Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Gaulles  zum  Anlaß,  seine  bisherigen  Anweisungen  zur  Demokratisierung  und  Entnazifizierung ­
  Deutschlands  zu  konkretisieren 5 .
Anhand  dieser  drei  grundlegenden  Dokumente  soll  in  den  folgenden  Abschnitten  die
französische  Haltung  zur  Besatzungspolitik  im  allgemeinen  und  zur  Frage  der  Dezentralisierung ­
  und  der  Demokratisierung  Deutschlands  im  besonderen  untersucht
werden.

2.1.  Der  Charakter  der  Besatzungspolitik
Die  deutsche  Frage  war  für  Frankreich  zum  Kardinalproblem  seiner  Zukunft  geworden: ­
  Nach  dem  Scheitern  der  Versailler  Friedensordnung  mußte  jetzt  eine  dauerhafte
Lösung  gefunden  werden.  Der  Quai  d'Orsay  forderte  in  Übereinstimmung  mit  den
anderen  Alliierten  die  totale  und  bedingungslose  Kapitulation  Deutschlands  und  die
Besetzung  seines  gesamten  Gebietes  durch  alliierte  Truppen 6 .  Die  einzige  Garantie
für  die  Sicherheit  aller  friedliebenden  Staaten  wurde  in  der  Entmilitarisierung  und
mehrjährigen  militärischen  Besetzung  Deutschlands  gesehen 7 .  Im  Gegensatz  zur  Zeit
nach  dem  1.  Weltkrieg  wurde  aber  gleichzeitig  an  einer  konstruktiven  Nachkriegspolitik ­
  gearbeitet.  De  Gaulle  forderte  im  Herbst  1945,  daß  die  Sicherheit  Frankreichs
nicht  nur  durch  eine  mehrjährige  militärische  Präsenz  in  Deutschland,  sondern  auch
durch  die  Entnazifizierung  und  die  Demokratisierung  des  deutschen  Volkes  gewährleistet ­
  werden  müsse.  Die  französische  Besatzungspolitik  habe  daher  zweigleisig  zu
fahren  (double  caractere  de  fermete  et  d'humanite):  Strenge,  was  die  Gewährleistung
der  Sicherheit  vor  einer  erneuten  deutschen  Aggression  und  die  Wiedergutmachung
der  angerichteten  Schäden  angehe;  Menschlichkeit  in  bezug  auf  die  Gestaltung  des
zukünftigen  Zusammenlebens  beider  Völker  in  Europa:
Ferme,  la  France  l'a  ete  dans  la  hataille,  eile  l'est  maintenant  dans  sa  tuteile  et
dans  l'epuration  qu'elle  conduit  dans  les  territoires  qu'elle  administre.  De  son
humanite,  eile  multiplie  les  preuves  en  ne  limitant  pas  son  action  ä  une
contrainte  pure  et  simple,  mais  en  venant  en  aide  aux  elements  les  plus  malheureux,
  en  faciliant  la  reprise  de  la  vie  economique  et  en  contribuant  ä  la
reeducation  morale  et  politique  des  populations  dont  eile  a  la  Charge 8 .
Regierungschef  de  Gaulle  hatte  auf  seiner  Reise  durch  die  französische  Besatzungszone ­
  in  zahlreichen  Reden  wenig  über  die  Vergangenheit,  dafür  aber  um  so  ausführlicher ­
  über  die  Zukunft  der  europäischen  Völker  gesprochen.  Laffon  berichtete  im

5  CCFA/CAB/C  2399:  Laffon  an  die  Delegues  Superieurs,  25.10.1945;  AOFAA  LAFFON  c.13  u.
HCRFA  Org.Trip.  c.478  p.  19  d.13.  Zur  Deutschlandreise  de  Gaulles:  Hudemann,  De  Gaulle,  S.  156f.
6  MAE/Direct.G6n.:  Bidault  an  den  Botschafter  in  London,  Massigli,  28.11.1944:  "Memorandum  exposant
  le  point  de  vue  fran^ais  concemant  un  armistice  avec  l'Allemagne",  o.D.  (handschriftlich  vermerkt:
"aprSs  5.9.1944”)  (18  Seiten);  MAE  Y  1944-49  d.278/260-280.
7  Miss.Dipl.Fran?.  aupr&s  des  Gouvernements  Alliös,  London:  Maurice  Dejean:  "Le  probleme  allemand",
  21.8.1944  (32  Seiten);  MAE  Y  1944-49  d.278/19-35  u.  AP  GB  457  AP  60.
8  Laffon  referierte  diese  Auffassung  de  Gaulles  in  seinem  Schreiben  an  die  Ländergouvemeure:  Laffon,
25.10.1945  (Anm.  5).  Zur  "doppelgesichtigen  Sicherheitspolitik"  de  Gaulles:  Hudemann,  Saar,  S.  16f.;
Ders.,  De  Gaulle,  S.  15ff.
            
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