Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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sierten 4 .  In  den  Directives  particulieres  concernant  la  Sarre  sprach  sich  das  Comite
für  eine  französische  Besatzungspolitik  aus,  die  zwar  keine  Annexion  des  Gebietes,
aber  eine  enge  Verbindung  mit  Frankreich  vorbereiten  solle 5 .  Ziel  sei  ein  vom  Deutschen ­
  Reich  abgetrenntes  Saarland,  wirtschaftlich  an  Frankreich  angebunden  und
politisch  unter  westlicher  Ausrichtung  von  einer  autonomen  Verwaltung  regiert.  Die
Verwaltung  sei  zuvor  von  fremden  Einflüssen  zu  befreien:  ...  preparer,  non  une  annexion
  pure  et  simple,  mais  une  union  ä  la  France,  caracterisee  par  une  incorporation
  economique  et  la  creation  d'une  administration  autonome  ä  direction  frangaise
ou  les  Sarrois,  debarrasses  de  leurs  fonctionnaires  prussiens  et  bavarois,  occuperaient
  une  large  place  dans  un  regime  de  liberte  respectant  leurs  particularites  et  leur
dignite 6 .  Die  günstige  politische  Lage  in  einem  militärisch  besiegten  und  politisch
apathisch  damiederliegenden  Land  sollte  jetzt  dazu  benützt  werden,  bis  zu  dem  Erlaß
eines  endgültigen  Saar-Statuts  die  Voraussetzungen  für  eine  energische  Assimilationspolitik ­
  (une  politique  d'assimilation  tres  poussee)  zu  schaffen 7 .  Die  administrativen ­
  Verbindungen  zum  Oberregierungspräsidium  in  Neustadt  sollten  bis  auf  Ernährungsfragen ­
  sofort  unterbunden,  die  religiösen  Bindungen  der  Saarländer  an  die  Bischofssitze ­
  in  Trier  und  Speyer  gelockert,  die  kulturellen  Verbindungen  zu
Frankreich  verbessert  und  ein  neues  Presse-  und  Kommunikationswesen  an  der  Saar
aufgebaut  werden.  Eine  energische  Entnazifizierung,  die  nicht  nur  die  Bestimmungen
des  SHAEF-Handbooks  befolge,  sondern  außerdem  die  regionale  Herkunft  der  Betroffenen ­
  berücksichtige,  sollte  den  Neuaufbau  einer  autonomen  saarländischen
Verwaltung  fördern:
L'epuration  sefera  non  seulement  selon  les  formules  de  denazification  tres  completes
  etablies  par  SHAEF,  mais  aussi  en  tenant  compte  de  Vorigine  prussienne
ou  bavaroise  des  Interesses.  II  importe,  en  effet,  de  debarrasser  l'administration

4  Der  Entwurf  zur  Saar-Direktive  von  Dejean:  "Projet  de  directives  particulieres  concemant  la  Sarre"
(o.D.)  befindet  sich  in:  MAE  Y  1944-49  d.679/116-121.  Die  Direktive  wurde  unter  dem  Vorsitz  de
Gaulles  auf  der  Sitzung  des  CIAAA  am  3.  September  1945  angenommen;  MAE  Y  1944-49
d.692/355-358.  Hierzu:  Hudemann,  Die  Saar,  S.  27f.
5  Im  August  1944  hatte  Dejean  eine  Annexion  der  Saar  nicht  ausschließen  wollen:  Enfin,  si  la  France  n'a
aucune  intention  d'annexer  la  Rhenanie  la  question  de  la  Sarre  se  pose  tres  differemment...  La  question
  de  la  Sarre  avait  ete  consideree  comme  ouverte  ä  nouveau;  Miss.Dipl.Fran^.  aupres  des  Gouvernements ­
  Allies  in  London:  Maurice  Dejean:  "Le  probl&me  allemand",  21.8.1944  (32  Seiten);  MAE  Y
1944-49  d.278/19-35  u.  AP  GB  457  AP  60.  Laffon  lehnte  dagegen  eine  Annexion  des  Saarlandes  unmißverständlich ­
  ab:  L'annexion  d'une  terre  dont  la  population  est  incontestablement  allemande  irait  ä
l'encontre  des  principes  affirmes  par  la  Charte  de  l'Atlantique;  CCFA/CAB:  Laffon  an  Koenig,
8.2.1946;  AOFAA  LAFFON  c.13.  Zur  Frage  französischer  Annexionsabsichten:  Hudemann,  Die  Saar,
S.  23ff.;  Küppers,  Heinrich:  Wollte  Frankreich  das  Saarland  annektieren?,  in:  JWLG  9  (1983),
S.  345-356;  Loth,  Wilfried:  Die  Saarfrage  und  die  deutsch-französische  Verständigung.  Versuch  einer
Bilanz,  in:  ZGS  34/35  (1986776),  S.  276-291.
6  CIAAA,  25.8.1945  (Anm.  2).  Während  des  nächsten  Jahres  ließ  sich  das  CGAAA  laufend  über  das
Zahlenverhältnis  zwischen  saarländischen  und  anderen  Beamten  in  der  Verwaltung  informieren:  So
betrug  im  Januar  1946  der  Anteil  der  Nicht-Saarländer  unter  den  Beamten  (vor  allem  aus  der  ehemals
bayrischen  Pfalz  und  dem  preußischen  Rheinland)  27,8%;  in  den  Bereichen  Eisenbahn,  Erziehung  und
im  Klerus  waren  die  Nicht-Saarländer  überproportional  vertreten;  AOFAA  SEAAA  1/3  c.61.
7  Ebd.
            
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