Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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der linksrheinischen Gebiete vom restlichen Deutschland erneut ab (reconnaitre 
qu'on poursuit une chimere en envisageant sa Separation politique ou economique de 
l'Allemagne) 21 . Eine derartige Politik zu verfolgen berge zudem die Gefahr, mehr zu 
verlieren als zu gewinnen. Separatistische Bewegungen entsprächen weder der alli 
ierten Politik noch den französischen Empfindungen; kein echter deutscher Antifa 
schist sei Separatist. Stattdessen sprach sich Laffon für die Unterstützung föderalisti 
scher Bestrebungen aus 22 . 
Während über das Politikziel der Dezentralisierung Deutschlands Konsens unter den 
französischen Politikern herrschte, bildete das Ausmaß des Zentralismus innerhalb 
der französischen Besatzungsverwaltung und -zone einen ständigen Streitpunkt, be 
sonders zwischen Koenig und Laffon 23 . Sachzwänge der Besatzungsverwaltung stan 
den dem politischen Ziel einer weitgehenden Kompetenzverlagerung auf Länder 
ebene entgegen; ein Widerspruch, der auch Auswirkungen auf die Entnazifizierungs 
politik hatte. 
2.4. Politikziel: Demokratisierung 
Das Deutschlandbild Frankreichs 
Form, Inhalt und Ziel der Entnazifizierung in der französischen Besatzungszone wa 
ren geprägt von dem Bild, das sich die maßgebenden französischen Politiker und die 
zuständigen Besatzungsoffiziere in den letzten Jahren und Jahrzehnten von Deutsch 
land gemacht hatten. Vor allem zwei Sichtweisen über die Ursachen des nationalso 
zialistischen Erfolges in Deutschland waren gegen Kriegsende in der öffentlichen 
Diskussion in Frankreich vertreten 24 . Die eine Geschichtsauffassung sah im Natio 
dem 1. Weltkrieg schroff ab: D'autre pari il ne me parait pas qu'il y an interet ä renouveler les experi- 
ences malheureuses de notre precedente occupation en essayant de creer ou meme encourager dans 
ces regions (Hessen-Pfalz; R.M.) une propagande annexioniste ou separatste; löre Armee Fran^./GM 
du Palatinat 247bis: Bouley an den General Deldgue pour le Gouvernement Militaire ä Baden-Baden, 
24.7.1945; AOFAA CC POL III G 2 p.38. 
21 CCFA/CAB: Laffon an Koenig, 8.2.1946; AOFAA LAFFON c.13. 
22 Ebd. Dem gegenüber werfen sowohl Heinrich Schneider als auch Klaus-Dietmar Henke der Militärre 
gierung vor, die Entnazifizierung für die Unterstützung separatistischer Gruppierungen benutzt zu ha 
ben. Sanktionsentscheidungen seien weniger in Richtung einer Bereinigung von nationalsozialistischer 
Vergangenheit als nach den Belangen der französischen Saarpolitik getroffen worden; Schneider, 
Wunder, S. 53; Henke spricht vom Angebot einer "konzilianteren Entnazifizierung"; Henke, Politische 
Säuberung, S. 43. 
23 Hierzu u.a.: Lattard, Zielkonflikte. 
24 Hierzu: Auerbach, Helmuth: Que faire de l'Allemagne? Diskussionsbeiträge französischer Deutschlan 
dexperten 1944-1950, in: France-Allemagne, S. 289-299; Durand, Yves: Deutschland aus der Sicht 
der Franzosen (November 1942 bis Mai 1945), in: Die Zukunft des Reiches: Gegner, Verbündete und 
Neutrale (1943-1945)/hrsg. von Manfred Messerschmidt und Ekkehart Guth. Herford 1990, S. 37-56; 
Köhler, Henning: Das Ende Preußens in französischer Sicht. Berlin 1982; Taubert, Friedrich: Französi 
sche Linke und Hitlerdeutschland: Deutschland-Bilder und Strategieentwürfe (1933-1939). Bern 1991. 
Zur allgemeinen Debatte über den deutschen Sonderweg in Europa: Deutscher Sonderweg - Mythos 
oder Realität? Kolloquien des Instituts für Zeitgeschichte. München 1982; Deutschlands Sonderweg 
von Europa 1862-1945/hrsg. von Wilhelm Aiff. Bern 1984; Grebing, Helga: Der "deutsche Sonder 
weg" in Europa 1806-1945: eine Kritik. Stuttgart 1986.
	        
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