Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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heitsgewerkschaft.  Von  den  Gründungsmitgliedern  im  April  1946  arbeiteten  nur
noch  das  CVP-Mitglied  Gemmel  und  der  Gewerkschaftsvertreter  Börnicke  mit 8 .
Tabelle  26:
Mitglieder  des  CSE/OSR  (Oktober  1948):
Gewerkschaft:  Franz  Börnicke
Emst  Keller
CVP:  Reinhold  Geizleichter
Franz  Gemmel
SPS:  Wilhelm  Hering
Emst  Gilles
Die  einzige  größere  Veränderung  in  der  Zusammensetzung  der  Epurationsorgane  war
im  Oktober  1947  durch  den  Austritt  der  KP-Vertreter  erfolgt.  Anlaß  war  die  Entnazifizierung ­
  des  Industriellen  Heinrich  Kreitz,  Direktor  der  Saar-Ferngas,  gewesen.  Der
CSE  hatte  seine  Weiterbeschäftigung  bis  zur  Spruchkammerverhandlung  erlaubt,
obwohl  er  für  politisch  untragbar  erklärt  worden  war.  Daraufhin  verließen  die  beiden
KP-Vertreter  am  18.  Oktober  1947  den  CSE.  Eine  Woche  später  forderte  die  KP-Bezirksleitung
  ihre  Mitglieder  auf,  die  Mitarbeit  in  allen  Epurationsorganen  sofort  einzustellen. ­
  Die  Verwaltungskommission  beschloß,  auf  eine  Berufung  von  KP-Vertreter ­
  in  die  neuen  Spruchkammerorgane  zu  verzichten 9 .  Die  Auflösung  des  CSE/OSR
und  der  anderen  Epurationsorgane  erfolgte  mit  Inkrafttreten  der  Saarlandamnestie
am  6.  November  1948.  Manderscheid  sprach  den  Mitgliedern  seinen  Dank  für  die
außerordentlich  verantwortungsvolle,  zeitraubende  Tätigkeit  aus 10  11 .  Die  Mehrheit  der
Mitglieder  des  CSE/OSR  arbeiteten  in  den  Spruchkammerorganen  weiter.  Geizleichter
  wurde  Vorsitzender  der  ersten  Kammer  des  neuen  Obersten  Säuberungsrates
(OSR).

2.2.  Die  Konstituierung  der  Spruchkammerorgane
Der  Vorsitzende  der  Verwaltungskommission,  Müller,  erreichte  Ende  April  1947  von
Leroy  die  Zusage,  daß  die  Verwaltungskommission  die  Mitglieder  der  Spruchkammerorgane ­
  selber  aussuchen  konnte.  Alle  Personalvorschläge  unterlagen  aber  der
Genehmigung  durch  die  Militärregierung.  Müller  schrieb  daraufhin  verschiedene  Juristen ­
  an  und  warb  für  die  Übernahme  von  Ämtern  in  den  neuen  Organen:  Der  Kreis
der  politisch  unbelasteten  Juristen  an  der  Saar  ist  verhältnismäßig  gering  ...  Mir  ist
bekannt,  daß  gegen  die  Tätigkeit  in  den  Säuberungsinstanzen  nach  den  bisher  gemachten ­
  Erfahrungen  Bedenken  bestehen  u .  Die  Antworten  fielen  meist  ablehnend
aus:  Arbeitsüberlastung  und  Gesundheitszustand,  vor  allem  aber  das  negative  Bild

8  HCRFS/REL/ADM:  Niederschrift  CSE-Sitzung,  16.10.1948;  LA  SB  I-OSR  139/48.
9  VK/Präsidialreferat:  Vermerk  von  Frau  Schweitzer  für  Raabe,  11.12.1947;  LA  SB  OSR  80.  Hierzu:
"Neue  Zeit"  Nr.  53/47  (22.10.1947)  u.  Nr.  55/47  (29.10.1947).
10  Manderscheid  an  den  Vorsitzenden  des  CSE/OSR,  Gelzleichter,  8.11.1948;  LA  SB  OSR  129.
11  Müller:  Verfügung  u.  Brief  an  verschiedene  Juristen,  29.4.1947;  LA  SB  VK  205.
            
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