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2. Internierungen im Saarland
2.1. Die Internierungslager im Saarland 1945 bis Ende 1947
Die französische Militärregierung übernahm mit der Regierungsgewalt im Saarland
auch die durch die amerikanischen Truppen inhaftierten politischen Gefangenen.
Unter ihnen befanden sich zahlreiche Personen, die nicht unter die Intemierungskategorien
des SHAEF-Handbooks fielen 1 . Erschwerend kam hinzu, daß die amerikanischen
Offiziere kaum Unterlagen zurückgelassen hatten, und der Inhaftierungsgrund
daher oftmals unbekannt war 2 . Außerdem befanden sich noch viele "gefährliche"
Nationalsozialisten in Freiheit, nach denen die Militärregierung jetzt intensiv fahndete:
Depuis l'installation du Gouvernement Militaire de la Sarre, de nombreuses arrestations
de nationaux allemands ont ete effectuees: elles concement des individus
dangereux pour la securite des troupes d'occupation ou dont les activites nationalsocialistes
sont connues 3 .
Im Dezember 1945 wurden in einer groß angelegten Fahndungsaktion 780 Nationalsozialisten
verhaftet. Die Gesamtzahl der im Saarland Internierten stieg auf 1.383
Personen an. Gouverneur Grandval berichtete nach Baden-Baden, daß diese Aktion
von der Bevölkerung mit Befriedigung aufgenommen worden sei (qui ont produit un
excellent effet sur la population) 4 . Zur Überprüfung der Internierten wurde eine Untersuchungskommission
(Commission de Triage) gebildet. Sie nahm am 25. Oktober
1945 ihre Arbeit auf und untersuchte in den ersten vier Wochen die Fälle von 202
Personen. Ab Januar 1946 tagte sie zweimal in der Woche in den Lagern Theley und
Binsenthal 5 . Grandval war dennoch mit ihrer Arbeit unzufrieden. Er ermahnte Mitte
Januar die Kreisdelegierten, der Sürete die gewünschten Informationen über die Betroffenen
vorzulegen. Zu viele unschuldige Personen säßen noch in Haft: Meme en
territoire occupe, la liberte individuelle est ä respecter, et il est inadmissible qu'il
soit procede ä des arrestations arbitraires et non motivees 6 . Aber auch noch einen
Monat später beklagte Leroy das Fehlen der Ermittlungsakten von 122 Internierten
des Lagers Binsenthal 7 ,
1 So der Fall eines ehemaligen Ortsgruppenleiters der NSV, der im Mai 1945 verhaftet worden war und
erst im März 1946 nach seiner Überprüfung durch die französische Militärregierung wieder freikam.
Staatskommissar Manderscheid schrieb über ihn in einer Eingabe an das Landesamt Saar - Vermögenskontrolle
daß er wie eine größere Anzahl von kleineren Amtsträgem der NSDAP infolge der unklaren
Rechtsverhältnisse kurz nach der Besetzung von der amerikanischen Militärbehörde zu Unrecht
festgenommen und längere Zeit inhaftiert war, Manderscheid, Bescheinigung, 24.11.1949; LA SB
OSR 78.
2 Siehe das Kapitel B.2.1.
3 GMSA: Bericht an Laffon, 13.9.1945; AOFAA DG AP c.231 p.42 d.70.
4 GMSA: "Rapport mensuel", Dezember 1945; CCFA/SUR: Andrieu an Laffon, 14.1.1946; AOFAA
DGAP c.1675 p.71 u. c.232 p.47.
5 Von den 202 Personen wurden 17 freigelassen und 74 als mutmaßliche Kriegsverbrecher der Militäijustiz
übergeben; GMSA: "Rapport mensuel" September u. November 1945, Januar 1946; AOFAA CC
POL III K 2 u. AP GG d.7-W. GMSA, 13.9.1945 (Anm. 3).
6 GMSA/DAA/IC 5662: Grandval, 21.1.1946; MAE NANTES Cab.Pol. 81/17.
7 GMSA/DAA/IC: Leroy an Kuntz, 22.2.1946; MAE NANTES Cab.Pol. 81/18.