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Die Internierungslager in Deutschland wurden nach 1945 oft auf dem Gelände ehemaliger
Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeiter- oder Konzentrationslager (zum Beispiel
das Lager Esterwegen in der britischen Besatzungszone 8 ) eingerichtet. Im Saarland
wurden nach dem Ende der Kampfhandlungen die verhafteten Personen zunächst an
verschiedenen Orten untergebracht. Im Juni 1946 dienten neben den drei großen Lagern
Binsenthal, Theley und Saarbrücken auch der Richard-Wagner-Bunker, der Polizeibunker
am Befreiungsfeld, der Schmoller- und der Ulanenbunker, das Lerchesflur-Gefängnis
und das Amtsgerichtsgefängnis in Saarbrücken als provisorische Unterbringungsorte
9 . Anfang Juli 1945 war das Camp de Sejour Surveille Binsenthal bei
Neunkirchen eingerichtet worden - es bestand bis in den Sommer 1946. Heute ein
gerne besuchtes Naherholungsgebiet im Stadtteil Heinitz, hatte es bereits vor 1945
als Kriegsgefangenenlager gedient 10 . Ende September 1945 waren dort 487 Personen
inhaftiert; das Lager sollte für 800 Personen Platz bieten. Die Ernährung der Internierten
wurde durch die deutsche Verwaltung, die medizinische Versorgung durch
die Militärregierung sichergestellt. Die Baracken besaßen Warmwasser-Duschen und
Heizung; die Internierten wurden zu Ausbesserungsarbeiten des Lagers herangezogen.
Grandval berichtete im September 1945 nach Baden-Baden, daß den Internierten
auch eine Bibliothek (lecture edifiante et educative) zur Verfügung stehe 11 . Ein
weiteres Internierungslager wurde Anfang November 1945 in Theley (bei Tholey),
auf dem Gelände eines ehemaligen Lagers für sowjetische Kriegsgefangene und
Zwangsarbeiter angelegt 12 . Grandval beauftragte am 19. Oktober 1945 Regierungspräsident
Neureuter, das Lager bezugsfertig zu machen; es sollte etwa 600 Personen
aufnehmen können 13 . Das dritte größere Internierungslager befand sich in Saarbrüc8
Wember, S. 81 ff.
9 Landrat St. Ingbert Grieser, 19.6.1946; LA SB LRA St. Ingbert 69.
10 Die Lagerbaracken waren auf dem Betriebssportplatz der Berginspektion VII Heinitz aufgestellt: Andres,
Felix: 140 Jahre Heinitz. Heinitz 1987, S. 73ff.; Volk, Hermann: Heimatgeschichtlicher Wegweiser
zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Bd. 4: Saarland. Köln 1990, S. 94 u,
174ff. Das einzige Buch, in dem eine längere Beschreibung der Internierungslager vorkommt, ist von
einem fast nationalsozialistischen Gedankengut gekennzeichnet. Dem Autor, Schulrat Johann Engel,
gelang das Kunststück, in seiner Ortschronik über Theley zwar ausführlich den Schrecken des alliierten
Bombenkrieges zu beschreiben, Adolf Hitler oder irgendwelche Verbrechen des NS-Regimes aber mit
keinem Wort zu erwähnen. Über die Zeit nach 1945 schreibt er: Die Heimat war ein großes Gefangenenlager
geworden. Wo einst freie Kelten ihren Toten die Ruhestätte schufen, ... da füllte man Arbeitsdienstbaracken
mit deutschen Männern aller Berufe in einem Konzentrationslager. Stacheldraht und
Krähennester zeigten den Vorübergehenden, daß hier der Haß noch in Blüte stand. Vielhundert Familienväter
von der Saar und den Hunsrückhöhen erwarteten hier ihre Aburteilung durch ein Offiziersgericht
oder ihren Weitertransport nach den Baracken des Binsenthaies bei Neunkirchen-Heinitz, wo auf
einem ehemaligen Schlammweiher über 600 Männer und Frauen auf ihre Freiheit warteten; Engel, Johann:
Theley einst und jetzt. Ein Heimatbuch (Im Auftrag der Gemeinde Theley). Baltersweiler 1966,
S. 223f.
11 GMSA, 13.9.1945, u. GMSA, September 1945 (Anm. 5); CCFA/DGAA/DOC 1143: Bericht,
20.9.1945; AOFAA DGAP c.231 p.42 d.70.
12 Volk, S. 174ff. Ich danke Herrn Landau vom Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel und Herrn
Dr. Wolfanger für ihre Informationen.
13 GMSA/DAA/IC 5117 u. 5134: Grandval an Neureuter, 19. u. 23.10.1945; LA SB Min/Innem 899.