Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Rechtfertigung Grandvals im großen und ganzen akzeptierte, kritisierte auch er die 
bisher nicht genügend genutzte Möglichkeit zu Ausweisungen: Toutefois, ä 
l'occasion du travail de denazißcation en cours depuis de longs mois, il est certain 
qu'un plus grand nombre d'expulsions hors de Sarre aurait pu etre dejä realise dans 
le cadre de simples mesures policieres 67 . 
Inzwischen hatte sich Grandval die Zustimmung aus Paris für seinen Ausweisungs 
plan gesichert: Am 7. Februar unterrichtete er Laffon über das Ergebnis seines Tref 
fens mit dem politischen Direktor des Außenministeriums, Couve de Murville. Laf 
fon wies ihn jedoch in seinem Antwortschreiben auf den jüngsten Beschluß der fran 
zösischen Regierung hin, der die geplante Massenausweisung untersagt habe 68 . Die 
nächsten Ausweisungen dürften frühestens im Mai oder Juni des Jahres stattfinden 69 . 
Die Massenausweisung von 15.000 Personen fand nicht statt. War diese Maßnahme 
überhaupt ernsthaft geplant gewesen? Widersprach sie nicht völlig der bisherigen 
Politik Grandvals im Saarland? Oder - so meine These - wollte Grandval durch das 
zu erwartende Verbot der Massenausweisung freie Hand für seine weitere Politik be 
kommen? Auch wenn Grandval in seinem Memoirenmanuskript keinen Zweifel an 
der Ernsthaftigkeit der angekündigten Maßnahmen aufkommen läßt, spricht einiges 
dafür 70 . Ein Schlüsselsatz dürfte der Passus in dem Schreiben Grandvals vom 
11. Januar sein, indem er sein Erstaunen darüber ausdrückt, warum Laffon gerade 
jetzt, nachdem er monatelang auf vermehrte Ausweisungen gedrängt habe, ein Ver 
bot dieser Maßnahmen ausspreche: Je comprends en tout cas mal qu'apres avoir 
Proteste contre l'insuffisance des expulsions vous protestiez ä nouveau lorsque je 
vous propose une mesure d’execution de vos precedentes instructions 7I . 
Grandval war gegen Massenausweisungen eingestellt. Die Situation im stark zer 
störten Saarland und der eklatante Mangel an Arbeitskräften hatten ihn in dieser Auf 
fassung bestärkt 72 . In seinem Memoirenmanuskript erwähnt er, daß der Begriff de- 
prussianiser zwar ein ausgezeichnetes Schlagwort gewesen sei, seine Ausführung 
aber eine umfangreiche Ausweisungsaktion erforderlich gemacht hätte: II convenait 
67 Über den Zwischenfall sollte größtes Stillschweigen gewahrt werden. In seinem handschriftlichen Be 
gleitschreiben forderte Koenig Grandval auf: Mais soyez de plus en plus creme!', ebd. 
68 GMSA/PERS 886: Grandval an Laffon, 7.2.1947; CCFA/CAB/C 1006: Laffon an Grandval ("secret”), 
15.2.1947; MAE Z EU/Sarre 1944--t9 d.l8/126f. u. AP GG d.7-U. 
69 Ebd. 
70 Grandval stützte sich bei der Abfassung seiner Memoiren auf zeitgenössische Dokumente und Akten 
material; daher erliegt er selber 35 Jahre später dem Irrtum, daß diese Ausweisungen wirklich geplant 
waren. Allerdings standen weder die Entnazifizierung noch die Ausweisungsmaßnahmen im Mittel 
punkt seines damaligen Interesses. Es stellt sich vielmehr bei der Auswertung seines Privatarchives der 
Eindruck ein, daß auch die Ausweisungen nur deshalb sein Interesse erweckten, weil es sich hier - 
einmal mehr - um einen Konflikt mit Laffon handelte. Noch geringer war sein Interesse an der eigentli 
chen Entnazifizierung: Die nur sehr wenigen Akten zur Entnazifizierung findet man im Privatarchiv 
unter der Überschrift "Expulsion". 
71 Grand val, 11.1.1947 (Anm. 62). 
72 Manuskript Chapitre I, S. 34ff.; AP GG d.4. Ergebnisse demographischer Studien hatten außerdem er 
geben, daß gerade bei den Schlüsselpositionen der saarländischen Gesellschaft eine erfolgreiche 
"prussianisation" stattgefunden hatte; Grandval: "Conference de presse du 8 mars 1947"; AP GG d7- 
U.
	        
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