Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Gruppen ersetzt werden: Hierbei böten sich Norditaliener 23 an, die bereits in den Mo 
sel- und Saarbergwerken gearbeitet hätten; es wurde auch an die Ansiedlung von 
Polen gedacht. Hinzu kämen noch bis zu 3.000 französische Ingenieure für die saar 
ländische Schwerindustrie. Koenig wünschte eine genaue Erörterung dieses Planes 
durch das CGAAA: L'importance du prob lerne demographique est teile que je de- 
mande que le Gouvernement etudie dans tous ses details le programme que j'ai es- 
quisse du sort des Sarrois expulses du Territoire 24 . Der Plan, dessen Inhalt gerüch 
teweise im Saarland bekannt wurde 25 , wurde aber von der französischen Regierung 
nicht weiter verfolgt. 
3.3. Das Jahr 1946: Vorbereitungen und die erste Ausweisungsaktion 
Im März 1946 teilte Gouverneur Grandval Laffon mit, daß die Vorbereitungen für 
die ersten Ausweisungen abgeschlossen seien. Die betreffenden Personen seien 
durch zwei Maßnahmen ausfindig gemacht worden: Zum einen durch die Einrich 
tung eines Spitzelsystems (la mise en place d'un reseau d'indicateurs), zum anderen 
durch eine erste Auswertung der Volkszählungsdaten. Als Betroffene der in den 
nächsten Wochen stattfindenden Ausweisungsmaßnahmen nannte Grandval im 
Saarland lebende Nicht-Saarländer, die unter dem Verdacht einer antifranzösischen 
Agitation standen (individus non sarrois se livrant en Sarre ä une propagande anti- 
frangaise) 26 . Die Ergebnisse der Volkszählung vom 26. Januar 1946 waren in Einzel 
fällen bei der Frage nach der saarländischen Abstammung behilflich gewesen 27 . 
nen unter die französische Bevölkerung verteilt, würden sie auch keine Gefahr für die innere Sicherheit 
darstellen. Sogar an eine Ansiedlung in Südamerika wurde gedacht; Koenig, 16.1.1946 (Anm. 18). 
23 Im August 1947 forderte die Sürete in Baden-Baden die Ausweisung von im Saarland lebenden Italie 
nern, die im Verdacht standen, der faschistischen Bewegung Mussolinis nahegestanden zu haben. 
Grandval wehrte sich erfolgreich gegen diese Maßnahme: Die im Saarland lebenden 1.218 Italiener 
wären gute Arbeiter und hätten bisher zu keiner Beanstandung Anlaß gegeben; MAE NANTES 
Cab.Pol. 81/70ff. 
24 Koenig, 16.1.1946 (Anm. 18). 
25 Beckmann, Wahlmanöver, S. 128. 
26 GMSA/CAB 758: Grandval an Laffon, 10.3.1946; AP GG d.7-U. Als Beispiel für Denunziationen im 
Zusammenhang mit Ausweisungen können die sehr anschaulichen Wochenrapports, Untersuchungs 
akten usw. des Polizeikommissars der Sicherheitspolizei und Chefs der Polizeistation Höcher- 
berg/Kreis Homburg, P., dienen: Im Auftrag der Süretö fertigte er Anfang September 1946 im Zusam 
menarbeit mit dem örtlichen Bürgermeister eine Vorschlagsliste von verdächtigen Personen und 
Kriegsverbrechern an. Ein Jahr später, im Juni 1947, begutachtete er die Fälle der zur Ausweisung 
vorgesehenen Familien; LA SB Staatsanwaltschaft 1535-1537 (Ich danke Herrn Oberarchivrat Sander 
für diesen Hinweis). 
27 Im Saarland hatte bei der Volkszählung, die in der gesamten Zone stattfand, jede Person zwei Fragebö 
gen auszufüllen: einen einseitigen Fragebogen in einfacher Ausfertigung und einen achtseitigen Frage 
bogen in doppelter Ausführung. Gefragt wurde im achtseitigen Volkszählungsbogen u.a. nach den 
Dienstverhältnissen seit 1920, einer Gewerkschafts- und Parteizugehörigkeit vor 1935, einer NSDAP- 
Zugehörigkeit, nach Ämtern und Rängen in NS-Organisationen, Zeitungslektüre vor und nach 1935, 
dem Eintrittsdatum in das Saargebiet, den eigenen Wohnorten 1920, 1933 und am 13.1.1935 sowie den 
Wohnorten des Vaters und der Mutter am 31.12.1931, 31.12.1934 und 31.12.1939; GMSA: Grandval 
an Regierungspräsident Neureuter, 9.1.1946; LA SB RP 11/13; Volkszählungsbogen: LA SB RP 
100/72-74.
	        

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