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der linksrheinischen Gebiete vom restlichen Deutschland erneut ab (reconnaitre
qu'on poursuit une chimere en envisageant sa Separation politique ou economique de
l'Allemagne) 21 . Eine derartige Politik zu verfolgen berge zudem die Gefahr, mehr zu
verlieren als zu gewinnen. Separatistische Bewegungen entsprächen weder der alliierten
Politik noch den französischen Empfindungen; kein echter deutscher Antifaschist
sei Separatist. Stattdessen sprach sich Laffon für die Unterstützung föderalistischer
Bestrebungen aus 22 .
Während über das Politikziel der Dezentralisierung Deutschlands Konsens unter den
französischen Politikern herrschte, bildete das Ausmaß des Zentralismus innerhalb
der französischen Besatzungsverwaltung und -zone einen ständigen Streitpunkt, besonders
zwischen Koenig und Laffon 23 . Sachzwänge der Besatzungsverwaltung standen
dem politischen Ziel einer weitgehenden Kompetenzverlagerung auf Länderebene
entgegen; ein Widerspruch, der auch Auswirkungen auf die Entnazifizierungspolitik
hatte.
2.4. Politikziel: Demokratisierung
Das Deutschlandbild Frankreichs
Form, Inhalt und Ziel der Entnazifizierung in der französischen Besatzungszone waren
geprägt von dem Bild, das sich die maßgebenden französischen Politiker und die
zuständigen Besatzungsoffiziere in den letzten Jahren und Jahrzehnten von Deutschland
gemacht hatten. Vor allem zwei Sichtweisen über die Ursachen des nationalsozialistischen
Erfolges in Deutschland waren gegen Kriegsende in der öffentlichen
Diskussion in Frankreich vertreten 24 . Die eine Geschichtsauffassung sah im Natiodem
1. Weltkrieg schroff ab: D'autre pari il ne me parait pas qu'il y an interet ä renouveler les experiences
malheureuses de notre precedente occupation en essayant de creer ou meme encourager dans
ces regions (Hessen-Pfalz; R.M.) une propagande annexioniste ou separatste; löre Armee Fran^./GM
du Palatinat 247bis: Bouley an den General Deldgue pour le Gouvernement Militaire ä Baden-Baden,
24.7.1945; AOFAA CC POL III G 2 p.38.
21 CCFA/CAB: Laffon an Koenig, 8.2.1946; AOFAA LAFFON c.13.
22 Ebd. Dem gegenüber werfen sowohl Heinrich Schneider als auch Klaus-Dietmar Henke der Militärregierung
vor, die Entnazifizierung für die Unterstützung separatistischer Gruppierungen benutzt zu haben.
Sanktionsentscheidungen seien weniger in Richtung einer Bereinigung von nationalsozialistischer
Vergangenheit als nach den Belangen der französischen Saarpolitik getroffen worden; Schneider,
Wunder, S. 53; Henke spricht vom Angebot einer "konzilianteren Entnazifizierung"; Henke, Politische
Säuberung, S. 43.
23 Hierzu u.a.: Lattard, Zielkonflikte.
24 Hierzu: Auerbach, Helmuth: Que faire de l'Allemagne? Diskussionsbeiträge französischer Deutschlandexperten
1944-1950, in: France-Allemagne, S. 289-299; Durand, Yves: Deutschland aus der Sicht
der Franzosen (November 1942 bis Mai 1945), in: Die Zukunft des Reiches: Gegner, Verbündete und
Neutrale (1943-1945)/hrsg. von Manfred Messerschmidt und Ekkehart Guth. Herford 1990, S. 37-56;
Köhler, Henning: Das Ende Preußens in französischer Sicht. Berlin 1982; Taubert, Friedrich: Französische
Linke und Hitlerdeutschland: Deutschland-Bilder und Strategieentwürfe (1933-1939). Bern 1991.
Zur allgemeinen Debatte über den deutschen Sonderweg in Europa: Deutscher Sonderweg - Mythos
oder Realität? Kolloquien des Instituts für Zeitgeschichte. München 1982; Deutschlands Sonderweg
von Europa 1862-1945/hrsg. von Wilhelm Aiff. Bern 1984; Grebing, Helga: Der "deutsche Sonderweg"
in Europa 1806-1945: eine Kritik. Stuttgart 1986.