Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

398 
Kommissariat nicht mehr die Kontrollinstrumente, um die Rückkehr dieser Personen 
{qui appartiennent ä la tradition Prussienne et nationaliste) zu verhindern 12 . 
Nachdem im Frühjahr 1949 die ersten Entlassungen im öffentlichen Dienst ausge 
sprochen worden waren, kritisierte Grandval vehement, daß unter den Entlassenen 
viele Personen seien, die nach 1945 in die Verwaltung gekommen waren. Er führte 
die Fälle mehrerer entlassener MRS-Mitglieder an. Hoffmann rechtfertigte die Ent 
lassungen mit dem Hinweis auf den dringend notwendigen Personalabbau. Nach 
Kriegsende seien zum großen Teil Personen eingestellt worden, die normalerweise 
für die Verwaltung ungeeignet seien. Sie seien damals nicht verbeamtet worden, da 
ihre Beschäftigung nur als eine vorübergehende angesehen worden war 13 . Der Kabi 
nettsdirektor Grandvals, Paul Schwab, zeigte sich erstaunt über diese Argumentati 
onsweise: 1945 habe man doch nicht voraussehen können, daß die Entnazifizierung 
letztendlich so wohlwollend ausfallen würde. Er forderte Hoffmann auf, stattdessen 
diejenigen Beamten zu entlassen, die sich einer saarländisch-französischen Verstän 
digungspolitik widersetzten 14 . Hoffmann versichterte ihm lediglich, daß er keines 
falls dulden werde, daß ehemalige Nationalsozialisten wiedereingestellt werden wür 
den, wenn sie nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie rückhaltlos für den saarländi 
schen Staat und seine Verfassung eintreten l5 . 
1.2. Rheinland-Pfalz 
Die Frage, ob ein nach 1945 entlassener, jetzt aber für politisch tragbar erklärter Be 
amter einen Rechtsanspruch auf Wiederverwendung besäße, wurde im Ministerrat 
kontrovers diskutiert 16 . Landeskommissar Junglas und Finanzminister Hoffmann 
(SPD) sprachen sich dagegen aus, während Innenminister Steffan (SPD) die Wieder 
einstellung der Betroffenen befürwortete. Justizminister Süsterhenn sah durch die 
Bestimmungen des Beamtenrechts und der LVO einen Rechtsanspruch vorliegen 17 . 
Das am 23. März 1949 verkündete Landesgesetz über die Rechtsstellung früherer 
Angehöriger des öffentlichen Dienstes (Rechtsstellungsgesetz) sprach allen Entlasse 
nen das Recht zu, einen Antrag auf Wiederverwendung zu stellen, über den das In 
12 HCRFS/CAB: Grandval an das MAE/s/Direction Sarre, 31.7.1948; MAE Z EU/Sarre 1944-49 
d.20/97-111, hier 103ff. 
13 HCRFS/CAB 16701: Grandval an Hoffmann, 5.5.1949; Hoffmann an Grandval, 24.5.1949; LA SB SK 
900. 
14 Er erwähnte dabei den Fall eines wiedereingestellten Lehrers, der sich seinen Schülern folgendermaßen 
vorgestellt hatte: Seht Ihr, Nazi im Jahre 1933 und entnazifiziert, erteile ich Unterricht... Man muß nur 
ein bißchen Geduld haben', HCRFS/CAB 17819: Schwab an Hoffmann, 21.7.1949; LA SB SK 1248. 
15 Hoffmann an Grandval, 18.8.1949; LA SB SK 900. 
16 Protokolle der Ministerratssitzungen, 9.12.1947 u. 19.3.1948; LHA KO 860/3607/3 u. 19. Ebenda auch 
der Schriftwechsel zwischen den beteiligten Ministerien. 
17 Keine Dienststelle ist berechtigt, außerhalb des in dieser Verordnung geregelten Verfahrens gegen Be 
amte Nachteile zu verhängen wegen ihrer Zugehörigkeit zur NSDAP oder wegen anderer unter diese 
Verordnung fallender Tatbestände-, § 17 Abs. 7 LVO. Der Städtetag und die pfälzischen Kirchen unter 
stützten die Haltung des Justizministeriums; siehe den Zeitungsartikel des Mainzer Oberbürgermeisters 
Kraus im "Rheinischen Merkur", 27.11.1948, die Erklärungen der evangelischen Kirche der Pfalz, 
20.12.1948, u. des Bischöflichen Ordinariats in Speyer, 5.1.1949; BSTA SP 12/4a.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.