300
heitsgewerkschaft. Von den Gründungsmitgliedern im April 1946 arbeiteten nur
noch das CVP-Mitglied Gemmel und der Gewerkschaftsvertreter Börnicke mit 8 .
Tabelle 26:
Mitglieder des CSE/OSR (Oktober 1948):
Gewerkschaft: Franz Börnicke
Emst Keller
CVP: Reinhold Geizleichter
Franz Gemmel
SPS: Wilhelm Hering
Emst Gilles
Die einzige größere Veränderung in der Zusammensetzung der Epurationsorgane war
im Oktober 1947 durch den Austritt der KP-Vertreter erfolgt. Anlaß war die Entnazifizierung
des Industriellen Heinrich Kreitz, Direktor der Saar-Ferngas, gewesen. Der
CSE hatte seine Weiterbeschäftigung bis zur Spruchkammerverhandlung erlaubt,
obwohl er für politisch untragbar erklärt worden war. Daraufhin verließen die beiden
KP-Vertreter am 18. Oktober 1947 den CSE. Eine Woche später forderte die KP-Bezirksleitung
ihre Mitglieder auf, die Mitarbeit in allen Epurationsorganen sofort einzustellen.
Die Verwaltungskommission beschloß, auf eine Berufung von KP-Vertreter
in die neuen Spruchkammerorgane zu verzichten 9 . Die Auflösung des CSE/OSR
und der anderen Epurationsorgane erfolgte mit Inkrafttreten der Saarlandamnestie
am 6. November 1948. Manderscheid sprach den Mitgliedern seinen Dank für die
außerordentlich verantwortungsvolle, zeitraubende Tätigkeit aus 10 11 . Die Mehrheit der
Mitglieder des CSE/OSR arbeiteten in den Spruchkammerorganen weiter. Geizleichter
wurde Vorsitzender der ersten Kammer des neuen Obersten Säuberungsrates
(OSR).
2.2. Die Konstituierung der Spruchkammerorgane
Der Vorsitzende der Verwaltungskommission, Müller, erreichte Ende April 1947 von
Leroy die Zusage, daß die Verwaltungskommission die Mitglieder der Spruchkammerorgane
selber aussuchen konnte. Alle Personalvorschläge unterlagen aber der
Genehmigung durch die Militärregierung. Müller schrieb daraufhin verschiedene Juristen
an und warb für die Übernahme von Ämtern in den neuen Organen: Der Kreis
der politisch unbelasteten Juristen an der Saar ist verhältnismäßig gering ... Mir ist
bekannt, daß gegen die Tätigkeit in den Säuberungsinstanzen nach den bisher gemachten
Erfahrungen Bedenken bestehen u . Die Antworten fielen meist ablehnend
aus: Arbeitsüberlastung und Gesundheitszustand, vor allem aber das negative Bild
8 HCRFS/REL/ADM: Niederschrift CSE-Sitzung, 16.10.1948; LA SB I-OSR 139/48.
9 VK/Präsidialreferat: Vermerk von Frau Schweitzer für Raabe, 11.12.1947; LA SB OSR 80. Hierzu:
"Neue Zeit" Nr. 53/47 (22.10.1947) u. Nr. 55/47 (29.10.1947).
10 Manderscheid an den Vorsitzenden des CSE/OSR, Gelzleichter, 8.11.1948; LA SB OSR 129.
11 Müller: Verfügung u. Brief an verschiedene Juristen, 29.4.1947; LA SB VK 205.