361
unterstand seit Oktober 1945 der Direction Generale de la Justice in Baden-Baden 11 .
Aufgrund eigener Informationen und anhand der Kriegsverbrecherlisten der United
Nations War Crimes Commission wurde nach Verdächtigen gefahndet 12 . Die französische
Justiz suchte vor allem nach Mitgliedern folgender "gesperrter Einheiten" der
SS (Unites bloquees), die im besetzten Frankreich Kriegsverbrechen begangen hatten:
Division "Das Reich", Division "Brandenburg", Division "Brenner",
12. Hitlerjugend-Panzerdivision, Brigade "Jesser" (76. Brigade), 11. Panzerdivision,
90. Panzerdivision, 98. Panzergrenadier-Division, 157. bayrische Reserve-Division,
213. Marineinfanterie-Division und 2. Fallschirmjäger-Division 13 . Für die Verurteilung
der Betroffenen waren anfangs allein die französischen Militärgerichte in der
Besatzungszone beziehungsweise die Gerichte in Frankreich zuständig. Strafrechtliche
Grundlage war das Kontrollratsgesetz Nr. 10 14 . Ab 1947 waren die deutschen
Gerichte ermächtigt, einen Teil der Verfahren selbst durchzuführen. Voraussetzung
war, daß die Opfer Deutsche gewesen waren und der Tatort in Deutschland lag 15 16 . Der
alliierte Kontrollratsbericht für die Moskauer Außenministerkonferenz im April 1947
zählte in den einzelnen Besatzungszonen 32.213 "Kriegsverbrecher". Nur knapp 6%
befanden sich - vor allem als Folge des Verlaufs der Kampfhandlungen bei Kriegsende
- in der französischen Zone.
Tabelle 39:
Kriegsverbrecher in Deutschland (Stand 1. Januar 1947):' 6
ZFO
ABZ
BBZ
SBZ
Summe
inhaftiert
1.930
12.425
3.038
14.820
32.213
Urteile:
320
710
527
14.210
15.767
- Todesstrafe
20
206
124
138
488
- andere Strafen
292
414
252
13.960
14.918
- Freispruch
8
90
151
142
391
Auf die verschiedenen Länder der französischen Zone verteilten sich die unter das
Kontrollratsgesetz Nr. 10 fallenden Personen im April 1947 wie folgt:
11 CCFA: "Resultats de six mois activit£", o.O. 1946, S. 55; CCFA/SUR: Rapport, o.D. (Januar 1947);
MAE Y 1944—49 d.435/85 u. AP GB 457 AP 66.
12 Hierzu: Boberach, Heinz: Das Nürnberger Urteil gegen verbrecherische Organisationen und die
Spruchgerichtsbarkeit der Britischen Zone, in: Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte 12 (1990),
S. 40-50; Broszat, Siegeijustiz; Henke, Die Trennung, S. 66ff.; Schwartz, Thomas A.: Die Begnadigung
deutscher Kriegsverbrecher. John J. McCloy und die Häftlinge von Landsberg, in: VfZ 38 (1990),
S. 375-414, u. Einleitung, Anm. 43.
13 HCRFS/JUR 482: Conseiller Juridique Antoine an den saarländischen Justizminister Braun, 29.4.1948;
MAE NANTES Miss.Jur. Chrono d.3/403-*06.
14 Hierzu: Verordnung Nr. 36, 25.2.1946; JO-CCFA Nr. 17/46 (8.3.1946), S. 133.
15 "4. Conference inter GFCC et GMZFO", 26.-28.6.1947; AOFAA GFCC DGAA c.102.
16 Der Begriff "Kriegsverbrecher" war unterschiedlich interpretiert worden; DIAC/Memo(47)31: Annexe
A: Kontrollratsbericht für die Moskauer Außenministerkonferenz, 17.3.1947; AOFAA DGAP c.3302
p.89 d.3010. ABZ = Amerikanische, BBZ = Britische u. SBZ = Sowjetische Besatzungszone.