Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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moins coupables. Die Amnestierung der nominellen Nationalsozialisten würde auch 
einem weitverbreiteten Wunsch der deutschen Öffentlichkeit entgegenkommen. Der 
Militärregierung biete sich hier die Möglichkeit, durch einen Gnadenakt die öffentli 
che Meinung günstig zu stimmen. Folgende Nationalsozialisten sollten in den Genuß 
der Amnestie kommen: 
- einfache nominelle Mitglieder der NSDAP und der NS-Gliederungen, die der Or 
ganisation erst nach dem 1. Mai 1937 beigetreten waren; 
- Jugendliche, die nach dem 1. Mai 1933 der HJ oder dem BDM beigetreten waren; 
- Personen, die nur in der Zeit ihrer Ausbildung (insbesondere Studium) Mitglied 
der SA gewesen waren; 
- Personen, die zu mehr als 50% behindert waren. 
Roynette plädierte für die Einrichtung einer Sonderspruchkammer zur Durchführung 
der Amnestie. Radenac, unterstützt durch Leroy und de Bresson, tendierte aber dazu, 
den Staatskommissar damit zu beauftragen - jedes andere Verfahren würde zu lange 
dauern. Das Gnadenrecht sollte bei der Exekutive bleiben 43 . 
Dieser Plan einer Mitläuferamnestie wurde nicht weiter verfolgt. General Koenig äu 
ßerte Bedenken bezüglich der Auswirkungen auf die französische Öffentlichkeit 44 . 
Nachdem aber Mitte August 1947 in der sowjetischen Besatzungszone eine propa 
gandistisch groß aufgemachte Mitläuferamnestie verkündet worden war, erhob Koe 
nig keinen Einwand mehr gegen einen entsprechenden Gnadenakt in der französi 
schen Zone. Er gab Laffon den Auftrag, eine Amnestieverordnung zu entwerfen 45 . 
Am 1. Oktober 1947 konnte Radenac einen Entwurf vorlegen (envers les personnes 
qui, par entrainement ou manque de caractere, se sont compromises par une simple 
adhesion nominale au national-socialisme). In der Begründung wurde auf die Be 
schlüsse der Moskauer Außenministerkonferenz vom April 1947 Bezug genommen. 
Die gesellschaftliche Wiedereingliederung der nominellen Nationalsozialisten sei aus 
wirtschaftlichen und demokratischen Gründen notwendig. Radenac betonte aber, daß 
durch die Gnadenmaßnahmen nicht der Status quo ante von 1945 wiederhergestellt 
werden dürfe 46 . Laffon überreichte Koenig den Entwurf mit dem Hinweis, daß bei 
dieser Frage die Genehmigung der Pariser Regierung notwendig sei. Koenig infor 
mierte das CGAAA 47 . Der Service Politique begutachtete den Amnestieentwurf im 
Hinblick auf seine Vereinbarkeit mit der alliierten Politik und seine Auswirkungen 
auf die französische Öffentlichkeit. Sein Leiter, Jean Sauvagnargues, empfahl, den 
43 Ebd; Roynette schlug außerdem vor, die Amnestie zeitlich zu staffeln, um den positiven Effekt zu ver 
längern; GMRP/EPU 4211: Hettier de Boislambert an Laffon, 3.7.1947; AOFAA RP c.901 p.4. 
44 Un projet d'amnestie ... avait bien ete etudie par le GMZFO, mais laisse en suspens en raison des re- 
actions qu'il aurait pu susciter en France; CCFA/CC/CAC/POL 4275: Koenig an Laffon, 28.8.1947; 
AOFAA DGAP c.233 p.50. Zu den Reaktionen in der französischen Öffentlichkeit auf das Bekannt 
werden der Amnestiepläne: Schreiben der Föderation Nationale des Deportös et Internes de la Resi 
stance an Koenig, 7.5.1947; abgedruckt bei Grohnert, S. 288f. 
45 Ebd. 
46 CCFA/CAB: "Exposö des motifs", 1.10.1947; CCFA/CAB/C 9979: Laffon an Koenig, 1.10.1947; AO 
FAA CC POL III E p.36 u. DGAP c.3302 p.89 d.3005-3019. 
47 CGAAA/POL 194: Sauvagnargues an Koenig, 7.10.1947; CCFA/CC/CAC/POL 5012: Koenig an das 
CGAAA, 10.10.1947; CC AOFAA POL III E p.36 u. DGAP c.3302 p.89 d.3005-3019.
	        
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