Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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durch  die  deutsche  Aufrüstungspolitik,  finanzielle  Förderung  des  NS-Regimes,  NS-Aktivismus
  sowie  Fremdarbeiterbehandlung.  Außerdem  wurden  die  Betroffenen  auf
eine  Tätigkeit  in  Einkaufsgesellschaften  im  besetzten  Frankreich  und  auf  ihr  Verhalten ­
  in  der  Endphase  des  Krieges  gegenüber  den  Zerstörungsbefehlen  des  NS-Staates
untersucht 133 .
Von  den  30  Industriellen  waren  bis  auf  drei  -  von  denen  einer  erfolglos  einen  Parteiaufnahmeantrag ­
  gestellt  hatte  -  alle  NSDAP-Mitglied  gewesen.  Bis  auf  den  Bergwerksdirektor ­
  der  Saargruben  AG  und  ehemaligen  Gauleiter  Karl  Friedrich  Brueck
(Pg  seit  1926)  traten  alle  anderen  erst  1933  oder  später  der  Partei  bei  (1933:  10,
1935:  6,  1936/37:  5  und  nach  1937:  5).  Höhere  Ämter  innerhalb  der  NSDAP  oder  ihren ­
  Gliederungen  hatten  nur  vier  Industrielle  innegehabt:  Gauleiter  Brueck,  der
NSKK-Standartenführer  und  damit  Leiter  der  NSKK  im  Saarland  N.,  der  kommissarische ­
  Ortsgruppenleiter  E.  und  der  Ortsgruppenamtsleiter  B.  Der  Deutschen  Front
hatten  nachweislich  die  Hälfte  der  hier  untersuchten  Personen  angehört  -  in  den
Spruchkammerverhandlungen  fiel  dies  jedoch  nicht  ins  Gewicht.  Zwölf  Industrielle
waren  Abwehrbeauftragte  gewesen  und  fünf  hatten  den  Titel  des  Wehrwirtschaftsführers ­
  getragen;  bei  fast  allen  Betroffenen  hatte  ein  diesbezüglicher  Verdacht  bestanden. ­
  Es  stellte  sich  heraus,  daß  die  Abwehrbeauftragten  nur  die  Aufgabe  gehabt
hatten,  für  die  Einhaltung  der  Geheimhaltungsvorschriften  bei  kriegswirtschaftlicher
Produktion  zu  sorgen.  Zwei  Industrielle  hatten  hohe  Posten  in  der  NS-Wirtschaft  innegehabt: ­
  Hans  Karcher  als  Präsident  der  IHK  Saarbrücken  und  Leiter  der  Wirtschaftskammer ­
  Saarpfalz  und  Bernhard  Seibert  als  Gauwirtschaftskammerpräsident ­
 134 ;  beide  wurden  als  Mitläufer  amnestiert.
Nur  vier  Betroffene  waren  nach  1945  verhaftet  worden:  in  drei  Fällen  aufgrund  hoher ­
  Parteiämter,  in  einem  Fall  wegen  des  Vorwurfes  der  Fremdarbeitermißhandlung.
Alle  anderen  Industriellen  arbeiteten  über  das  Kriegsende  hinaus  weiter,  wobei  ihre
Betriebe  zum  Teil  unter  Sequesterverwaltung  gestellt  waren.  Die  Epurationsbescheide
  wurden  in  der  Zeit  zwischen  Februar  und  Juli  1947  ausgestellt;  lediglich  der

133  Bei  den  30  Personen  handelte  es  sich  um  den  ehemaligen  Hauptgeschäftsführer  der  Handelskammer
Saarbrücken  D.,  den  kaufmännischen  Geschäftsführer  der  Firma  Saarländische  Stahlwerke  Dingler,
Karcher  &  Cie  GmbH  K.  (ehemaliger  Präsident  der  IHK  Saarbrücken  und  Leiter  der  Wirtschaftskammer ­
  Saarpfalz),  den  Geschäftsführer  der  Firma  Seibert  GmbH  B.  (ehemaliger  Gauwirtschaftskammerpräsident), ­
  den  Betriebsleiter  B.,  den  Direktor  M.  und  den  Geschäftsführer  J.  der  Firma  Jansen  Maschinenfabrik ­
  Rohrbach,  den  Prokuristen  G.  und  den  Inhaber  K.  der  Firma  Otto  Kaiser,  den  Inhaber  der
Firma  Gebr.  Kreis  K.,  den  technischen  Direktor  der  Saar-Ferngas  AG  K.,  den  Betriebsleiter  der  Dinglerwerke
  Burbach  S„  den  Abteilungsleiter  B.,  den  Direktor  H.  und  den  Hüttendirektor  H.  des  Neunkircher
  Eisenwerkes,  den  Betriebsleiter  des  Neunkircher  Eisenwerkes/Abteilung  Homburg  M„  den  Direktor ­
  der  Firma  Emst  Heckei  GmbH  V.,  den  Direktor  der  Firma  Georg  Heckei  GmbH  W.,  den  stellvertretenden ­
  Geschäftsführer  P.  und  den  Fabrikbesitzer  F.  der  Firma  Fürst,  den  Geschäftsführer  der
Firma  Schneider  Werke  GmbH  S.,  den  Industriellen  B.,  den  Geschäftsführer  der  Baufirma  Friedrich  &
Co.  B„  den  Werksdirektor  der  Saargruben  R„  den  Fabrikdirektor  der  Arzneimittelfirma  "Pharmacia"
E.,  den  Teilhaber  der  Firma  Chemische  Werke  Gebr.  Neu  GmbH  N.,  den  Bergwerksdirektor  B.,  den
Betriebsleiter  der  Burbacher  Hütte/Kalkwerk  Bübingen  H.,  den  Geschäftsführer  der  Firma  Jenewein  &
Gapp  GmbH  J.  und  den  Direktor  der  Firma  Schwinn  AG  B.;  LA  SB  OSR-Spruchkammerakten.
134  Firmenhandbuch  Gau  Westmark  und  Nordbaden  1942/hrsg.von  der  Wirtschaftskammer  Westmark  in
Saarbrücken  u.a.  Ludwigshafen 12  1942.
            
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