Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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2.  Das  Resümee  der  französischen  Militärregierung

Die  Militärregierung  zog  eine  eher  resignative  Bilanz  ihrer  Entnazifizierungspolitik.
Einer  derjenigen,  der  sie  als  letztlich  völlig  überflüssig,  da  wirkungslos  einschätzte,
war  der  Bezirksdelegierte  in  Trier,  Pierre  Julitte,  der  frühere  Kabinettsdirektor  Hettier
  de  Boislamberts.  Er  warf  der  Militärregierung  vor,  es  versäumt  zu  haben,  zum
richtigen  Zeitpunkt  zuverlässige  Personen  in  die  verantwortlichen  Stellen  der  deutschen ­
  Verwaltung  zu  setzen:  Entre  l'etat  des  administrations  ä  notre  arrivee  en  1945
et  l'etat  qui  y  regne  aujourd'hui,  il  n'y  a  presque  aucune  difference.  On  a  nettement
Vimpression  que  l'epuration  n'a  servi  ä  rien.  Diese  "Renazifizierung"  sei  durch  die
Mitläuferamnestien  ausgelöst  worden.  Weder  in  Baden-Baden  noch  in  Koblenz  habe
die  Militärregierung  auf  die  massive  Rückkehr  der  ehemaligen  Pgs  in  die  öffentliche
Verwaltung  angemessen  reagiert.  Die  deutschen  Parteien  hätten  diese  Entwicklung
begünstigt.  Sie  würden,  par  pure  demagogie,  sans  souci  de  l'avenir  politique  de
l'Allemagne,  um  die  Stimmen  der  ehemaligen  Pgs  buhlen.  Die  deutsche  Bevölkerung
wolle  nichts  mehr  von  dem  verbrecherischen  Charakter  des  NS-Regimes  wissen.
Auch  einige  Offiziere  der  Militärregierung  hätten  Schuld  an  diesem  Zustand.  In  der
deutschen  Bevölkerung  sei  der  Spruch:  Chaque  nazi  a  son  Frangais,  chaque  frangais
a  son  nazi  sehr  populär 1 .  Als  Resümee  stellte  Julitte  im  Oktober  1950  fest:
En  ce  qui  concerne  notre  action  en  Allemagne,  action  base  avant  tout  sur  une
denazißcation  ejficace,  condition  primordiale  pour  etablir  les  bases  d'une  veritable
  democratie,  nous  pouvons  avec  sincerite  faire  ä  la  veille  de  notre  depart  le
bilan  de  la  catastrophe 2
Auch  Charles  Schiehle,  zuvor  Chef  des  Service  Epuration  in  Baden-Baden  unter  General ­
  Koenig  und  seit  Anfang  1950  in  der  politischen  Abteilung  des  Hohen  Kommissariats ­
  in  Bonn  tätig,  beklagte  im  September  1950  das  Ausmaß  der
"Renazifizierung",  das  zu  dem  allgemeinen  Eindruck  des  völligen  Scheitems  der  alliierten ­
  Entnazifizierungspolitik  in  Deutschland  beigetragen  habe.  Die  Militärregierung ­
  habe  sich  damals  eine  Aufgabe  vorgenommen,  die  die  vorhandenen  Kräfte
überstiegen  habe.  Die  Entnazifizierung  in  der  französischen  Zone  habe  es  aber  ermöglicht, ­
  die  NS-Aktivisten  von  den  Schaltstellen  der  Macht  zu  verdrängen  -  ein
Ausschluß  aller  ehemaligen  Pgs  aus  dem  Öffentlichen  Leben  sei  weder  geplant  noch
durchführbar  gewesen.  Zwar  habe  die  NS-Ideologie  nicht  restlos  aus  den  Köpfen  der
Deutschen  beseitigt  werden  können;  die  Wahlergebnisse  würden  aber  zeigen,  daß
neonazistische  Bewegungen  keinen  Widerhall  in  der  Bevölkerung  fänden  -  dies  sei
nicht  zuletzt  ein  Verdienst  der  Entnazifizierung.  Schiehle  mahnte  trotzdem  zu  erhöhter ­
  Aufmerksamkeit:
Des  vestiges  de  l'ideologie  nazie  subsistent  donc  tel  un  feu  presque  eteint  qui
couve  sous  la  cendre.  Pour  le  moment,  l'hitlerisme  est  deconsidere  ...  II  ne  serait
pas  impossible,  pourtant,  que  dans  certaines  circonstances,  et  notamment  si
l'evolution  de  la  Situation  internationale  ou  des  affaires  interieures  de

1  GMRP/District  Treves:  "Rapport  mensuel",  2.3.  u.  1.5.1949,  3.10.1950;  AOFAA  RPc.3181  p.8  d.39.
2  Ebd.
            
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