen  notwendig  werden  können  und  besonders  die  Ausweisung  der  Elemente ­
  notwendig  ist,  die  in  der  Hitlerzeit  die  Bevölkerung  terrorisiert  haben;  VK/Generalsekretär  Kuchenbecker ­
  an  Grandval,  10.6.  (Entwurf)  u.  11.6.1947;  94.  u.  95.  VK-Sitzung,  10./11.6.1947;  LA  SB
VK  211  u.  212.
93  Hoffmann,  Kim,  Bruch  und  Nickolay  an  Grandval,  7.6.1947;  MAE  NANTES  Cab.Pol.  81/59.  Andererseits ­
  gab  es  auch  Beschwerden  darüber,  daß  sich  einzelne  bekannte  NS-Aktivisten  nicht  unter  den
Betroffenen  befanden.  Direktor  Danzebrink  nannte  auf  der  Sitzung  der  Verwaltungskommission  die
Namen  von  zwei  Personen,  gegen  deren  Verbleib  sich  die  Kritik  gerichtet  habe;  97.  VK-Sitzung,
17.6.1947;  LA  SB  VK  212;  Note,  6.6.1947  (Anm.  87).
94  Heute  und  morgen.  Fragen  der  Taktik  des  MRS,  in:  "Die  Neue  Saar"  Nr.  25  (20.6.1947),  S.  lf.;  Sozialdemokratie ­
  und  MRS  von  Walter  Sender,  in:  ebd.  Nr.  27  (3.7.1947),  S.  1.
            
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