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Gaulles zum Anlaß, seine bisherigen Anweisungen zur Demokratisierung und Entnazifizierung
Deutschlands zu konkretisieren 5 .
Anhand dieser drei grundlegenden Dokumente soll in den folgenden Abschnitten die
französische Haltung zur Besatzungspolitik im allgemeinen und zur Frage der Dezentralisierung
und der Demokratisierung Deutschlands im besonderen untersucht
werden.
2.1. Der Charakter der Besatzungspolitik
Die deutsche Frage war für Frankreich zum Kardinalproblem seiner Zukunft geworden:
Nach dem Scheitern der Versailler Friedensordnung mußte jetzt eine dauerhafte
Lösung gefunden werden. Der Quai d'Orsay forderte in Übereinstimmung mit den
anderen Alliierten die totale und bedingungslose Kapitulation Deutschlands und die
Besetzung seines gesamten Gebietes durch alliierte Truppen 6 . Die einzige Garantie
für die Sicherheit aller friedliebenden Staaten wurde in der Entmilitarisierung und
mehrjährigen militärischen Besetzung Deutschlands gesehen 7 . Im Gegensatz zur Zeit
nach dem 1. Weltkrieg wurde aber gleichzeitig an einer konstruktiven Nachkriegspolitik
gearbeitet. De Gaulle forderte im Herbst 1945, daß die Sicherheit Frankreichs
nicht nur durch eine mehrjährige militärische Präsenz in Deutschland, sondern auch
durch die Entnazifizierung und die Demokratisierung des deutschen Volkes gewährleistet
werden müsse. Die französische Besatzungspolitik habe daher zweigleisig zu
fahren (double caractere de fermete et d'humanite): Strenge, was die Gewährleistung
der Sicherheit vor einer erneuten deutschen Aggression und die Wiedergutmachung
der angerichteten Schäden angehe; Menschlichkeit in bezug auf die Gestaltung des
zukünftigen Zusammenlebens beider Völker in Europa:
Ferme, la France l'a ete dans la hataille, eile l'est maintenant dans sa tuteile et
dans l'epuration qu'elle conduit dans les territoires qu'elle administre. De son
humanite, eile multiplie les preuves en ne limitant pas son action ä une
contrainte pure et simple, mais en venant en aide aux elements les plus malheureux,
en faciliant la reprise de la vie economique et en contribuant ä la
reeducation morale et politique des populations dont eile a la Charge 8 .
Regierungschef de Gaulle hatte auf seiner Reise durch die französische Besatzungszone
in zahlreichen Reden wenig über die Vergangenheit, dafür aber um so ausführlicher
über die Zukunft der europäischen Völker gesprochen. Laffon berichtete im
5 CCFA/CAB/C 2399: Laffon an die Delegues Superieurs, 25.10.1945; AOFAA LAFFON c.13 u.
HCRFA Org.Trip. c.478 p. 19 d.13. Zur Deutschlandreise de Gaulles: Hudemann, De Gaulle, S. 156f.
6 MAE/Direct.G6n.: Bidault an den Botschafter in London, Massigli, 28.11.1944: "Memorandum exposant
le point de vue fran^ais concemant un armistice avec l'Allemagne", o.D. (handschriftlich vermerkt:
"aprSs 5.9.1944”) (18 Seiten); MAE Y 1944-49 d.278/260-280.
7 Miss.Dipl.Fran?. aupr&s des Gouvernements Alliös, London: Maurice Dejean: "Le probleme allemand",
21.8.1944 (32 Seiten); MAE Y 1944-49 d.278/19-35 u. AP GB 457 AP 60.
8 Laffon referierte diese Auffassung de Gaulles in seinem Schreiben an die Ländergouvemeure: Laffon,
25.10.1945 (Anm. 5). Zur "doppelgesichtigen Sicherheitspolitik" de Gaulles: Hudemann, Saar, S. 16f.;
Ders., De Gaulle, S. 15ff.