Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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ken  auf  dem  sogenannten  Befreiungsfeld 14 .  Insgesamt  befanden  sich  Ende  April  1946
1.151  Personen  in  den  drei  Internierungslagern  des  Saarlandes:  534  in  Theley,  226  in
Binsenthal  und  391  in  Saarbrücken 15 .
Am  13.  April  1946  besichtigte  der  Vertreter  des  Internationalen  Roten  Kreuzes,
Favre,  das  Lager  Theley 16 .  Es  befanden  sich  516  Männer  und  23  Frauen  im  Lager;
bis  auf  einige  wenige  Personen  aus  dem  Elsaß  und  Lothringen  waren  es  Deutsche.
Aus  dem  ehemaligen  Lager  Idar-Oberstein  waren  einige  Internierte  mit  Hungerödemen ­
  übernommen  worden.  Favre  zeigte  sich  über  das  durchweg  hohe  Alter  der  Internierten ­
  überrascht.  Mit  dem  Zustand  und  der  Ausstattung  des  Lagers,  das  durch  die
Internierten  selber  in  Ordnung  gehalten  wurde,  war  er  zufrieden 17 .  Die  Ernährung  der
Internierten  wurde  durch  den  Landrat  organisiert;  die  Rationen  waren  dieselben  wie
für  die  Zivilbevölkerung.  Auch  in  einem  Gespräch  mit  dem  Vertrauensmann  der  Internierten ­
  und  dem  Lagerarzt  war  keine  Kritik  geäußert  worden.  Über  die  Lagerdisziplin ­
  äußerte  Favre  sich  zufrieden:  Elle  est  severe,  mais  tres  humaine  et  juste.  Le  regime
  des  sanctions  consiste  en  arrets  de  rigueur  dans  un  local  d'arrets  muni  de  fenetres
  et  un  second  sans  fenetre.  Pas  de  repressailles  ni  de  mauvais  traitements.
Überhaupt  zeigte  sich  der  IRK-Vertreter  sehr  angetan  vom  Lager  Theley:  C'est,  ä
n'en  pas  douter,  un  des  plus  jolis  camps  que  nous  ayons  visites  l8 .  Auch  die  religiöse
Betreuung  der  Internierten  wurde  geregelt:  Im  Februar  1946  erhielt  Kirchenrat  Wehr
die  Erlaubnis,  künftig  Gottesdienste  in  den  Lagern  abzuhalten;  er  versprach  sich  davon ­
  eine  desintoxidation  la  plus  efficace  et  la  plus  radicale  der  Internierten 19 .
Die  Überprüfung  durch  die  Untersuchungsrichter
Die  Commission  de  Triage  tagte  bis  Ende  Oktober  1946.  Dann  untersagte  ein  Telegramm ­
  der  Sürete  aus  Baden-Baden  jede  weitere  Freilassung;  die  Internierten  sollten
zunächst  nach  den  Bestimmungen  der  Kontrollratsdirektive  Nr.  38  eingestuft  werden.
Nur  anläßlich  des  Weihnachtsfestes  1946  und  des  Besuchs  General  Koenigs  in  Saarbrücken ­
  wurde  eine  Ausnahme  gemacht  und  die  Freilassung  von  110  Internierten  an14 ­

  Das  ehemalige  Befreiungsfeld  wird  heute  von  der  Straße  des  13.  Januar,  Bismarck-,  Heinrich  Böckingund
  Mainzerstraße  umgrenzt.
15  CCFA:  "Rapport  General  sur  l’epuration",  April  1946;  AOFAA  DGAP  c.232  p.49.
16  IRK/Favre  an  Laffon,  20.5.1946;  AOFAA  LAFFON  c.3  A-D.  Das  Lager  Theley  wurde  am  11.  Oktober
1947  erneut  inspiziert,  ohne  Anlaß  zu  Beanstandungen  zu  geben;  GMSA:  Rapport,  Oktober  1947;  LA
SB  Handelsamt  11.
17  Baden-Baden  hatte  festgelegt,  welcher  Lohn  den  Internierten  für  ihre  Arbeit  zukam;  10%  des  Lohnes
wurde  ihnen  zurückgelegt,  30%  bekam  der  Lagerkommandant  für  Ausbesserungsarbeiten  im  Lager  und
Materialausstattung,  30%  sollte  gemeinnützigen  Zwecken  zukommen  und  30%  als  Hilfe  für  notleidende ­
  Kinder;  CCFA/SUR  971:  Laffon  an  Grandval,  30.6.1946;  MAE  NANTES  Cab.Pol.  81/28f.
18  Auch  der  kommunistische  Abgeordnete  Paul  Kärcher  sprach  im  Juli  1951  im  Landtag  von  einem  -  im
Vergleich  mit  den  Lagern  des  NS-Regimes  -  Erholungsurlaub  in  Theley;  Ltag  Saar  l.WP  Drs.  1/113;
Sitzungsbericht,  10.7.1951.
19  Wehr  an  Grandval,  12.2.1946;  AEKSB  08-5/1.  Zuvor  hatte  der  zuständige  Religionsoffizier  in  Baden-Baden,
  Holveck,  Grandval  die  Erlaubnis  dazu  erteilt,  vorausgesetzt,  daß  auch  katholische  und  israelitische ­
  (!)  Geistliche  in  die  Lager  dürften  (Holveck  nannte  sie  camp  de  concentration);
CCFA/DGAA/INT/5.Sect.:  Holveck  an  Andrieu,  28.2.1946;  AOFAA  DGAP  c.1675  p.73.
            
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