Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Diese Liste diente auch den Einheiten der l^ re Armee Fransaise als Direktive 3 . Die 
Verschärfung der Internierungsrichtlinien, wie sie im SHAEF-Handbook Governing 
Policy and Procedure vom April 1945 vorgenommen wurde, fand in den französisch 
besetzten Gebieten keine Anwendung; sie hatte unter anderem die Internierung aller 
Mitglieder der Waffen-SS ab Scharführer und der Allgemeinen SS ab Unterscharfüh 
rer vorgesehen 4 . Die Intemierungsmaßnahmen der französischen Militärregierung 
wurden vom Directeur de la Sürete in Baden-Baden, Andrieu, geleitet; sein Stellver 
treter war Raymond Viguie. Als Jurist hatte Andrieu bis 1944 eine leitende Funktion 
in der Polizeiverwaltung in Marseille ausgeübt. Seine Direktion unterstand - wie die 
drei Directions Generales - direkt Generalverwalter Laffon. Leiter der Unterabtei 
lung Police Generale war der Chef de Service Iversenc. In den einzelnen Ländern 
übernahmen die Contröleurs de la Sürete diese Aufgaben; ihnen unterstanden in den 
Kreisen je ein Commissaire de la Sürete. 
In der französischen Zone befanden sich im November 1945 11.120 Personen in den 
verschiedenen Internierungslagern - weitere 1.463 Personen waren in Gefängnissen 
inhaftiert. Der ehemalige Gauleiter von Baden, Robert Wagner, war der prominente 
ste Gefangene 5 . Die große Anzahl der Internierten einerseits, unter denen auch viele 
nur leicht belastete oder unschuldige Personen waren, und andererseits die große 
Zahl schwer belasteter Nationalsozialisten, die sich noch in Freiheit befanden, ver- 
anlaßten die Militärregierung, im Januar 1946 eine eigene Intemierungsdirektive zu 
entwerfen. Laffon machte den Mangel an qualifiziertem Personal für die Misere ver 
antwortlich. Künftig sollte nach einem von der Justiz-Direktion entworfenen For 
mular für jeden Internierten eine Personalakte angelegt werden, afm d'eviter les er- 
rements du debut de l'occupation, qui se sont traduits le plus souvent par une ab- 
sence complete de dossiers pour des personnes arretees ou internees. Parallel dazu 
sollte jeder Commissaire eine Namensliste aller in seinem Kreis ansässigen höheren 
Funktionsträger der NSDAP, ihrer Gliederungen und Verbände erstellen. Diese Per 
sonen seien dann, soweit noch nicht geschehen, zu internieren 6 . Die Intemierungsli- 
ste des SHAEF-Handbooks wurde nur in wenigen Punkten verändert. Neu hinzu ka 
men Bestimmungen für drei NS-Jugendorganisationen: Deutsches Jungvolk, Bund 
Deutscher Mädel und Jungmädel. Jede/r Führer/-in in vergleichbarer Position wie ein 
HJ-Bannführer sollte interniert werden. NSDAP-Funktionäre sollten künftig erst ab 
3 l£re Armöe Fran£./9e DJ.C./GM: "Instruction particulifcre No 1 sur le Gouvernement Militaire en AL- 
LEMAGNE - ANNEXE - No 2: Liste des Organisations Nazies, dont les membres doivent etre arretes 
et detenus", o.D. (März 1945); AOFAA SEAAA 2 c.2669 p.4. 
4 SHAEF-Handbook "Governing Policy and Procedures for the Military Occupation of Germany". Revi- 
sed Edition, April 1945: Chapter VI: 323; AOFAA DGAP c.1909 p.342. Im Februar 1948 wies Tour- 
nie, sous-Directeur der Division des Affaires Administratives, General Koenig darauf hin, daß der 
größte Teil der in der ZFO internierten SS-Unteroffiziere aus amerikanischen Lagern überführt worden 
sei; CCFA/DGAA/INT/CAB: Toumie, Februar 1948; AOFAA DGAP c.3302 p.97. Zu den Internie 
rungslagern in Südbaden: Grohnert, S. 162ff. 
5 CCFA/SUR, 8.12.1945; AOFAA DGAP c.232 p.47. 
6 CCFA/SUR/RG 753: Laffon an die Ländergouvemeure, 15.1.1946; AOFAA DGAP c.3306 p.l 15. Es 
fehlte nicht nur am Personal: Im Juli 1947 stellte der Contröleur de la Sürete von Rheinland-Pfalz fest, 
daß einige seiner Commissaires (noch) nicht im Besitz dieser Direktive waren; GMRP/SUR/PG 772, 
15.7.1947; AOFAA RP c.l 125.
	        

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