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nalsozialismus den ureigensten Ausdruck des Deutsch- beziehungsweise des
Preußentums - sie wurde unter anderem in den Ausbildungskursen der AMFA den
künftigen Besatzungsoffizieren vermittelt. Die deutsche Mentalität (l'äme allemande)
führe dazu, daß der einzelne in einer homogenen Masse, der deutschen "nationalsozialistischen
Volksgemeinschaft", aufgehe. Die andere Ursachenanalyse, die sich
schließlich bei der Planung und Durchführung der Entnazifizierungspolitik durchsetzte,
sah im Nationalsozialismus das Ergebnis des deutschen Sonderweges in Europa.
Eine Entwicklung, die vom Preußentum dominiert worden war, habe im NS-Regime
ihre Vollendung gefunden. Diese Analyse ging jedoch von der Existenz eines
"anderen Deutschlands" 25 aus, auf das man sich beim Versuch der Demokratisierung
Deutschlands stützen könne.
Professor Vermeil, der auf dem Lehrgang der AMFA referierte, griff bei der Erklärung
des Charakters und Erfolges des Nationalsozialismus auf die Geschichte der
Lutherischen Reformation und des preußischen Staates zurück. Seine These lautete:
Hitler n'a pas tout fait. C'est un exposant du regime, un exposant populaire.
L'hitlerisme est un phenomene total. II repond aux aspirations de l'Allemagne 26 .
Noch deutlicher legte der Geschichtsprofessor Andre Siegfried von der Academie
Fran^aise diese Auffassung anläßlich der Eröffnungsvorlesung eines Ausbildungslehrganges
der AMFA dar. Er versuchte das Problem "Deutschland" durch ein ausführliches
Eingehen auf seine geographische Lage, die Psyche und Charakterzüge
seiner Einwohner zu erklären. Deutschland sei ein Land, das in einem ständigen Änderungsprozeß
und Werden begriffen sei: L'Allemagne est essentiellement le pays du
devenir, de l'indetermination, eile est prete ä toutes les eventualites, eile est ouverte
et disponible ä celui qui veut et qui peut la prendre ... Un jour c'est Bismarck, un
autre jour Guillaume II, puis Hitler 27 .
Den Schwerpunkt seines Vortrages legte Siegfried auf die Erklärung "des Deutschen":
Le caractere allemand est indetermine, inacheve; l'etat de devenir est son
etat normal, etat incertain et mouvant. Der Deutsche zeichne sich dadurch aus, daß
er unfähig sei, sich auszudrücken. Ein Ausdruck seiner inneren Unruhe sei die deutsche
Musik (1/ a une vie interieure confuse, mais serieuse). Er leide unter seinem
Mangel an Persönlichkeit, was ihn für starke Führerpersönlichkeiten anfällig mache,
und ersetze diesen Mangel durch seinen starken Willen. Dabei wären die deutschen
Eigenschaften Fleiß und Tüchtigkeit ein Segen für die Menschheit, wenn sie in die
richtige Richtung gelenkt werden könnten. Eine andere Schwierigkeit entstehe durch
25 Das "Andere Deutschland" im Zweiten Weltkrieg. Emigration und Widerstand in internationaler Perspektive/hrsg.
von Lothar Kettenacker. Stuttgart 1977; siehe auch: Hassell, Ulrich von: Die Hassell-Tagebücher
1938-1944: Aufzeichnungen vom Andern Deutschland/nach d. Handschrift rev. u. erw.
Ausg./hrsg. von Friedrich Frhr. Hiller von Gaertringen. Berlin 1988 (Erstausgabe 1946). Zur Frage
"One or Two Germanys" in der angelsächsischen Debatte über die deutsche Kollektivschuld: Kettenacker,
Lothar: Krieg zur Friedenssicherung. Die Deutschlandplanung der britischen Regierung während
des Zweiten Weltkrieges. Göttingen 1989, S. 363ff.; Niethammer, Entnazifizierung, S. 34ff.; Schwarz
S. 92ff.
26 AMFA: "Le Regime National-Socialiste": Vorträge von Professor Vermeil, Sorbonne; AOFAA DG AP
c. 1676 p.80 d.125.
27 AMFA: "Conference d'ouverture du stage de l'AMFA": Vortrag von Professor Andre Siegfried; ebd.