Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Militärregierung beharrte bis Ende 1949 auf ihrem Genehmigungsrecht 148 . Die 
deutsch-französische Kommission in Neustadt, die im August 1948 ihre Arbeit auf 
nahm, setzte sich aus dem jeweiligen Kreisdelegierten, dem Öffentlichen Kläger, ei 
nem Vertreter des Gouverneurs, des Landeskommissars und der Spruchkammer zu 
sammen 149 . Zwar wurde die Entnazifizierung durch die Amnestie deutlich beschleu 
nigt, die Militärregierung bekam aber wegen der Auswirkungen Bedenken. Sie ord 
nete daher Ende Oktober 1948 an, daß alle Amnestieanträge von hohen und höheren 
Angestellten und Beamten des öffentlichen Dienstes, die zuvor entlassen worden wa 
ren, vorerst nicht mehr bearbeitet werden sollten. Es müsse auf jeden Fall verhindert 
werden, daß die Ergebnisse der Entnazifizierung durch die massive Rückkehr ehe 
maliger Parteimitglieder zunichte gemacht werde (ä eviter la reoccupation systema- 
tique des hauts postes de l Administration par d'anciens nazis) 150 . 
Anfang Februar 1949 ordnete Junglas an, daß die Fälle der gering belasteten Natio 
nalsozialisten, bei denen eine Amnestie trotzdem nicht in Frage kam, mit einem Säu 
berungsbescheid des Öffentlichen Klägers abzuschließen seien. Die Militärregierung 
beauftragte die bereits bestehenden deutsch-französischen Kommissionen mit der 
Überprüfung 151 . Hettier de Boislambert ermahnte die Kreisdelegierten, ihrerseits zu 
einem raschen Abschluß der Entnazifizierung beizutragen. Die bevorstehende Bun 
destagswahl, die finanzielle Belastung des Haushalts und die ablehnende öffentliche 
Meinung würden dies erforderlich machen 152 . 
Das Ende der Spruchkammerorgane - Bilanz 
Der stellvertretende Landeskommissar Wolf schied Ende März 1950 aus dem Staats 
dienst aus und kehrte zu seiner Firma BASF zurück. Die Abteilung Pfalz des Lan 
deskommissariats wurde aufgelöst, ihre Funktionen gingen an den Landeskommissar 
in Koblenz über 153 . Im Landeskommissariat waren bis zu seiner Auflösung am 
4. April 1951 noch 84 Beamte und Angestellte beschäftigt. Danach arbeiteten nur 
noch drei Beamte und neun Angestellte in der Abwicklungsstelle im Innenministe 
rium. Am 30. September 1951 wurde auch diese Stelle aufgelöst; die Abteilung 2 des 
Innenministeriums übernahm ihre Aufgaben 154 
148 GMRP/EPU 1785: Roynette an Junglas, 14.10.1949; LHA KO 856 A/68. 
149 GMPA/AA/INT 7346: Brozen-Favereau: Note de Service, 10.8.1948; AOFAA RPP c.988 p.3. Im Be 
reich des Landeskommissariats Koblenz wurden mehrere Unterkommissionen der deutsch-französi 
schen Kommission gebildet; GMRP/District Titves: De Vassoigne an den Kreisdelegierten in Saar 
burg, 13.9.1948; AOFAA RPc.l 100. 
150 GMRP/CAB 8221: Hettier de Boislambert an Altmeier, 26.10.1948; GMRP/EPU 10018: Julitte an 
Junglas, 23.12.1948; AOFAA RP c.l 104 u. c.943 p.26. 
151 Junglas: VA, 10.2.1949; GMRP/EPU 535: Roynette an Junglas, 5.3.1949; Min.blatt-RLP Nr. 6/49 
(23.2.1949), S. 53f. u. AOFAA RP c.901 p.5. 
152 GMRP/EPU: Hettier de Boislambert: Note de service, 13.6.1949; GMRP/EPU 1221: Roynette an Jun 
glas, 11.6.1949; AOFAA RPc.901 p.5 u. 7. 
153 LK/Pfalz: Wolf an Capitaine Schneider, 28.3.1950; AOFAA RPPc.2312 p.2 d.724. 
154 "pfälzische Volkszeitung", 10.10.1950; Junglas: Pressemitteilung, 22.5.1951; Min.Innern an das 
Reg.präs. Trier, 23.10.1951; LHA KO 856 A/28 u. 26.
	        

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