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schütz- und wehrlos gemacht (hatte) im ungleichen Kampf gegen ein übermächtiges
diktatorisches Parteiregime, sollte dagegen nachsichtig vorgegangen werden: Schont
die Schwachen, aber nicht die großen Schuldigen! 21 . Das MRS führte von Anfang an
Klage über die unvollständige Beseitigung des nationalsozialistischen Einflusses in
Verwaltung und Wirtschaft. Immer noch würden zahlreiche "Naziemissäre" wie Pech
an Ämtern und öffentlichen Funktionen kleben. Frankreich könne es aber nicht zugemutet
werden, mit dem Anschluß des Saargebietes eine Bande von unverbesserlichen
Nazielementen übernehmen zu müssen. Das MRS wolle Frankreich eine loyale
und von aufrichtigem Anschlusswillen erfüllte Saarbevölkerung zuführen 22 . Gleichzeitig
warnte das MRS vor falschen Freunden und selbsternannten posthumen Gegnern
des NS-Regimes: Der Judenfresser gibt sich als Philosemit aus, der Pangermanist
als alter Franzosenfreund ... und alles das nur, um die Wartezeit bis zur Befreiung
vom welschen Joche so glimpflich wie möglich überstehen zu können 23 .
Als Bewegung, die - so schien es damals - die politischen Ziele der Besatzungsmacht
vertrat und daher auch die besten Kontakte zur ihr haben mußte, wurde das
MRS für ehemalige Nationalsozialisten interessant. Durch eine Mitgliedschaft versuchten
sie das Ergebnis ihrer Entnazifizierung zu beeinflussen. Das führende MRS-Mitglied
Fritz Pfordt wehrte sich auf der Sulzbacher Landesversammlung im Juli
1946 gegen das schlechte Image, das das MRS in der Öffentlichkeit besaß: Am beliebtesten
ist die dumme Redensart, das MRS sei das Sammelbecken der Nazis. Lächerlich!
Jeder weiß, wie streng die Aufnahmebedingungen sind, und daß keine Nazis
irgendwelche Funktionen im MRS bekleiden dürfen und können! 24 25 . Der Vorstand
erkannte aber selbstkritisch: Nicht selten wurde unangebrachtes Entgegenkommen
gezeigt und unseren Gegnern unnötigerweise eine Blöße zu gehässigen Angriffen geboten.
Trotzdem blieb das MRS weiterhin für einfache Nationalsozialisten offen:
Entscheidend für die Beurteilung früherer Pgs ist sowohl die ausgeübte Funktion und
sonstige Betätigung für Hitlers Terror und Kriegspolitik wie auch der Grad der inneren
Verbundenheit mit dem Nazisystem 25 . Im Juni 1947 stellte das MRS fest, daß die
21 "Neue Saar” Nr. 3/46 (26.7.1946); Und die Nazis ohne Parteibuch?; ebd. Nr. 6/46 (16.8.1946).
22 Ebd; Resolution der Sulzbacher Landesversammlung des MRS, 28.7.1946; "Neue Saar" Nr. 4/46
(2.8.1946) u. AOFAA DGAP c.228 p. 19 d.l lb. Siehe auch: Entschließung der Landesfunktionärskonferenz
des MRS, 23.3.1947; "Neue Saar" Nr. 19/47 (28.3.1947).
23 MRS, 26.7.1946; ebd.
24 Rede von Fritz Pfordt auf der Landesversammlung in Sulzbach am 28. Juli 1946; "Neue Saar" Nr. 4/46
(2.8.1946) . Diese Vorwürfe wurden von allen politischen Parteien erhoben. Die KP beschwerte sich in
einem Schreiben an die Außenminister der vier Siegermächte im Juni 1946 über die Machenschaften
des MRS: Ehemaligen Nationalsozialisten würde die Mitgliedschaft in dem MRS als Schutz vor Ausweisung
und Entnazifizierung angeboten; KP Bezirk Saar-Nahe: Memorandum, 20.6.1946; MAE Z
EU/Sarre 1944-49 d.l 1/138ff. Die SPD beanstandete in ihrer Denkschrift zur Frage des Saargebietes,
verfaßt von Gerhart Lütkens und Emst Roth, die Ausnützung der Angst ehemaliger Nationalsozialisten
durch das MRS: Ein ehemaliger Nazi, der sich dem MRS anschloß, war dadurch politisch nicht mehr
eigentlich in Gefahr, AOFAA SEAAA 1/3 c.8.
25 Kein Platz für Nazis!', "Neue Saar" Nr. 1/46 (14.7.1946). Die Statuten des MRS sahen vor, daß niemand
eine Funktion im MRS ausüben durfte, der der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen angehört
hatte. Von der bloßen Mitgliedschaft waren NSDAP-Funktionäre ab Zellenleiter sowie Mitglieder der
SA, SS, Gestapo und des Werkschutzes der DAF ausgeschlossen; 2000 Funktionäre, 300 Komitees,
Bericht des Sekretariats des MRS; "Neue Saar" Nr. 1/46 (14.7.1946).