Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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genommen  worden.  Die  Fürsprache  saarländischer  Politiker,  Geistlicher  sowie  von
Einzelpersonen  hatte  dort  mehr  Erfolg  gehabt 13 .

Tabelle  1:
Geplante  und  unterschriebene  Ausweisungsbefehle  (Anfang  Juli  1946): M

Kreise

vorgesehene
Anzahl

tatsächliche
Anzahl

Homburg

32

26

Merzig

72

45

Ottweiler

148

82

Saarbrücken

268

98

Saarlouis

70

40

St.  Ingbert

125

91

St.  Wendel

132

122

Summe

847

504

ln  der  "Saarländischen  Volkszeitung"  erschien  vier  Tage  später  unter  der  Überschrift: ­
  Abtransport  von  Familien,  folgende  offizielle  Mitteilung  der  Militärregierung: ­
  Am  Dienstag  sei  eine  Polizeiaktion  nicht  unerheblichen  Ausmaßes  durchgeführt ­
  worden,  die  eine  gewisse  Anzahl  Familien  nicht-saarländischer  Herkunft,  deren
Mitglieder  in  der  Nazipartei  eine  wichtige  Rolle  spielten,  aus  dem  Saarland  entfernt
habe.  Diese  Familien  müßten  sich  zwar  im  Land  Württemberg-Hohenzollem  niederlassen, ­
  seien  aber  dort  nicht  interniert *  34  35 .  Dem  Regierungspräsidenten  Neureuter
wurde  am  16.  Juli  1946  von  der  Militärregierung  die  Übergabe  einer  Namensliste
angekündigt.  Es  handele  sich  dabei  ausschließlich  um  Familien  nicht-saarländischer
Abstammung,  von  denen  sich  mindestens  ein  Familienmitglied  unter  dem  nationalsozialistischen ­
  Regime  kompromittiert  hat  oder  dessen  Weiterverbleiben  bzw.  das
Weiterverbleiben  seiner  Familie  infolge  seiner  nationalsozialistischen  Haltung  im
Saargebiet  unerwünscht  erscheint 36 .
Die  Ausweisungsmaßnahme  des  2.  Juli  hatte  nicht  nur  die  Betroffenen  und  die  saarländische ­
  Verwaltung,  sondern  auch  manche  Dienststellen  der  Militärregierung  überrascht. ­
  Der  Leiter  des  Eisenbahnwesens  an  der  Saar,  Toubeau,  beschwerte  sich  bei
Grandval  über  die  Schwierigkeiten,  die  ihm  entstanden  waren,  da  sich  auch  bereits

13  Grandval  kritisierte  im  Nachhinein  die  schlechte  Vorbereitung  der  Ausweisungsaktion.  Die  Ausweisungslisten ­
  seien  derartig  ungenau  erstellt  worden,  daß  der  Militärregierung  viele  Unannehmlichkeiten
entstanden  waren,  und  die  Hälfte  der  Ausweisungsbefehle  zurückgenommen  werden  mußte;  GMSA:
Grandval,  31.12.1946;  AP  GG  d.7-U.
34  GMSA/DAA/IC:  Leroy  an  Grandval,  Juli  1946;  AP  GG  d.7-U.
35  "Saarländische  Volkszeitung"  Nr.  3/46  (6.7.1946),  S.  2.
36  GMSA/DAA/IC  7893:  Grandval  an  Neureuter,  16.7.1946;  LA  SB  LRA  Merzig  150.
            
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