Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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reagierte  Laffon  zunächst  abweisend:  Zwar  seien  einzelne  Ungerechtigkeiten  und
Irrtümer  in  der  Vergangenheit  vorgekommen,  im  großen  und  ganzen  seien  die  konkreten ­
  Vorwürfe  aber  haltlos.  Die  religiöse  Betreuung  sei  sichergestellt  und  die  parfaite
  tenue  des  camps  durch  Inspektionen  des  Internationalen  Roten  Kreuzes  nachgewiesen. ­
  Außerdem  habe  er  kurz  zuvor  kirchlichen  Würdenträgern  gestattet,  die
Lager  zu  besuchen.  Gleichzeitig  warnte  Laffon  Koenig  davor,  die  Kritik  der  Kirchen
nur  als  Ausdruck  christlicher  Nächstenliebe  zu  betrachten.  Sie  trage  vielmehr  Anzeichen ­
  einer  Solidarität  mit  den  ehemaligen  Nationalsozialisten  gegen  die  Besatzungsmacht, ­
  was  einmal  mehr  die  tiefe  Verstrickung  des  gesamten  Volkes  in  den
Nationalsozialismus  aufzeige 40 .
Der  Rat  der  Evangelischen  Kirche  in  Deutschland  (EKiD)  versuchte,  diesem  Vorwurf ­
  entgegenzutreten,  als  er  sich  am  27.  Februar  1948  an  General  Koenig  wandte.
Der  Rat  betonte,  daß  seine  Kritik  von  aller  nationalen  Leidenschaft  ungetrübt  sei  und
mit  der  Zurückhaltung,  die  uns  Deutschen  ziemt,  einzig  der  Gerechtigkeit  und
Menschlichkeit  und  damit  einem  wahren  Frieden  unter  den  Völkern  dienen  will.  Er
kritisierte  vor  allem  die  fehlende  Rechtssicherheit  für  die  Internierten 41 .  Toumie,
sous-Directeur  des  Affaires  Administratives,  schlug  Koenig  vor,  in  der  Antwort  die
gemeinsame  Sorge  um  den  zügigen  Abschluß  der  Entnazifizierung  zu  betonen  und
die  EKiD  an  ihre  Mitverantwortung  zu  erinnern.  Koenig  erklärte  gegenüber  Bischof
Wurm,  es  liege  jetzt  bei  den  deutschen  Spruchkammern,  die  Entnazifizierung  voranzutreiben ­
 42 .

Freilassungen  und  Spruchkammerverhandlungen
Im  Quai  d'Orsay  hatte  die  Kritik  der  Kirchen  einen  nachhaltigen  Eindruck  hinterlassen. ­
  Der  Leiter  des  Service  Politique,  Jean  Morin,  berichtete  Außenminister  Bidault
Ende  Februar  1948  über  die  Ergebnisse  seiner  Reise  in  die  französische  Zone.  Er
bezeichnete  das  Problem  der  Internierten  als  particulierement  brülante.  Immer  noch
seien  neben  gefährlichen  Nationalsozialisten  auch  harmlose  Personen  interniert,  die
in  den  ersten  Besatzungstagen  von  den  Amerikanern  festgenommen  worden  waren
und  seitdem  auf  ihre  Freilassung  warteten.  Der  Secretaire  d'Etat  aux  Affaires  Allemandes
  et  Autrichiennes,  Pierre  Schneiter,  forderte  daraufhin  Koenig  auf,  diese  und

40  CCFA/CAB/C  11650:  Laffon  an  Koenig,  16.11.1947:  Anlaß  war  die  Kritik  des  Bischofs  der  evangelischen ­
  Kirche  Baden,  Bender;  AOFAA  DGAP  c.233  p.50.  Neuere  Forschungen  haben  das  Verhalten
der  evangelischen  und  katholischen  Kirchen  gegenüber  ehemaligen  NS-Aktivisten  und  Kriegsverbrechern ­
  nach  1945  z.T.  scharf  kritisiert;  siehe  u.a.  Klee,  Emst:  Persilscheine  und  falsche  Pässe.  Wie  die
Kirchen  den  Nazis  halfen.  Frankfurt/Main  1991;  Vollnhals,  Clemens:  Die  Hypothek  des  Nationalprotestantismus. ­
  Entnazifizierung  und  Strafverfolgung  von  NS-Verbrechen  nach  1945,  in:  GG  18  (1992),
S.  51-69.
41  EKiD  an  Koenig,  27.2.1948  (unterschrieben  von  Asmussen,  Oberkirchenrat  Rost  (Badische  Landeskirche) ­
  und  den  Bischöfen  Wurm  und  Stempel);  AOFAA  DGAP  c.3302  p.97.
42  CCFA/DGAA/INT/CAB:  Toumie  an  Koenig,  Ende  Februar  1948;  CCFA/CC/SG/AACS/INT/DENAZ
256:  Koenig  an  den  Vorsitzenden  der  EKiD,  Wurm,  25.5.1948;  AOFAA  DGAP  c.3302  p.97  u.  c.1675
P-73.
            
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