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Vorgehens weise, der breiten Bevölkerung ein Verantwortungsgefühl für das eigene
politische Handeln gegeben wurde 5 .
Die französische Entnazifizierungspolitik stellte seit Herbst 1945 eine Alternative
zum Vorgehen der amerikanischen Militärregierung dar. Das frühzeitige Heranziehen
deutscher antifaschistischer Kräfte, die Betonung auf dem individuellen Verfahren
und der Verzicht auf einen moralischen Rigorismus machten es möglich, die
Entnazifizierung während der ersten beiden Nachkriegsjahre kontinuierlich durchzuführen.
Einen Wandel erfuhr die Entnazifizierung erst im Sommer 1947 infolge
der Umsetzung der KR 38 in deutsche Ländergesetze. Rückblickend kann man sagen,
daß die Militärregierung das Ziel ihrer Entnazifizierungspolitik, den deutschen
demokratischen Kräften zum dauerhaften Erfolg zu verhelfen und damit den Frieden
zu sichern, erreicht hat. Ein dauerhafter Elitenwechsel wurde allerdings nur bei der
politischen Elite, nicht jedoch in der öffentlichen Verwaltung, Privatwirtschaft und
den anderen gesellschaftlichen Bereichen erreicht 6 . Die Voraussetzung dafür, die
Existenz eines zahlenmäßig großen "anderen Deutschlands", war nach 1945 nicht
gegeben. Die nationalsozialistische "Volksgemeinschaft" war keine ideologische
Leerformel geblieben; breite Gesellschaftsschichten waren durch den Nationalsozialismus
kompromittiert 7 . Die deutsche Nachkriegsgesellschaft konnte und wollte nicht
auf die meisten ihrer politisch belasteten Beamten verzichten, und die Parteien lehnten
es ab, die neue Demokratie ohne die ehemaligen Pgs aufzubauen. Nachdem die
Entnazifizierungspolitik in die Kompetenz der deutschen Verwaltung übergegangen
war, wurde das Verfahren so schnell wie möglich beendet. Die Demokratisierungspolitik
der französischen Militärregierung bewirkte, daß am Ende der Entnazifizierung
die personelle "Renazifizierung" stand.
5 Eine Auswahl aus der umfangreichen Literatur zu dieser Frage: Bergmann, Werner: Die Reaktion auf
den Holocaust in Westdeutschland von 1945 bis 1989, in: GWU 43 (1992), S. 327-350. Buchheim,
Hans: Politische Kriterien der Schuld an der NS-Herrschaft und deren Verbrechen, in: Politik, Philosophie,
Praxis - Festschrift für Wilhelm Hennis zum 65. Geburtstag/hrsg. von Hans Maier u.a. Stuttgart
1988, S. 513-525; Dudek, Peter: "Vergangenheitsbewältigung". Zur Problematik eines umstrittenen
Begriffs, in: APZ B 1-2/92 (3.1.1992), S. 44-53; Foschepoth, Josef: Zur deutschen Reaktion auf Niederlage
und Besatzung, in: Westdeutschland, S. 151-166; Graml, Hermann: Die verdrängte Auseinandersetzung
mit dem Nationalsozialismus, in: Zäsuren nach 1945: Essays zur Periodisierung der deutschen
Nachkriegsgeschichte/hrsg. von Martin Broszat. München 1990, S. 169-183; Lübbe, Hermann:
Der Nationalsozialismus im deutschen Nachkriegsbewußtsein, in: HZ 236 (1983), S. 579-599.
6 Hierzu: Berghahn, S. 49ff.; Fait, Barbara: Die Kreisleiter der NSDAP - nach 1945, in: Von Stalingrad,
S. 213-299, hier S. 296ff.; Henke, Die Trennung, S. 56ff.; Hetzer, S. 590f.; Wember, S. 364ff.
7 So auch Henke, Die Trennung, S. 55 u. 65; Ders., Die Grenzen; Vollnhals, Einleitung, S. 57.