Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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1948, daß die Vollzugsaussetzungen künftig vorher beim Hohen Kommissariat ein 
gereicht werden mußten: Falls nach 48 Stunden kein Widerspruch geltend gemacht 
worden war, durften die Bescheide den Betroffenen mitgeteilt werden 97 . 
Die Verfassung des Saarlandes vom 15. Dezember 1947 sprach der Landesregierung 
das Begnadigungsrecht zu, welches durch die Verordnung über die Ausübung des 
Gnadenrechts am 2. März 1948 gesetzlich geregelt wurde 98 . Vor der Entscheidung 
der Regierung mußte das Gutachten der "Kommission für Gnadensachen" eingeholt 
werden, die sich aus je einem Vertreter des Ministerpräsidenten, des Innen- und des 
Justizministers zusammensetzte. Das Kabinett legte am 24. November 1949 fest, daß 
die Ausübung des Gnadenrechts in Epurations-Angelegenheiten ... in die Zuständig 
keit des Innenministers falle 99 . Seit Mitte 1950 erließ das Innenministerium vermehrt 
Gnadenakte. Es stützte sich dabei auf Gutachten des Staatskommissars und der Gna 
denkommission 100 101 . 
Die Eigenmächtigkeiten des Kultusministers Straus 
Nachdem Kultusminister Straus mit dem Versuch gescheitert war, bei der Durchfüh 
rung der Jugendamnestie eine Sonderregelung durchzusetzen, beanspruchte er An 
fang 1948 erfolglos das Recht, die Mitläuferamnestie eigenständig durchführen zu 
können. Manderscheid beschwerte sich bei Leroy. Straus habe ihm gegenüber er 
klärt, er kümmere sich nicht um die zuständigen Stellen, er mache die Epuration der 
Lehrer selbst m . Straus hatte bereits im zweiten Halbjahr 1947 eigenmächtig alle 
Epurationsbescheide der Lehrerschaft einer erneuten Überprüfung unterzogen. Das 
Ergebnis war, daß nur etwa 1% der Lehrerschaft vom Schuldienst ausgeschlossen 
blieb 102 . Obwohl die Lehrer von den Spruchkammern zuerst verhandelt wurden, be 
schwerte sich Straus Ende Januar 1948 über angebliche Verzögerungen. Außerdem 
kritisierte er im Juli 1948 im Ministerrat die zu milde Behandlung nationalsozialisti 
scher Lehrer. Manderscheid würde seine Aufgaben als Staatskommissar vernachläs 
sigen. Dieser wehrte sich gegen die Anschuldigungen mit dem Hinweis auf die Un 
abhängigkeit der Spruchkammern. Außerdem führte er die Namen einiger National 
sozialisten an, die trotz starker politischer Belastung von Straus zum Lehramt zuge 
97 Vermerke Sauerlands über die Gespräche mit Leroy, 9.12., 23.12.1947 u. 26.1.1948; LA SB OSR 75 u. 
76. 
98 Art. 95 Verfassung, 15.12.1947 (Anm. 88); Verordnung, 2.3.1948; ABl-Saar Nr. 28/48 (26.4.1948), 
S. 447f. 
99 Reg.Saar./Präsidialkanzlei: Schlehofer, 25.11.1949: 81. Kabinettssitzung, 24.11.1949; LA SB 
Min/Kultus Z II A 2 g-1. 
100 LA SB OSR-Spruchkammerakten. 
101 Zitiert nach dem Schreiben Manderscheids an Leroy, 18.2.1948; siehe auch: Manderscheid an Straus, 
17.2.1948; LA SB OSR 127 u. 70. Die Verordnung Nr. 133 wurde aber von der Militärregierung 
durchgeführt. 
102 Manderscheid wurden die geänderten Bescheide nur zur Kenntnisnahme vorgelegt. Anordnung Straus, 
30.9.1947: Amtliches Schulblatt Nr. 18/19 (20.9./5.10.1947), S. 29. GMSA/DAA/IC-EPU 9871: Leroy 
an Müller, 17.11.1947; Straus an Müller, 9.12.1947; Manderscheid an Hoffmann, 9.2.1948; LA SB VK 
45 u. OSR 76. Bericht über die Rede von Straus in Saarlouis; SZ Nr. 17/48 (11.2.1948), S. 3.
	        

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