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kammerpersonals von Koblenz ausbezahlt wurden 28 . In der Zwischenzeit waren auch
in den anderen Regierungsbezirken die Spruchkammern vergrößert worden 29 . Das
Landeskommissariat erreichte 1948 mit 996 Beschäftigten (Beamte: 335, Angestellte:
598, Arbeiter: 63) seinen höchsten Personalbestand; ein Jahr später waren es
nur noch 379 Beschäftigte 30 . Von Anfang an bestand auch ein Mangel an politisch
unbelastetem Büropersonal. Junglas bat Roynette um die Genehmigung, ehemalige
Pgs, die als Mitläufer oder Entlastete eingestuft worden waren, einzustellen. Dies
wurde ihm nur für die Untersuchungsausschüsse, nicht für die Spruchkammern gestattet
31 .
Die Reform des Landeskommissariats im März 1948
Roynette charakterisierte den Zustand der Entnazifizierung zum Jahresanfang 1948
folgendermaßen: Situation actuelle caracterisee en partie par l'inertie et en partie
par la confusion. Er kritisierte die langsame Konstituierung der Spruchkammerorgane
und die ersten, in ihrer Milde nicht akzeptablen Spruchkammerurteile. Er
schlug dem Gouverneur vor, Junglas ein letztes Mal anzumahnen und dessen Stellvertreter
Hülsmann zu entlassen 32 . Auch die SPD erhob massive Vorwürfe gegen
Hülsmann und forderte seinen Rücktritt 33 . Der neue Stellvertreter sollte aus ihren
Reihen kommen. Die SPD machte aber ihre Bereitschaft von größeren Kompetenzen
für die pfälzischen Spruchkammerorgane abhängig 34 . Anfang März 1948 schied
Hülsmann aus dem Landeskommissariat aus. Die SPD schlug Kuraner vor, der als
Ministerialdirigent, tatsächlich jedoch in der Funktion eines politischen Ministerialdirektors
tätig wurde 35 . Zwei weitere hohe Beamte sollten die Arbeit des Landeskommissariats
effektiver gestalten: Der ehemalige Landrat von Rockenhausen, ZSK-Mitglied
und Vertreter des Oberregierungsvizepräsidenten Koch, Josef Grün, wurde
im Rang eines Oberregierungsrats als Sachbearbeiter und Ministerialdirigent Gerhard
Lichter als Verwaltungsdirektor und Personalchef eingestellt. Hettier de Boislambert
gab, nachdem er Brozen-Favereau informiert hatte, am 26. März 1948 seine Zustim28
LK/Pfalz: Wolf an Pidolle, 29.12.1947, u. "Aufstellung der Bediensteten", o.D. (April 1949); AOFAA
RPc.901 p.2 u. LA SPR 18/115.
29 GMRP/EPU 615: Roynette an Junglas, 16.3.1949; Junglas an den Vorsitzenden der SprK I Koblenz,
26.3.1949; LHA KO 856 A/29 u. 149.
30 Der Personalstand der öffentlichen Verwaltung im Jahre 1949/hrsg. vom Statistischen Landesamt
Rheinland-Pfalz. Bad Ems 1950.
31 Einen Monat später durfte er nominelle Nationalsozialisten auch ohne Entnazifizierungsbescheid einstellen;
LK/Hülsmann an Roynette, 2.10.1947; GMRP/EPU 5806 u. 6032: Roynette an Junglas, 14.10.
u. 6.11.1947; AOFAA RPc.901 p.7.
32 GMRP/EPU: Roynette, 14.1.1948; siehe auch: GMRP/EPU 6366: Hettier de Boislambert an Laffon,
6.12.1947; AOFAA DGAPc.233 p.51 u. RPc.901 p.5.
33 Krise der politischen Säuberung, Artikel von Maxim Kuraner in: "Die Freiheit" Nr. 1/48 (16.1.1948),
S. 4; GMRP/EPU 7060: Hettier de Boislambert an Koenig, 11.3.1948; AOFAA DGAP c.3306 p. 115.
34 Junglas an Kuraner, 21.2.1948; LHA KO 860/977 1/39.
35 Altmeier an Hettier de Boislambert, 8.3.1948; LHA KO 860/1008/143. Hülsmann wurde als Regierungsrat
in das Justizministerium berufen und wenig später zum Oberregierungsrat ernannt; LHA KO
860/1952/163 u. 860/1953/1345.