Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Tabelle  2:
Geplante  Ausweisungen  (Stand  6.  Juni  1947): 82

Kreise

Verdäch-SS



NSDAP-Entlas-



  B

tige

Beamte

sene

F

P

F

P

F

P

F

P

F

P

Homburg

7

21

2

9

24

77

22

65

55

172

Merzig-Wadem

15

45

4

12

12

37

6

26

37

120

Ottweiler

13

36

3

7

23

76

25

79

64

198

Saarbrücken

20

66

34

110

23

70

105

312

182

558

Saarburg

1

5

-

-

-

-

-

-

1

5

Saarlouis

49

192

4

15

11

41

15

39

79

287

St.  Ingbert

17

53

-

-

12

45

8

23

37

121

St.  Wendel

3

10

-

-

5

25

1

4

9

39

Summe  A

125

428

47

153

110

371

182

548

464

1500

%  an  Summe  B

28,5%

10,2%

24,7%

36,5%

100%

Die  Zahl  der  Auszuweisenden  wurde,  wie  von  Grandval  vorhergesehen,  durch  Eingaben ­
  und  Proteste  schließlich  auf  1.058  Personen,  darunter  312  Familien,  reduziert ­
 83 .  Die  Militärregierung  veränderte  die  Kriterien  für  die  3.  und  4.  Kategorie:  bei
den  NSDAP-Beamten  wurde  jetzt  zwischen  Saarländern  (ab  dem  Rang  des  Ortsgruppenleiters ­
  ausschließlich)  und  Nicht-Saarländern  (Ortsgruppenleiter  einschließlich) ­
  unterschieden;  bei  den  aufgrund  eines  Epurationsbescheides  entlassenen  Nicht-Saarländern
  wurden  die  Ausweisungsbefehle  der  mit  Saarländerinnen  verheirateten
Männer  zurückgezogen 84 .  Die  Auswertung  der  verschiedenen  Tabellen  der  Militärregierung ­
  ergibt,  daß  bei  denjenigen  Betroffenen  erfolgreich  interveniert  werden
konnte,  die  enge  Beziehungen  zum  Saarland  hatten  (zum  Beispiel  Heirat)  und  bei
denen  keine  schwere  politische  Belastung  vorlag.  Bei  den  SS-Mitgliedem  erfolgten
die  meisten  Rücknahmen.  Der  Akzent  der  Ausweisungsaktion  verschob  sich  dadurch
immer  mehr  auf  den  "Entpreußungs"-Aspekt,  da  die  Kategorie  der  Verdächtigen
kaum  Rücknahmen  erfuhr;  ihr  Anteil  an  der  Gesamtzahl  erhöhte  sich  dadurch  von
28%  auf  schließlich  38%.

82  F  =  Familien,  P  =  Personen;  vier  Kategorien:  Suspects,  SS,  Fonctionnaires  du  parti,  Epures  non  sarrois;
  GMSA/CAB  6807:  Grandval  an  Laffon,  6.6.1947:  Die  Tabelle:  "Expulsions  1947"  wurde  -  bis
auf  die  vom  Autor  eingefügten  Prozentangaben  -  vom  Service  Epuration  erstellt;  MAE  NANTES
Cab.Pol.  81/58f.  Dieselbe  Tabelle  mit  Datum  5.6.1947:  AOFAA  SEAAA  1/3  c.61.
83  Das  Anliegen  des  Commissaire  de  la  Röpublique,  Michel  Debre,  vom  9.  Juni  1947,  vor  einer  Ausweisungsaktion ­
  konsultiert  zu  werden,  kam  zu  spät.  Die  Ausweisungsbefehle  waren  bereits  unterzeichnet
und  den  Betroffenen  ausgehändigt  worden;  MAE  Z  EU/Sarre  1944-49  d.  13/174f.  Debre  zur  Saarpolitik: ­
  Debrd,  Michel:  Trois  röpubliques  pour  une  France.  Memoires  1946-1948.  Paris  1988,  S.  46ff.
84  Grandval,  10.6.1947  (Anm.  81).  Dieselbe  Beschreibung  der  vier  Kategorien  teilte  die  Militärregierung
nach  Abschluß  der  Aktion  der  "Saarbrücker  Zeitung"  mit;  SZ  Nr.  71/47  (19.6.1947),  S.  2.
            
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