Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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schickt 18 .  Der  Entwurf  war  zuvor  vom  Kabinettschef  Koenigs,  de  Varreux,  durchgesehen ­
  und  für  annehmbar  erklärt  worden:  Pas  d'objections  sur  l'ensemble  qui  presente ­
  un  plan  coherent 19 .  Die  Entnazifizierung  sollte  Teil  umfassender  demographischer ­
  Maßnahmen  werden.  Als  Saarländer  sollte  nur  derjenige  angesehen  werden,
der  im  Saarland  geboren  war,  von  saarländischen  Eltern  und  mindestens  zwei  saarländischen ­
  Großeltern  abstammte  und  die  letzten  zehn  Jahre  im  Saarland  gelebt
hatte.  Die  entsprechenden  Daten  sollte  die  geplante  Volkszählung  liefern  (couvert
sous  les  apparences  de  mesures  contre  le  nazisme).  Als  Hauptpropagandisten  der  erfolgreichen ­
  prodeutschen  Kampagne  von  1935  wurden  die  in  den  letzten  Jahrzehnten
eingewanderten  Bevölkerungsgruppen,  vor  allem  die  preußischen  Beamten,  bezeichnet. ­
  Das  in  das  Saarland  importierte  Preußentum  galt  als  die  Hauptursache  für  das
damalige  "falsche"  Abstimmungsverhalten  der  Saarländer 20 .  Das  "Beispiel"  der  nationalsozialistischen ­
  Volkstumspolitik  im  Elsaß  und  Lothringen  aufnehmend 21 ,
wurde  trotz  der  ohnehin  schon  angespannten  Personallage  die  Entfernung  aller
Nicht-Saarländer  für  unerläßlich  gehalten:  Bis  zu  150.000  Personen  sollten  von  den
Ausweisungen  betroffen  sein:  On  peut  estimer  que  100  ä  150.000  Sarrois  devront
etre  atteints  par  une  mesure  d'elimination.  Diese  Maßnahmen  sollten  zeitlich  gestaffelt ­
  ablaufen.  Es  sollte  alles  vermieden  werden,  was  die  Betroffenen  über  die  Ausweisung ­
  hinaus  schädigen  könnte.  Nur  die  Nationalsozialisten  unter  ihnen  sollten
durch  zusätzliche  Sanktionen  bestraft  werden.  Die  Ausgewiesenen  sollten  in  verschiedene ­
  Regionen  Deutschlands,  Frankreichs  und  in  die  Kolonien  geschickt  werden ­
 22 .  Die  dadurch  an  der  Saar  fehlenden  Arbeitskräfte  sollten  durch  neue  ethnische

18  CCFA/CC/CAC  220:  Koenig  an  das  CGAAA,  16.1.1946;  AOFAA  CC  POL  III  K  3  p.44;  der  Entwurf
ist  auch  unter  dem  Briefkopf:  CCFA/DGAA/CAB,  o.D.,  vorhanden.  Laffon  wies  Grandval  darauf  hin,
daß  ihm  die  Grundsätze  dieses  Entwurfes  bekannt  sein  müßten:  Ce  sont  celles  qu'ont  ete  arretees  avec
nous  au  cours  de  la  seance  de  Commission  qui  s'est  tenue  sous  ma  presidence  le  27  decembre  1945;
CCFA/CAB  80:  Laffon  an  Grandval,  4.2.1946;  AOFAA  CC  POL  L  2  p.46.  Hierzu:  Hudemann,  Die
Saar,  S.  32f.
19  De  Varreux  wollte  nur  wenige  Änderungen  am  Text  vornehmen,  die  vor  allem  die  Wirtschaftspolitik
betrafen.  Bei  den  geplanten  Massenausweisungen  schlug  er  ein  zeitlich  gestaffeltes  Vorgehen  vor
(mesures  ä  appliquer  suivant  un  plan  qui  s’etalera  dans  le  temps)\  CCFA/CC/CAC:  De  Varreux  an
Koenig,  2.1.1946;  AOFAA  CC  POL  III  K  3  p.44.
20  In  seiner  Rede  zur  ersten  Sitzung  der  Gesetzgebenden  Versammlung  des  Saarlandes  am  14.  Oktober
1947  wiederholte  Grandval  diese  Sichtweise:  Alle  politischen  Verhältnisse,  alle  Beziehungen  zwischen
Nachbarvölkern  wurden  durch  das  Preußentum  gefälscht,  und  das  Saarland,  das  seinen  Irrtum  von
1935  teuer  bezahlt  hat,  war  auch  eines  der  hauptsächlichsten  Opfer  dieser  imperialistischen  Umklammerung; ­
  Ltag  Saar  l.WP  Drs.  1/1,  21.10.1947,  S.  2.
21  Hierzu:  Kettenacker,  Lothar:  Nationalsozialistische  Volkstumspolitik  im  Elsaß.  Stuttgart  1973;  Neigen,
Marcel:  Intemements  et  deportation  en  Moselle  1940-1945.  Metz  1978;  Wolfanger,  Peter:  Die  nationalsozialistische ­
  Politik  in  Lothringen  (1940-1945).  Saarbrücken  1977.  Yves  Durand  erwähnt  die  Äußerung ­
  des  lothringischen  Abgeordneten  Wiltzer,  der  in  der  außenpolitischen  Debatte  der  Beratenden
Versammlung  im  November  1944  die  Annektion  der  linksrheinischen  Gebiete  gefordert  hatte.  Der  sich
der  Französisierung  widersetzende  Bevölkerungsteil  müsse  vertrieben  werde,  erklärte  er  unter  ausdrücklicher ­
  Bezugnahme  auf  den  durch  Hitler  geschaffenen  Präzedenzfall;  Durand,  S.  46  u.  53f.
22  Landwirtschaftliche  Arbeitskräfte  und  etwa  40.000  Industriearbeiter  sollten  in  Württemberg  und  Baden, ­
  andere  Personengruppen  in  Frankreich  angesiedelt  werden.  Da  es  sich  durchweg  um  arbeitende
Bevölkerungsgruppen  handele,  würden  sie  Frankreich  von  Nutzen  sein.  Im  Umfang  von  30.000  Perso ­
            
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