Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Aufbau  der  neuen  politischen  Kultur  gewonnen,  Boykotthaltungen  oder  Störversuche
ehemaliger  Nationalsozialisten  in  Verwaltung  und  Wirtschaft  verhindert  werden 31 .
Nach  einigen  Erfahrungen  mit  der  deutschen  Nachkriegsmentalität  neigten  allerdings
wenige  Jahre  später  auch  die  Gegner  der  Kollektivschuldthese  zu  einer  pessimistischeren ­
  Sicht:  Laffon  warnte  Koenig  Ende  1947  angesichts  der  Kritik,  die  von  den
deutschen  Kirchen  an  der  Entnazifizierungspraxis  und  der  Behandlung  der  Internierten ­
  geübt  worden  war,  davor,  diese  Äußerungen  nur  als  Ausdruck  christlicher  Nächstenliebe ­
  zu  betrachten.  Die  Haltung  der  Kirchen  trage  vielmehr  Anzeichen  einer
Solidarität  mit  den  ehemaligen  Nationalsozialisten  gegen  die  Besatzungsmacht  -  dies
zeige  einmal  mehr  die  tiefe  Verstrickung  des  gesamten  deutschen  Volkes  in  den  Nationalsozialismus ­
 32 .  Auch  der  ehemalige  Kabinettsdirektor  des  Gouverneurs  Hettier
de  Boislambert,  Pierre  Julitte,  äußerte  sich  1950  skeptisch  und  enttäuscht  über  die
Mentalität  der  Deutschen:  Man  solle  nicht  annehmen,  daß  die  Deutschen  mittlerweile
etwas  von  dem  demokratischen  Gedankengut  der  westlichen  Welt  in  sich  aufgenommen ­
  hätten:  Le  peuple  allemand  dans  son  ensemble  a  trop  la  nostalgie  de
l'autorite,  de  la  discipline,  il  est  trop  convaincu  de  sa  force  et  de  sa  mission  pour
s'egarer  dans  des  conceptions  politiques  ou  philosophiques  qu'il  estime  nefastes  ä
l'epanouissement  d’un  pays.  Par  sa  nature  comme  par  sa  formation  l'Allemand  n'est
pas  democrate  33 .

Die  Auswirkungen  des  Deutschlandbildes
Das  überwiegend  negative  Deutschlandbild  hatte  dazu  geführt,  daß  großer  Wert  auf
das  Auftreten  und  das  Erscheinungsbild  der  französischen  Besatzungstruppen  gelegt
wurde.  Jeder  französische  Soldat  und  Verwaltungsbeamte  sollte  sich  in  seinem  Verhalten ­
  an  dem  Charakter  der  Deutschen  orientieren:  Ne  jamais  oublier  que
lAllemand  est  romantique,  qu'il  aime  les  symboles,  les  defiles  militaires,  l'etalage  de
la  force.  Veiller  au  caractere  spectaculaire  de  l'occupation  34 .  Laffon  wies  seine  Offiziere ­
  darauf  hin,  daß  durch  ihr  Verhalten  der  Grundstein  für  den  Erfolg  der  französischen ­
  Politik  gelegt  werde.  Die  Besatzungspolitik  sollte  zwar  hart,  aber  auch  gerecht ­
  sein  (severe  mais  correcte)  -  alles  andere  würde  nur  als  ein  Zeichen  von
Schwäche  verstanden  werden 35 :  L'Allemand  meprise  la  faiblesse.  Or,  l'injustice  gratuite
  et  l'indiscipline  dans  notre  commandement  ou  not  re  administration  seraient  interpretees
  par  lui  comme  des  preuves  de  faiblesse 36 .

31  Ebd.
32  CCFA/CAB/C  11650:  Laffon  an  Koenig,  16.11.1947;  Anlaß  des  Schreibens  war  die  Kritik  des  Bischofs ­
  der  evangelischen  Kirche  Baden,  Bender;  AOFAA  DGAP  c.233  p.50.
33  HCAA-RP/District  de  Treves:  "Rapport  mensuel",  9.5.1950;  AOFAA  RP  c.3181  p.8  d.39.
34  CCFA/CC  (Sigel  "SD"):  "Projet  de  plan  triennal”,  10.9.1945;  AOFAA  CC  POL  I  B  2  p.ll.  Der  Versuch ­
  französischer  Truppen,  dementsprechend  prunkhaft  oder  autoritär  aufzutreten,  hatte  oft  einen  gegenteiligen ­
  Effekt;  hierzu:  Willis,  S.  74ff.
35  Laffon,  20.8.1945  (Anm.  4).
36  CIAAA,  19.7.1945  (Anm.  3).  Siehe  auch  den  Tagesbefehl  Nr.  1  von  General  Billotte,  12.7.1945:  Agir
vis-ä-vis  de  la  population  avec  fermete  mais  justice  ...  donnant  ä  la  zone  occupee  une  haute  idee  de  la
force,  de  la  dignite  et  de  la  discipline  fran^aise;  AOFAA  RP  c.919  p.  16  d.  148.
            
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