Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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sehe  Anweisungen  gegeben:  Kriegsverbrecher  sollten  bestraft,  gefährliche  Nationalsozialisten ­
  interniert,  eine  demokratische  Verwaltung  in  den  fünf  Ländern  der  französischen ­
  Zone  aufgebaut,  ein  neues  Pressewesen  geschaffen,  die  Schulen  und  Universitäten ­
  wiedereröffnet  und  die  materiellen  Voraussetzungen  für  das  Leben  in  der
Zone  sichergestellt  werden 13 .  Da  die  Zone  in  ihrer  gegenwärtigen  Zusammensetzung
auf  sich  alleine  gestellt  nicht  überlebensfähig  war,  wurde  eine  gemeinsame  Politik
der  Alliierten  in  Deutschland  für  notwendig  erachtet.  Die  Juli-Direktive  des  Comite
Interministeriel  führte  weitere  Gründe  für  eine  kooperative  alliierte  Politik  an:
-  eine  einheitliche  alliierte  Front  sei  die  Vorbedingung  für  eine  erfolgreiche  Politik
gegenüber  dem  deutschen  Volk;
-  Deutschland  stelle  ein  gemeinsames  Objekt  der  vier  Siegermächte  dar;  vorhandene
Wirtschaftspotentiale  dürften  nicht  von  einer  Besatzungsmacht  alleine  ausgenützt
werden  -  die  Saar  ausgenommen;
-  um  die  Dezentralisierung  Deutschlands  durchzusetzen,  müsse  Frankreich  die
Möglichkeit  haben,  über  den  Kontrollrat  die  Entwicklung  in  den  anderen  Zonen  zu
beeinflussen.
Ein  Wiederaufleben  des  Deutschen  Reiches  sollte  auf  jeden  Fall  verhindert  werden;
die  Einrichtung  zentraler  deutscher  Organe  wurde  daher  abgelehnt 14 .  Der  Konflikt
zwischen  der  Notwendigkeit  einer  gemeinsamen  alliierten  Politik  einerseits  und  dem
Ziel  einer  weitgehenden  Dezentralisierung  Deutschlands  andererseits  wurde  von  den
Autoren  der  Juli-Direktive  durchaus  als  immanenter  Widerspruch  erkannt;  zumindest
für  die  Anfangszeit  der  Besatzung  wurde  dies  aber  als  unvermeidlich  angesehen:
II  resulte  de  ce  qui  precede  une  antinomie,  d’ailleurs  inevitable,  dont  la  clef  ne  se
trouvera  qu  'avec  le  temps,  et  qui  va  constituer  au  depart  la  difficulte  majeure  de
notre  politique  allemande.  La  vie  materielle  de  l'Allemagne  peut  comporter  une
direction  ou  un  dirigisme  unitaire,  tandis  que  notre  interet  politique  nous  commande
  le  fractionnement  et  me  me,  en  ce  qui  concerne  tout  ou  partie  de  la  rive
gauche  du  Rhin,  l'association  progressive  ä  l'Occident,  c'est-ä-dire  essentiellement
  ä  nous  15 .
Das  Comite  Interministeriel  folgerte  daraus,  daß  momentan  eine  anpassungsfähige
Politik  {politique  souple)  notwendig  sei,  um  sowohl  auf  der  nationalen  Ebene  im  Alliierten ­
  Kontrollrat  als  auch  in  der  französischen  Besatzungszone  den  eigenen  Zielen
näherzukommen.
2.3.  Die  Dezentralisierung  Deutschlands  und  die  Frage  des  Separatismus
In  der  Pariser  Juli-Direktive  wurde  ein  wichtiges  Ziel  der  französischen  Besatzungspolitik ­
  hervorgehoben:  die  Dezentralisierung  Deutschlands 16 .  Durch  die  endgültige

13  CIAAA,  19.7.1945  (Anm.  3).
14  Siehe  das  Kapitel  C.2.1.
15  CIAAA,  19.7.1945  (Anm.  3).
16  Hierzu:  Hudemann,  Rainer:  Die  Besatzungsmächte  und  die  Entstehung  des  Bundeslandes  Baden-Württemberg,
  in:  Baden-Württemberg,  S.  1-18,  hier  S.  3ff;  Ders.,  Zentralismus.
            
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