Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Die  Arbeit  der  Lagerspruchkammer  Landau  kam  Ende  1948  ins  Stocken,  als  der
Vorsitzende,  Landgerichtspräsident  Theo  Höffner,  aus  Gesundheitsgründen  von  seinem ­
  Posten  zurücktrat  und  kein  Ersatz  gefunden  werden  konnte 40 .  Auch  die  Arbeit
der  neuen  Lagerspruchkammer  in  Trier  verzögerte  sich,  da  die  Untersuchungsausschüsse ­
  ihre  Ermittlungsakten  nur  sehr  schleppend  abgaben;  Anfang  Februar  1949
wartete  der  Öffentliche  Kläger  noch  auf  90  Akten 41 .  Roy  nette  ermahnte  im  März
1949  den  Landeskommissar,  die  Spruchkammerverhandlungen  gegen  75  namentlich
genannte  Personen  zu  eröffnen,  deren  Unterlagen  zum  Teil  bereits  im  April  1948  den
deutschen  Behörden  übergeben  worden  waren.  Es  handelte  sich  dabei  unter  anderem
um  13  Kreis-  und  20  Ortsgruppenleiter,  fünf  SA-  und  sieben  SS-Mitglieder,  sechs
SD-Mitarbeiter  und  vier  Gestapobeamte  sowie  acht  Personen,  denen  eine  Teilnahme
am  Judenpogrom  1938  vorgeworfen  wurde 42 .  Junglas  räumte  daraufhin  den  Interniertenverfahren ­
  Vorrang  vor  anderen  Spruchkammerverfahren  ein  und  bildete  eine
zweite  Abteilung  der  Lagerspruchkammer 43 .  Ende  Mai  1949  übergab  ihm  Roynette
eine  weitere  Liste  der  Internierten,  deren  Fälle  vordringlich  verhandelt  werden  sollten: ­
  II  s'agit  de  personnes  dont  le  cas  semble  moins  grave  que  celui  des  ex-Kreisleiter
  et  dont  l'instruction  doit  se  trouver,  selon  toute  attente,  terminee  ä  l'heure  actuelle
  44 .
Anfang  April  1949  befanden  sich  in  Rheinland-Pfalz  noch  164  Personen  in  Intemierungshaft,
  davon  89  in  Trier  und  75  in  Landau.  General  Koenig  akzeptierte  den  Vorschlag ­
  der  Militärregierung  in  Koblenz,  anläßlich  des  Osterfestes  1949  über  die
Hälfte  der  Internierten  freizulassen,  pour  des  raisons  d'opportunite  politique.  Diese
Freilassungen  (37  in  Trier  und  66  in  Landau)  betrafen  Personen,  deren  zu  erwartendes ­
  Spruchkammerurteil  im  Strafmaß  voraussichtlich  niedriger  als  die  bisherige
Haftzeit  lag 45 .

40  Ebd.
41  Lager-SprK  Trier:  Der  Vorsitzende  an  Junglas,  9.12.1948;  LK:  Bericht  Lichters,  3.2.1949,  u.  Aktennotiz, ­
  5.2.1949;  LHA  KO  856  A/51  u.  138.
42  GMRP/EPU  591:  Roynette  an  Junglas,  15.3.1949;  LHA  KO  856  A/139.
43  Junglas:  VA  Nr.  24,  11.4.1949,  u.  Junglas  an  Roynette,  27.5.1949;  LHA  KO  469/207  u.  AOFAA  RP
c.901  p.7.
44  Dabei  handelte  es  sich  um  ehemalige  Ortsgruppenleiter  und  Kreisbauemführer,  einen  Obersturmführer
der  Allgemeinen  SS  und  einen  SD-Sturmbannführer;  GMRP/EPU  1161:  Roynette,  25.5.1949;  LHA
KO  856  PJ139.
45  GMRP/EPU  818:  Hettier  de  Boislambert  an  Koenig,  12.4.1949;  CCFA/CCSG/AACS/INT/DENAZ
1431:  Coulon  an  Gromand,  15.4.1949;  AOFAA  DGAPc.3302  p.91  d.2  u.  3306  p.l  15.
            
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