Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Die  Internierungslager  in  Deutschland  wurden  nach  1945  oft  auf  dem  Gelände  ehemaliger ­
  Kriegsgefangenen-,  Zwangsarbeiter-  oder  Konzentrationslager  (zum  Beispiel
das  Lager  Esterwegen  in  der  britischen  Besatzungszone 8 )  eingerichtet.  Im  Saarland
wurden  nach  dem  Ende  der  Kampfhandlungen  die  verhafteten  Personen  zunächst  an
verschiedenen  Orten  untergebracht.  Im  Juni  1946  dienten  neben  den  drei  großen  Lagern ­
  Binsenthal,  Theley  und  Saarbrücken  auch  der  Richard-Wagner-Bunker,  der  Polizeibunker ­
  am  Befreiungsfeld,  der  Schmoller-  und  der  Ulanenbunker,  das  Lerchesflur-Gefängnis
  und  das  Amtsgerichtsgefängnis  in  Saarbrücken  als  provisorische  Unterbringungsorte ­
 9 .  Anfang  Juli  1945  war  das  Camp  de  Sejour  Surveille  Binsenthal  bei
Neunkirchen  eingerichtet  worden  -  es  bestand  bis  in  den  Sommer  1946.  Heute  ein
gerne  besuchtes  Naherholungsgebiet  im  Stadtteil  Heinitz,  hatte  es  bereits  vor  1945
als  Kriegsgefangenenlager  gedient 10 .  Ende  September  1945  waren  dort  487  Personen
inhaftiert;  das  Lager  sollte  für  800  Personen  Platz  bieten.  Die  Ernährung  der  Internierten ­
  wurde  durch  die  deutsche  Verwaltung,  die  medizinische  Versorgung  durch
die  Militärregierung  sichergestellt.  Die  Baracken  besaßen  Warmwasser-Duschen  und
Heizung;  die  Internierten  wurden  zu  Ausbesserungsarbeiten  des  Lagers  herangezogen. ­
  Grandval  berichtete  im  September  1945  nach  Baden-Baden,  daß  den  Internierten ­
  auch  eine  Bibliothek  (lecture  edifiante  et  educative)  zur  Verfügung  stehe 11 .  Ein
weiteres  Internierungslager  wurde  Anfang  November  1945  in  Theley  (bei  Tholey),
auf  dem  Gelände  eines  ehemaligen  Lagers  für  sowjetische  Kriegsgefangene  und
Zwangsarbeiter  angelegt 12 .  Grandval  beauftragte  am  19.  Oktober  1945  Regierungspräsident ­
  Neureuter,  das  Lager  bezugsfertig  zu  machen;  es  sollte  etwa  600  Personen
aufnehmen  können 13 .  Das  dritte  größere  Internierungslager  befand  sich  in  Saarbrüc8 ­

  Wember,  S.  81  ff.
9  Landrat  St.  Ingbert  Grieser,  19.6.1946;  LA  SB  LRA  St.  Ingbert  69.
10  Die  Lagerbaracken  waren  auf  dem  Betriebssportplatz  der  Berginspektion  VII  Heinitz  aufgestellt:  Andres, ­
  Felix:  140  Jahre  Heinitz.  Heinitz  1987,  S.  73ff.;  Volk,  Hermann:  Heimatgeschichtlicher  Wegweiser ­
  zu  Stätten  des  Widerstandes  und  der  Verfolgung  1933-1945.  Bd.  4:  Saarland.  Köln  1990,  S.  94  u,
174ff.  Das  einzige  Buch,  in  dem  eine  längere  Beschreibung  der  Internierungslager  vorkommt,  ist  von
einem  fast  nationalsozialistischen  Gedankengut  gekennzeichnet.  Dem  Autor,  Schulrat  Johann  Engel,
gelang  das  Kunststück,  in  seiner  Ortschronik  über  Theley  zwar  ausführlich  den  Schrecken  des  alliierten
Bombenkrieges  zu  beschreiben,  Adolf  Hitler  oder  irgendwelche  Verbrechen  des  NS-Regimes  aber  mit
keinem  Wort  zu  erwähnen.  Über  die  Zeit  nach  1945  schreibt  er:  Die  Heimat  war  ein  großes  Gefangenenlager ­
  geworden.  Wo  einst  freie  Kelten  ihren  Toten  die  Ruhestätte  schufen,  ...  da  füllte  man  Arbeitsdienstbaracken ­
  mit  deutschen  Männern  aller  Berufe  in  einem  Konzentrationslager.  Stacheldraht  und
Krähennester  zeigten  den  Vorübergehenden,  daß  hier  der  Haß  noch  in  Blüte  stand.  Vielhundert  Familienväter ­
  von  der  Saar  und  den  Hunsrückhöhen  erwarteten  hier  ihre  Aburteilung  durch  ein  Offiziersgericht ­
  oder  ihren  Weitertransport  nach  den  Baracken  des  Binsenthaies  bei  Neunkirchen-Heinitz,  wo  auf
einem  ehemaligen  Schlammweiher  über  600  Männer  und  Frauen  auf  ihre  Freiheit  warteten;  Engel,  Johann: ­
  Theley  einst  und  jetzt.  Ein  Heimatbuch  (Im  Auftrag  der  Gemeinde  Theley).  Baltersweiler  1966,
S.  223f.
11  GMSA,  13.9.1945,  u.  GMSA,  September  1945  (Anm.  5);  CCFA/DGAA/DOC  1143:  Bericht,
20.9.1945;  AOFAA  DGAP  c.231  p.42  d.70.
12  Volk,  S.  174ff.  Ich  danke  Herrn  Landau  vom  Adolf-Bender-Zentrum  in  St.  Wendel  und  Herrn
Dr.  Wolfanger  für  ihre  Informationen.
13  GMSA/DAA/IC  5117  u.  5134:  Grandval  an  Neureuter,  19.  u.  23.10.1945;  LA  SB  Min/Innem  899.
            
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