Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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que  Province  un  Gouvernement  de  Vichy 40 .  Die  französischen  Politiker,  die  von  der
Existenz  eines  "anderen  Deutschlands"  ausgingen,  stellten  dagegen  die  Umerziehungs-
  und  Demokratisierungspolitik  in  den  Mittelpunkt  ihrer  Bemühungen  um  die
zukünftige  Sicherheit  Frankreichs.  Der  Quai  d'Orsay  kam  in  einem  Memorandum
vom  September  1944  zu  der  Auffassung,  daß  ein  langfristiger  Erfolg  der  Besatzungspolitik ­
  davon  abhinge,  ob  die  deutsche  Öffentlichkeit  und  insbesondere  die
deutsche  Jugend  von  den  Vorteilen  eines  demokratischen  Staatssystems  überzeugt
werden  könne:  La  partie  sera  bien  pres  d'etre  gagnee  s'il  est  prouve  ä  l'opinion  allemande
  qu'un  peuple  libre  peut  etre  en  meme  temps  digne  et  fort 41 .
Aufgabe  sei  es,  die  in  Deutschland  vorhandenen  demokratischen  Traditionen  zu  stärken, ­
  um  die  spätere  Rückkehr  der  Deutschen  in  den  Kreis  der  zivilisierten  Nationen
zu  ermöglichen.  Der  Nationalsozialismus  und  jede  andere  nationalistische  Ideologie
müßten  aus  den  deutschen  Köpfen  vertrieben  werden.  An  ihre  Stelle  seien  demokratische ­
  Ideen  zu  verankern.  Die  alliierte  Besatzung  brauche  eine  in  die  Zukunft  weisende ­
  Bestimmung  (la  täche  des  Gouvernements  allies  ne  devra  pas  se  limiter  ä  un
röle  negatif) 42 .  Auch  Laffon  war  von  der  besonderen  Mission,  die  Frankreich  in  seiner ­
  Besatzungszone  zu  erfüllen  habe,  überzeugt:  La  France  doit,  aujourd'hui  comme
autrefois,  etre  ä  l'avant  garde  du  renouveau  philosophique,  politique  et  social,  puisque
  c'est  de  cette  position  avancee  qu'elle  a  jusqu'alors  tire  aux  yeux  du  monde  son
Principal  avantage 43 .  Zu  dieser  Mission  gehörte  für  ihn  an  erster  Stelle  der  Versuch
einer  Demokratisierung  des  deutschen  Volkes;  dies  wurde  von  ihm,  neben  militärischen, ­
  politischen  und  ökonomischen  Maßnahmen,  als  eine  weitere  Komponente  der
französischen  Sicherheitspolitik  angesehen.  Die  Entnazifizierung  war  dabei  sowohl
Voraussetzung  als  auch  Bestandteil  des  Demokratisierungsprozesses.  Der  Aufbau  einer ­
  demokratischen  Verwaltung  und  die  Bildung  demokratischer  Parteien  waren
weitere  Elemente,  zu  denen  noch  der  große  Komplex  der  Kulturpolitik  und  Umerziehung ­
  hinzukam.
Nach  Laffons  Auffassung  konnte  diese  Politik  über  längere  Zeit  nicht  ohne  die  Mitarbeit ­
  deutscher  Kräfte  durchgeführt  werden.  Das  "andere  Deutschland"  sollte  daher
für  die  Schaffung  der  neuen  deutschen  Gesellschaft  gewonnen  und  ihr  dadurch  ein
Fortdauern  über  die  Besatzungszeit  hinweg  gesichert  werden 44 .  Diesem  Ziel  entsprach ­
  auch  die  Weisung  an  die  französische  Besatzungspolitik,  sich  allmählich  auf
eine  indirekte  Verwaltung  der  Zone  zurückzuziehen.  Parallel  dazu  erfolgte  eine
schrittweise  Übergabe  von  Kompetenzen  und  Verantwortung  an  deutsche  Verwaltungen. ­
  Diese  von  der  Orts-  über  die  Kreis-  bis  hin  zur  Länderebene  neu  aufgebaute
deutsche  Verwaltung  sollte  mit  antifaschistischen,  demokratischen  und  -  wenn  möglich ­
  -  frankreichfreundlichen  Personen  besetzt  werden.  Stück  für  Stück  sollten  die
neuen  deutschen  Kräfte  demokratisches  Verhalten  erlernen  und  erfolgreich  praktizieren: ­


40  CCFA,  10.9.1945  (Anm.  34).
41  Bidault,  28.11.1944  (Anm.  6).
42  Ebd.
43  Laffon,  25.10.1945  (Anm.  5).
44  Laffon,  20.8.1945  (Anm.  4).
            
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