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Gruppen ersetzt werden: Hierbei böten sich Norditaliener 23 an, die bereits in den Mosel-
und Saarbergwerken gearbeitet hätten; es wurde auch an die Ansiedlung von
Polen gedacht. Hinzu kämen noch bis zu 3.000 französische Ingenieure für die saarländische
Schwerindustrie. Koenig wünschte eine genaue Erörterung dieses Planes
durch das CGAAA: L'importance du prob lerne demographique est teile que je demande
que le Gouvernement etudie dans tous ses details le programme que j'ai esquisse
du sort des Sarrois expulses du Territoire 24 . Der Plan, dessen Inhalt gerüchteweise
im Saarland bekannt wurde 25 , wurde aber von der französischen Regierung
nicht weiter verfolgt.
3.3. Das Jahr 1946: Vorbereitungen und die erste Ausweisungsaktion
Im März 1946 teilte Gouverneur Grandval Laffon mit, daß die Vorbereitungen für
die ersten Ausweisungen abgeschlossen seien. Die betreffenden Personen seien
durch zwei Maßnahmen ausfindig gemacht worden: Zum einen durch die Einrichtung
eines Spitzelsystems (la mise en place d'un reseau d'indicateurs), zum anderen
durch eine erste Auswertung der Volkszählungsdaten. Als Betroffene der in den
nächsten Wochen stattfindenden Ausweisungsmaßnahmen nannte Grandval im
Saarland lebende Nicht-Saarländer, die unter dem Verdacht einer antifranzösischen
Agitation standen (individus non sarrois se livrant en Sarre ä une propagande antifrangaise)
26 . Die Ergebnisse der Volkszählung vom 26. Januar 1946 waren in Einzelfällen
bei der Frage nach der saarländischen Abstammung behilflich gewesen 27 .
nen unter die französische Bevölkerung verteilt, würden sie auch keine Gefahr für die innere Sicherheit
darstellen. Sogar an eine Ansiedlung in Südamerika wurde gedacht; Koenig, 16.1.1946 (Anm. 18).
23 Im August 1947 forderte die Sürete in Baden-Baden die Ausweisung von im Saarland lebenden Italienern,
die im Verdacht standen, der faschistischen Bewegung Mussolinis nahegestanden zu haben.
Grandval wehrte sich erfolgreich gegen diese Maßnahme: Die im Saarland lebenden 1.218 Italiener
wären gute Arbeiter und hätten bisher zu keiner Beanstandung Anlaß gegeben; MAE NANTES
Cab.Pol. 81/70ff.
24 Koenig, 16.1.1946 (Anm. 18).
25 Beckmann, Wahlmanöver, S. 128.
26 GMSA/CAB 758: Grandval an Laffon, 10.3.1946; AP GG d.7-U. Als Beispiel für Denunziationen im
Zusammenhang mit Ausweisungen können die sehr anschaulichen Wochenrapports, Untersuchungsakten
usw. des Polizeikommissars der Sicherheitspolizei und Chefs der Polizeistation Höcherberg/Kreis
Homburg, P., dienen: Im Auftrag der Süretö fertigte er Anfang September 1946 im Zusammenarbeit
mit dem örtlichen Bürgermeister eine Vorschlagsliste von verdächtigen Personen und
Kriegsverbrechern an. Ein Jahr später, im Juni 1947, begutachtete er die Fälle der zur Ausweisung
vorgesehenen Familien; LA SB Staatsanwaltschaft 1535-1537 (Ich danke Herrn Oberarchivrat Sander
für diesen Hinweis).
27 Im Saarland hatte bei der Volkszählung, die in der gesamten Zone stattfand, jede Person zwei Fragebögen
auszufüllen: einen einseitigen Fragebogen in einfacher Ausfertigung und einen achtseitigen Fragebogen
in doppelter Ausführung. Gefragt wurde im achtseitigen Volkszählungsbogen u.a. nach den
Dienstverhältnissen seit 1920, einer Gewerkschafts- und Parteizugehörigkeit vor 1935, einer NSDAP-Zugehörigkeit,
nach Ämtern und Rängen in NS-Organisationen, Zeitungslektüre vor und nach 1935,
dem Eintrittsdatum in das Saargebiet, den eigenen Wohnorten 1920, 1933 und am 13.1.1935 sowie den
Wohnorten des Vaters und der Mutter am 31.12.1931, 31.12.1934 und 31.12.1939; GMSA: Grandval
an Regierungspräsident Neureuter, 9.1.1946; LA SB RP 11/13; Volkszählungsbogen: LA SB RP
100/72-74.