Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

361

unterstand  seit  Oktober  1945  der  Direction  Generale  de  la  Justice  in  Baden-Baden 11 .
Aufgrund  eigener  Informationen  und  anhand  der  Kriegsverbrecherlisten  der  United
Nations  War  Crimes  Commission  wurde  nach  Verdächtigen  gefahndet 12 .  Die  französische ­
  Justiz  suchte  vor  allem  nach  Mitgliedern  folgender  "gesperrter  Einheiten"  der
SS  (Unites  bloquees),  die  im  besetzten  Frankreich  Kriegsverbrechen  begangen  hatten: ­
  Division  "Das  Reich",  Division  "Brandenburg",  Division  "Brenner",
12.  Hitlerjugend-Panzerdivision,  Brigade  "Jesser"  (76.  Brigade),  11.  Panzerdivision,
90.  Panzerdivision,  98.  Panzergrenadier-Division,  157.  bayrische  Reserve-Division,
213.  Marineinfanterie-Division  und  2.  Fallschirmjäger-Division 13 .  Für  die  Verurteilung ­
  der  Betroffenen  waren  anfangs  allein  die  französischen  Militärgerichte  in  der
Besatzungszone  beziehungsweise  die  Gerichte  in  Frankreich  zuständig.  Strafrechtliche ­
  Grundlage  war  das  Kontrollratsgesetz  Nr.  10 14 .  Ab  1947  waren  die  deutschen
Gerichte  ermächtigt,  einen  Teil  der  Verfahren  selbst  durchzuführen.  Voraussetzung
war,  daß  die  Opfer  Deutsche  gewesen  waren  und  der  Tatort  in  Deutschland  lag 15  16 .  Der
alliierte  Kontrollratsbericht  für  die  Moskauer  Außenministerkonferenz  im  April  1947
zählte  in  den  einzelnen  Besatzungszonen  32.213  "Kriegsverbrecher".  Nur  knapp  6%
befanden  sich  -  vor  allem  als  Folge  des  Verlaufs  der  Kampfhandlungen  bei  Kriegsende ­
  -  in  der  französischen  Zone.

Tabelle  39:
Kriegsverbrecher  in  Deutschland  (Stand  1.  Januar  1947):' 6

ZFO

ABZ

BBZ

SBZ

Summe

inhaftiert

1.930

12.425

3.038

14.820

32.213

Urteile:

320

710

527

14.210

15.767

-  Todesstrafe

20

206

124

138

488

-  andere  Strafen

292

414

252

13.960

14.918

-  Freispruch

8

90

151

142

391

Auf  die  verschiedenen  Länder  der  französischen  Zone  verteilten  sich  die  unter  das
Kontrollratsgesetz  Nr.  10  fallenden  Personen  im  April  1947  wie  folgt:

11  CCFA:  "Resultats  de  six  mois  activit£",  o.O.  1946,  S.  55;  CCFA/SUR:  Rapport,  o.D.  (Januar  1947);
MAE  Y  1944—49  d.435/85  u.  AP  GB  457  AP  66.
12  Hierzu:  Boberach,  Heinz:  Das  Nürnberger  Urteil  gegen  verbrecherische  Organisationen  und  die
Spruchgerichtsbarkeit  der  Britischen  Zone,  in:  Zeitschrift  für  Neuere  Rechtsgeschichte  12  (1990),
S.  40-50;  Broszat,  Siegeijustiz;  Henke,  Die  Trennung,  S.  66ff.;  Schwartz,  Thomas  A.:  Die  Begnadigung ­
  deutscher  Kriegsverbrecher.  John  J.  McCloy  und  die  Häftlinge  von  Landsberg,  in:  VfZ  38  (1990),
S.  375-414,  u.  Einleitung,  Anm.  43.
13  HCRFS/JUR  482:  Conseiller  Juridique  Antoine  an  den  saarländischen  Justizminister  Braun,  29.4.1948;
MAE  NANTES  Miss.Jur.  Chrono  d.3/403-*06.
14  Hierzu:  Verordnung  Nr.  36,  25.2.1946;  JO-CCFA  Nr.  17/46  (8.3.1946),  S.  133.
15  "4.  Conference  inter  GFCC  et  GMZFO",  26.-28.6.1947;  AOFAA  GFCC  DGAA  c.102.
16  Der  Begriff  "Kriegsverbrecher"  war  unterschiedlich  interpretiert  worden;  DIAC/Memo(47)31:  Annexe
A:  Kontrollratsbericht  für  die  Moskauer  Außenministerkonferenz,  17.3.1947;  AOFAA  DGAP  c.3302
p.89  d.3010.  ABZ  =  Amerikanische,  BBZ  =  Britische  u.  SBZ  =  Sowjetische  Besatzungszone.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.