Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Die  Situation  Anfang  1949

Kirchenrat  Sachsse  berichtete  Kirchenpräsident  Niemöller  im  November  1948,  daß
er  des  öfteren  die  Möglichkeit  gehabt  habe,  das  Lager  Diez  zu  besuchen,  die  Unterkünfte ­
  einzusehen  und  ohne  Zeugen  mit  Internierten  zu  sprechen:  Ich  hatte  den  Eindruck, ­
  daß  zum  mindesten  im  letzten  Jahr  die  äußeren  Lebensverhältnisse  in  den  Lagern ­
  durchaus  erträglich  waren,  daß  aber  die  Internierten  seelisch  unter  der  Ungewißheit ­
  ihres  Schicksals  und  unter  der  außerordentlichen  Langsamkeit  der  Überprüfung ­
  litten.  Sowohl  der  Chef  des  Service  Epuration,  Roynette,  als  auch  der  Landeskommissar ­
  hätten  ihm  bestätigt,  daß  das  schleppende  Verfahren  zum  großen  Teil
auf  die  Arbeitsweise  der  Spruchkammerorgane  zurückzuführen  sei 30 .  Der  stellvertretende ­
  Landeskommissar  Wolf  kritisierte  im  November  1948  die  Langsamkeit  des
Koblenzer  Behördenapparates,  die  eine  schnellere  Lösung  des  Intemiertenproblems
verhindert  habe.  Seine  Vorschläge  zur  Beschleunigung  des  Verfahrens  seien  nach  anfänglichem ­
  Einverständnis  vom  Justizministerium  in  Koblenz  mit  der  Begründung
abgelehnt  worden,  daß  diese  Frage  zentral  geregelt  werden  müsse 31 .
Die  Zahl  der  Internierten  hatte  sich  von  2.984  Personen  am  Jahresanfang  1948  auf
592  am  1.  Oktober  1948  drastisch  verringert,  vor  allem  aufgrund  von  Freilassungen
durch  die  Militärregierung 32 .  Anfang  Oktober  1948  verlegte  die  Militärregierung
einen  Teil  der  Internierten  in  das  neu  eingerichtete  Lager  auf  dem  Petrisberg  in  Trier;
zu  diesem  Zeitpunkt  befanden  sich  noch  etwa  155  Internierte  im  Lager  Diez,  das
bald  darauf  aufgelöst  wurde 33 .  Das  neue  Lager  Trier  wurde  erstmals  am  20.  Oktober
von  einem  Mitarbeiter  des  Landeskommissars  besichtigt;  369  Internierte  waren  noch
mit  dem  Aufbau  beschäftigt.  Am  2.  November  stand  die  Besetzung  der  Lagerspruchkammer ­
  fest 34 .  Nachdem  die  Akten  aus  Diez  in  Trier  eingetroffen  waren,  nahm  sie
ihre  Tätigkeit  auf.  Das  Lager  zählte  zu  diesem  Zeitpunkt  -  Anfang  Februar  1949  -
noch  152  Insassen 35 .

30  Sachsse  an  Niemöller,  26.11.1948;  AEKRH  Bf  11.  Siehe  auch:  "Allgemeine  Zeitung",  19.6.1948:
Köpfe  aus  dem  Internierungslager.
31  LK/Pfalz:  Bericht  Wolfs  über  seine  Reise  nach  Süd-Baden,  24.11.1948;  LA  SP  R  18/108.
32  GMRP/EPU  9580:  Hettier  de  Boislambert  an  Koenig,  26.10.1948;  AOFAA  DGAP  c.3302  p.91  d.  1.
33  Junglas  an  Roynette,  12.10.1948:  Bericht  über  den  Besuch  Lichters  und  Grüns  im  Lager  Diez,
7.10.1948;  LHA  KO  856  A/11  u.  113.
34  Die  Militärregierung  hatte  den  ersten  Vorschlag  für  den  stellvertretenden  Öffentlichen  Kläger  abgelehnt, ­
  etant  donne  l'attitude  reticente  actuelle  des  partis  politiques  ä  son  egard\  Junglas  an  Roynette,
21.10.1948,  u.  GMRP/EPU  9637:  Julitte  an  Junglas,  2.11.1948;  LHA  KO  856  A/51.
35  Lager-SprK  Trier:  Der  Vorsitzende  an  Junglas,  9.12.1948;  LHA  KO  856  A/51.
            
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