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Rechtfertigung Grandvals im großen und ganzen akzeptierte, kritisierte auch er die
bisher nicht genügend genutzte Möglichkeit zu Ausweisungen: Toutefois, ä
l'occasion du travail de denazißcation en cours depuis de longs mois, il est certain
qu'un plus grand nombre d'expulsions hors de Sarre aurait pu etre dejä realise dans
le cadre de simples mesures policieres 67 .
Inzwischen hatte sich Grandval die Zustimmung aus Paris für seinen Ausweisungsplan
gesichert: Am 7. Februar unterrichtete er Laffon über das Ergebnis seines Treffens
mit dem politischen Direktor des Außenministeriums, Couve de Murville. Laffon
wies ihn jedoch in seinem Antwortschreiben auf den jüngsten Beschluß der französischen
Regierung hin, der die geplante Massenausweisung untersagt habe 68 . Die
nächsten Ausweisungen dürften frühestens im Mai oder Juni des Jahres stattfinden 69 .
Die Massenausweisung von 15.000 Personen fand nicht statt. War diese Maßnahme
überhaupt ernsthaft geplant gewesen? Widersprach sie nicht völlig der bisherigen
Politik Grandvals im Saarland? Oder - so meine These - wollte Grandval durch das
zu erwartende Verbot der Massenausweisung freie Hand für seine weitere Politik bekommen?
Auch wenn Grandval in seinem Memoirenmanuskript keinen Zweifel an
der Ernsthaftigkeit der angekündigten Maßnahmen aufkommen läßt, spricht einiges
dafür 70 . Ein Schlüsselsatz dürfte der Passus in dem Schreiben Grandvals vom
11. Januar sein, indem er sein Erstaunen darüber ausdrückt, warum Laffon gerade
jetzt, nachdem er monatelang auf vermehrte Ausweisungen gedrängt habe, ein Verbot
dieser Maßnahmen ausspreche: Je comprends en tout cas mal qu'apres avoir
Proteste contre l'insuffisance des expulsions vous protestiez ä nouveau lorsque je
vous propose une mesure d’execution de vos precedentes instructions 7I .
Grandval war gegen Massenausweisungen eingestellt. Die Situation im stark zerstörten
Saarland und der eklatante Mangel an Arbeitskräften hatten ihn in dieser Auffassung
bestärkt 72 . In seinem Memoirenmanuskript erwähnt er, daß der Begriff deprussianiser
zwar ein ausgezeichnetes Schlagwort gewesen sei, seine Ausführung
aber eine umfangreiche Ausweisungsaktion erforderlich gemacht hätte: II convenait
67 Über den Zwischenfall sollte größtes Stillschweigen gewahrt werden. In seinem handschriftlichen Begleitschreiben
forderte Koenig Grandval auf: Mais soyez de plus en plus creme!', ebd.
68 GMSA/PERS 886: Grandval an Laffon, 7.2.1947; CCFA/CAB/C 1006: Laffon an Grandval ("secret”),
15.2.1947; MAE Z EU/Sarre 1944--t9 d.l8/126f. u. AP GG d.7-U.
69 Ebd.
70 Grandval stützte sich bei der Abfassung seiner Memoiren auf zeitgenössische Dokumente und Aktenmaterial;
daher erliegt er selber 35 Jahre später dem Irrtum, daß diese Ausweisungen wirklich geplant
waren. Allerdings standen weder die Entnazifizierung noch die Ausweisungsmaßnahmen im Mittelpunkt
seines damaligen Interesses. Es stellt sich vielmehr bei der Auswertung seines Privatarchives der
Eindruck ein, daß auch die Ausweisungen nur deshalb sein Interesse erweckten, weil es sich hier -
einmal mehr - um einen Konflikt mit Laffon handelte. Noch geringer war sein Interesse an der eigentlichen
Entnazifizierung: Die nur sehr wenigen Akten zur Entnazifizierung findet man im Privatarchiv
unter der Überschrift "Expulsion".
71 Grand val, 11.1.1947 (Anm. 62).
72 Manuskript Chapitre I, S. 34ff.; AP GG d.4. Ergebnisse demographischer Studien hatten außerdem ergeben,
daß gerade bei den Schlüsselpositionen der saarländischen Gesellschaft eine erfolgreiche
"prussianisation" stattgefunden hatte; Grandval: "Conference de presse du 8 mars 1947"; AP GG d7-U.