Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

15

amtentum  und  die  paramilitärischen  Organisationen  des  NS-Regimes,  die  beiden
Generaldirektoren  der  Militärregierung  in  Baden-Baden  Furby  und  Jean  Filippi  berichteten ­
  über  ihre  bisherige  Arbeit  aus  dem  Justiz-  beziehungsweise  Wirtschaftsbereich. ­
  Prüfungen  und  ein  Besuch  des  Militärgerichts  schlossen  den  Lehrgang  ab 4 .
Die  Zeitspanne  zwischen  dem  Beginn  des  Ausbildungsprogramms  und  der  Konstituierung ­
  der  französischen  Besatzungszone  war  zu  kurz 5 .  Das  4 e  Bureau  der  l® re  Armee ­
  Frangaise  stellte  Ende  April  1945  fest,  daß  zwar  die  Bildung  der  Detachements
in  den  besetzten  Gebieten  voranschreite,  die  Einheiten  der  AMFA  aber  noch  nicht
bereitstünden 6 .

1.2.  Die  Übernahme  der  Besatzungsverwaltung
durch  Generalverwalter  Laffon
Sechs  Wochen,  nachdem  das  Commandement  en  Chef  Frangais  en  Allemagne
(CCFA),  das  französische  Oberkommando  in  Deutschland,  geschaffen  worden  war,
wurde  am  23.  Juli  1945  General  Pierre-Marie  Koenig  zum  Zonenkommandeur  ernannt. ­
  Einen  Tag  später  wurde  zu  seinem  Stellvertreter  als  Leiter  der  Besatzungsverwaltung ­
  Emile  Laffon  berufen.  Obwohl  eine  Zivilbehörde,  trugen  die  Beschäftigten ­
  des  Gouvernement  Militaire  (Militärregierung)  Uniformen  und  militärische
Dienstränge 7 .
Als  Generalverwalter  Laffon  am  1.  August  1945  sein  Amt  in  Baden-Baden  antrat,
fand  er  eine  völlig  ungeordnete  Besatzungsverwaltung  vor.  Das  5 e  Bureau  hatte  sich
zum  15.  Juli  1945  aufgelöst 8 .  Es  hatte  weder  eine  geordnete  Machtübergabe  stattgefunden, ­
  noch  war  genügend  geeignetes  Personal  für  den  Aufbau  der  Militärregierung
vorhanden:  Je  pris  un  heritage  imprecis,  mal  defini,  nullement  inventorie  et  le  temps
seul  me  permit  d'apercevoir  clairement  ce  qui  m'avait  ete  laisse  par  l'administration
de  la  l f ’ re  Armee.  A  cette  absence  de  consigne,  s'ajoutait  dans  le  domaine  materiel

4  MMAA/CI/DCTO:  7e  Stage,  20.8.-14.9.1945;  AOFAA  DGAP  c.1676  p.80  d.125.
5  Der  Leiter  des  "Centre  d'Organisation  du  GMZFO  en  Allemagne",  Colonel  Herreman,  hatte  Mitte  Mai
die  2.  Einheit  der  AMFA  zur  Vorbereitung  ihres  Einsatzes  in  Deutschland  auf  zwei  Orte  verteilt:  die
Offiziere  kamen  zum  "Centre  d'instruction"  nach  Epemay  (Leiter:  Colonel  Bonne),  die  anderen  Mitglieder ­
  zum  "Centre  de  rassemblement"  in  Montbard  (Leiter:  Lieutenant-Colonel  Vittecocq);
MMAA/Centre  d'Organisation  du  Gouvernement  Militaire:  Note  de  Service,  11.5.1945;  AOFAA
SEAAA  2  c.2669  p.4.
6  l£re  Armde  Fran9./EM/4e  Bureau:  Note  de  Service,  25.4.1945;  AOFAA  SEAAA  2  c.2669  p.4.
7  Emennungsdekrete:  AN  F  60/3034;  hierzu:  Hüser.  S.  llOff.,  u.  Lattard,  Gewerkschaften,  S.  17ff.  Die
Person  Emile  Laffons  hat  durch  die  neueren  Studien  zur  französischen  Besatzungspolitik  eine  gewandelte ­
  Einschätzung  erfahren,  so  zum  Beispiel  bei  Wolfrum,  Französische  Besatzungspolitik.  Zum  Konflikt ­
  Laffons  mit  General  Koenig,  der  sowohl  in  der  Besatzungsstruktur  als  auch  in  der  unterschiedlichen ­
  Persönlichkeit  und  politischen  Einstellung  der  beiden  wichtigsten  französischen  Besatzungspolitiker ­
  seinen  Ursprung  hat:  Lattard,  Gewerkschaften,  S.  5ff.;  Ders.,  Zielkonflikte  französischer  Besatzungspolitik. ­
  Der  Streit  Laffon-Koenig  1945-1947,  in:  VfZ  39  (1991),  S.  1-35,  u.  Wolfrum,  a.a.O.
S.  34f.
8  l&re  Armee  Fran9./EM/2e  u.  5e  Bureau:  Note  de  Service,  10.7.1945;  6th  Army  Group  Headquarter  an
den  kommandierenden  General  der  First  French  Army,  8.7.1945;  AOFAA  RP  c.919  p.  15  d.145  u.
SEAAA  2  c.2669  p.4.  Zum  Aufgabenbereich  des  5e  Bureau  siehe  das  Kapitel  B.  1.1.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.