Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Anschluß  an  diese  Reise  den  Ländergouvemeuren:  Statt  einer  starren  und  harten  Politik ­
  gegenüber  dem  deutschen  Volk  habe  de  Gaulle  viel  Verständnis  und  Wohlwollen ­
  für  die  Besiegten  geäußert.  Die  französische  Politik  dürfe  nicht  bei  der  Frage  der
Reparationen  und  der  Wiedergutmachung  stehen  bleiben:  Nos  interets  militaires,
materiels  et  moraux  etant  sauvegardes,  eile  devra  devenir  une  politique  d'humanite 9 .
Laffon  erinnerte  seine  Offiziere  an  die  große  französische  Tradition  und  forderte  sie
auf,  eine  effektive  Besatzungspolitik  durchzuführen.  Frankreich  sei  nicht  nur  in
Deutschland,  um  ein  besiegtes  Land  besetzt  zu  halten.  Die  erste  Sorge  gelte  zwar
dem  französischen  Interesse,  aber  ebenso  müsse  Deutschland  wiederaufgebaut  werden. ­
  Genauso  wie  die  anderen  Siegermächte  werde  Frankreich  dabei  versuchen,
seine  Besatzungszone  langfristig  entsprechend  den  eigenen  Vorstellungen  zu  verändern: ­
  Les  Rhenans,  les  Badois,  et  les  Allemands  en  general  attendent  des  exemples  et
une  foi  nouvelle  ...  La  Republique  Frangaise  doit  aussi  leur  apparaitre  comme  un  exemple,
  comme  une  democratie  moderne  organisee,  forte  et  genereuse,  capable  d'etre
demain  un  pole  d'attraction  pour  les  peubles  voisins  l0 .

2.2.  Die  Bestandsaufnahme  der  französischen  Zone:
der  Zwang  zu  einer  alliierten  Politik
Der  Zustand  Nachkriegsdeutschlands  stellte  sich  für  die  Planer  im  Pariser  Außenministerium ­
  anders  dar  als  nach  dem  1.  Weltkrieg:  Die  deutsche  Wehrmacht  war  in  der
Auflösung  begriffen,  politische  Parteien  seit  1933  nicht  mehr  existent  und  die  deutsche ­
  Verwaltung  so  erfolgreich  durch  den  Nationalsozialismus  unterwandert  worden,
daß  nach  der  Entlassung  aller  Parteimitglieder  der  gesamte  Verwaltungsapparat  zusammenbrechen ­
  mußte.  Die  Alliierten  müßten  daher  zuerst  die  gesamte  Regierungsgewalt ­
  in  Deutschland  ausüben,  bevor  eine  neu  von  unten  nach  oben  aufgebaute
deutsche  Verwaltung  allmählich  wieder  Verantwortung  übernehmen  könne 11 .
Das  Comite  Interministeriel  unternahm  in  seiner  Juli-Direktive  eine  kritische  Bestandsaufnahme ­
  der  französischen  Besatzungszone.  Durch  die  willkürliche  Grenzziehung ­
  der  einzelnen  Länder  waren  die  bisherigen  Verwaltungs-  und  die  bestehenden ­
  Infrastrukturen  zerschnitten  worden 12 .  Teilweise  besaß  Frankreich  Regionen,  die
es  nicht  auf  Dauer  besetzen  wollte  (Württemberg-Hohenzollem),  teilweise  wurden
ihm  für  die  Geschlossenheit  der  Zone  notwendige  Regionen  nicht  zugesprochen
(Nordbaden).  Die  bisherige  Situation  war  durch  Improvisation  und  eine  sehr  unterschiedliche ­
  Vorgehens  weise  in  den  einzelnen  Regionen  gekennzeichnet.  In  Erwartung ­
  einer  Revision  der  Zonengrenzen  wurden  daher  im  Juli  1945  nur  fragmentari-9

  Ebd.
10  Laffon,  20.8.1945  (Anm.  4).
11  Dejean,  21.8.1944  (Anm.  7).
12  Die  Rheinbrücke  Maxau  bei  Karlsruhe  stellte  die  einzige  Verbindung  zwischen  dem  Südteil
(Württemberg-Hohenzollem,  Baden)  und  dem  Nordteil  der  französischen  Besatzungszone  (Hessen-Pfalz,
  Rheinland-Hessen-Nassau  und  Saarland)  dar,  wollte  man  nicht  über  Frankreich  reisen.  Zu  den
Schwierigkeiten  der  Pariser  Regierung,  sich  mit  ihrer  Besatzungszone  anzufreunden:  Hudemann,  Besatzungsmächte, ­
  S.  2f.;  Wolfrum,  Französische  Besatzungspolitik,  S.  29ff.
            
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