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auch die Parteien und Landräte kritisierten diese Verzögerung 121 122 . Roynette vermutete,
daß die deutsche Verwaltung auf Zeitgewinn spiele: 11 est ä penser que certains
allemcmds se doutent d'unfiasco possible de l'epuration, fiasco qui serait sanctionne
par des mesures d'amnestie generale ä l'instar de celles qui ont ete mises en zone
russe. Andere Offiziere sprachen sogar von einer resistance passive 122 Der stellvertretende
Landeskommissar Wolf machte die starke Einflußnahme der Juristen für die
Mängel des Spruchkammerverfahrens verantwortlich: Die Justiz hat sich im Gegensatz
zu anderen Ländern in Rheinland-Pfalz schwerwiegend in dem Bereinigungsgesetz
verankert 123 . Auch das umständliche Kontrollverfahren der Militärregierung
hatte seinen Anteil an den Verzögerungen. Neue Vereinbarungen im Juli 1948 sollten
ein beschleunigtes Verfahren ermöglichen 124 . Manchmal lag die Ursache auch in
den Spruchkammerorganen selbst, wie der Inspektionsbericht über den Untersuchungsausschuß
Kusel im Januar 1949 zeigt: Es wurde bei unserem Erscheinen kurz
vor 14 Uhr festgestellt, daß, trotzdem die Dienstzeit bereits um 13 Uhr zu beginnen
hat, zwei Angestellte Schach spielten sowie zwei weitere Angestellte auf den Schreibtischen
herumsaßen. Der Öffentliche Kläger D. war in Urlaub, während der anwesende
Öffentliche Kläger C. im Keller beim Holzhacken war. Von den Vorsitzenden
war niemand anwesend. Nach geraumer Zeit kam der stellvertretende Vorsitzende 125 .
Laffon kritisierte Ende Juli 1947 den Stand der Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz.
Er beendete sein Schreiben mit der handschriftlichen Bemerkung: Le Land Rheno-Palatin
est particulierement en retard! 126 . Die erste massive Kritik der Militärregierung
an Junglas erfolgte Anfang November. Kurz darauf überreichte Junglas
Roynette die ersten 14 Spruchkammerurteile 127 . Dieser sah sich außerstande, sie zu
genehmigen. Am 2. Dezember 1947 wurden Altmeier, Süsterhenn, Junglas, Wallauer
und die Mitglieder des politischen Landesbeirates zur Militärregierung zitiert. Hettier
de Boislambert kritisierte die ausgesprochene Milde der ersten Spruchkammerurteile:
(Ils) font apparaitre que l'action de la Spruchkammer n'est pas une denazification,
mais une entreprise de blanchissage l28 . Er sprach Junglas eine offizielle Rüge aus
und ermahnte ihn, seine Rolle als Anklagebehörde stärker wahrzunehmen. Außerdem
legte er sein Veto gegen die vorgelegten Spruchkammerurteile ein 129 . Die Landesregierung
wehrte sich zunächst: Gegen Urteile der Rechtsmittelabteilung, die im Wie121
Hierzu: Der Landrat von Simmem an das Regierungspräsidium, 2.1.1948; LHA KO
441/45362/309-312; Zeitungsartikel Krise der politischen Säuberung von Maxim Kuraner, in: "Die
Freiheit" Nr. 1/48 (16.1.1948); GMRP/EPU 7060: Hettier de Boislambert an Koenig, 11.3.1948; AO-FAA
DG AP c.3306 p.!15.
122 GMRP/EPU 585: Roynette, 16.10.1947; GMRP/Cerele Worms: "Rapport mensuel", April 1949; AO-FAA
RPc.901 p.5 u. MAEY 1944-^9 d.447/313-317.
123 Andante molto: Zeitungsartikel von Wolf, in "Die Rheinpfalz", 17.2.1949. Siehe auch den Bericht über
seine Reise nach Südbaden, 24.11.1948 (Anm. 95).
124 Junglas: Vermerk, 24.6.1948; LHA KO 856 A/28.
125 LK/Pfalz: Bericht, 27.1.1949; LA SP R 18/33.
CCFA/CAB/C 7480: Laffon an Hettier de Boislambert, 24.7.1947; AOFAA DGAP c.233 p.51.
127 GMRP/EPU 6102: Roynette an Junglas, 17.11.1947; Junglas an Roynette, 18.11.1947; AOFAA RP
c.920 p.24 d.229 u. c.901 p.7.
128 Zitiert nach dem Bericht: GMRP/CAB: Julitte an Roynette, 8.12.1947; AOFAA RP c.901 p.6.
129 GMRP/EPU 6366: Hettier de Boislambert an Laffon, 6.12.1947; AOFAA DGAP c.233 p.51.