Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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schütz-  und  wehrlos  gemacht  (hatte)  im  ungleichen  Kampf  gegen  ein  übermächtiges
diktatorisches  Parteiregime,  sollte  dagegen  nachsichtig  vorgegangen  werden:  Schont
die  Schwachen,  aber  nicht  die  großen  Schuldigen! 21 .  Das  MRS  führte  von  Anfang  an
Klage  über  die  unvollständige  Beseitigung  des  nationalsozialistischen  Einflusses  in
Verwaltung  und  Wirtschaft.  Immer  noch  würden  zahlreiche  "Naziemissäre"  wie  Pech
an  Ämtern  und  öffentlichen  Funktionen  kleben.  Frankreich  könne  es  aber  nicht  zugemutet ­
  werden,  mit  dem  Anschluß  des  Saargebietes  eine  Bande  von  unverbesserlichen ­
  Nazielementen  übernehmen  zu  müssen.  Das  MRS  wolle  Frankreich  eine  loyale
und  von  aufrichtigem  Anschlusswillen  erfüllte  Saarbevölkerung  zuführen 22 .  Gleichzeitig ­
  warnte  das  MRS  vor  falschen  Freunden  und  selbsternannten  posthumen  Gegnern ­
  des  NS-Regimes:  Der  Judenfresser  gibt  sich  als  Philosemit  aus,  der  Pangermanist
  als  alter  Franzosenfreund  ...  und  alles  das  nur,  um  die  Wartezeit  bis  zur  Befreiung ­
  vom  welschen  Joche  so  glimpflich  wie  möglich  überstehen  zu  können  23 .
Als  Bewegung,  die  -  so  schien  es  damals  -  die  politischen  Ziele  der  Besatzungsmacht ­
  vertrat  und  daher  auch  die  besten  Kontakte  zur  ihr  haben  mußte,  wurde  das
MRS  für  ehemalige  Nationalsozialisten  interessant.  Durch  eine  Mitgliedschaft  versuchten ­
  sie  das  Ergebnis  ihrer  Entnazifizierung  zu  beeinflussen.  Das  führende  MRS-Mitglied
  Fritz  Pfordt  wehrte  sich  auf  der  Sulzbacher  Landesversammlung  im  Juli
1946  gegen  das  schlechte  Image,  das  das  MRS  in  der  Öffentlichkeit  besaß:  Am  beliebtesten ­
  ist  die  dumme  Redensart,  das  MRS  sei  das  Sammelbecken  der  Nazis.  Lächerlich! ­
  Jeder  weiß,  wie  streng  die  Aufnahmebedingungen  sind,  und  daß  keine  Nazis ­
  irgendwelche  Funktionen  im  MRS  bekleiden  dürfen  und  können!  24  25 .  Der  Vorstand
erkannte  aber  selbstkritisch:  Nicht  selten  wurde  unangebrachtes  Entgegenkommen
gezeigt  und  unseren  Gegnern  unnötigerweise  eine  Blöße  zu  gehässigen  Angriffen  geboten. ­
  Trotzdem  blieb  das  MRS  weiterhin  für  einfache  Nationalsozialisten  offen:
Entscheidend  für  die  Beurteilung  früherer  Pgs  ist  sowohl  die  ausgeübte  Funktion  und
sonstige  Betätigung  für  Hitlers  Terror  und  Kriegspolitik  wie  auch  der  Grad  der  inneren ­
  Verbundenheit  mit  dem  Nazisystem 25 .  Im  Juni  1947  stellte  das  MRS  fest,  daß  die

21  "Neue  Saar”  Nr.  3/46  (26.7.1946);  Und  die  Nazis  ohne  Parteibuch?;  ebd.  Nr.  6/46  (16.8.1946).
22  Ebd;  Resolution  der  Sulzbacher  Landesversammlung  des  MRS,  28.7.1946;  "Neue  Saar"  Nr.  4/46
(2.8.1946)  u.  AOFAA  DGAP  c.228  p.  19  d.l  lb.  Siehe  auch:  Entschließung  der  Landesfunktionärskonferenz ­
  des  MRS,  23.3.1947;  "Neue  Saar"  Nr.  19/47  (28.3.1947).
23  MRS,  26.7.1946;  ebd.
24  Rede  von  Fritz  Pfordt  auf  der  Landesversammlung  in  Sulzbach  am  28.  Juli  1946;  "Neue  Saar"  Nr.  4/46
(2.8.1946)  .  Diese  Vorwürfe  wurden  von  allen  politischen  Parteien  erhoben.  Die  KP  beschwerte  sich  in
einem  Schreiben  an  die  Außenminister  der  vier  Siegermächte  im  Juni  1946  über  die  Machenschaften
des  MRS:  Ehemaligen  Nationalsozialisten  würde  die  Mitgliedschaft  in  dem  MRS  als  Schutz  vor  Ausweisung ­
  und  Entnazifizierung  angeboten;  KP  Bezirk  Saar-Nahe:  Memorandum,  20.6.1946;  MAE  Z
EU/Sarre  1944-49  d.l  1/138ff.  Die  SPD  beanstandete  in  ihrer  Denkschrift  zur  Frage  des  Saargebietes,
verfaßt  von  Gerhart  Lütkens  und  Emst  Roth,  die  Ausnützung  der  Angst  ehemaliger  Nationalsozialisten
durch  das  MRS:  Ein  ehemaliger  Nazi,  der  sich  dem  MRS  anschloß,  war  dadurch  politisch  nicht  mehr
eigentlich  in  Gefahr,  AOFAA  SEAAA  1/3  c.8.
25  Kein  Platz  für  Nazis!',  "Neue  Saar"  Nr.  1/46  (14.7.1946).  Die  Statuten  des  MRS  sahen  vor,  daß  niemand ­
  eine  Funktion  im  MRS  ausüben  durfte,  der  der  NSDAP  oder  einer  ihrer  Gliederungen  angehört
hatte.  Von  der  bloßen  Mitgliedschaft  waren  NSDAP-Funktionäre  ab  Zellenleiter  sowie  Mitglieder  der
SA,  SS,  Gestapo  und  des  Werkschutzes  der  DAF  ausgeschlossen;  2000  Funktionäre,  300  Komitees,
Bericht  des  Sekretariats  des  MRS;  "Neue  Saar"  Nr.  1/46  (14.7.1946).
            
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