Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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SPS  den  inflationären  Gebrauch  von  Leumundszeugnissen 9 .  Roth  sah  bereits  im  Oktober ­
  1946  einen  Wettlauf  um  den  Pg  eröffnet.  Während  die  KP  andauernd  vom
"kleinen  Mann"  rede,  wolle  die  CVP  alle  Nationalsozialisten  beschützen,  die  Angst
vor  Antifaschisten  hätten.  Die  Entnazifizierung  sei  aber  eine  politische  Maßnahme,
die  keinesfalls  den  Beifall  der  davon  betroffenen  Nationalsozialisten  finden  müsse.
Durch  eine  Atmosphäre  des  Verzeihens  und  des  Vergessens  würden  die  Verantwortlichkeiten ­
  verwischt  und  durch  den  automatischen  Ablaß,  den  manche  Parteien  bei
einem  Parteieintritt  ehemaligen  Nationalsozialisten  gewährten,  nur  alte  Vorurteile
gegenüber  den  demokratischen  Parteien  verstärkt 10 .
Seit  September  1946  forderte  die  SPS  die  Übernahme  des  amerikanischen  Befreiungsgesetzes. ­
  Öffentliche  Verhandlungen,  Verteidigungsmöglichkeit  für  den  Betroffenen ­
  und  eine  sorgfältigere  Auswahl  der  Ausschußvorsitzenden  sollten  im  Saarland
das  Verfahren  verbessern 11 .  Daher  begrüßte  die  SPS  den  Erlaß  der  RAO:  Das  bisherige ­
  Verfahren  habe  weder  dem  allgemeinen  Rechtsempfinden  Rechnung  getragen,
noch  sei  das  Ziel  der  politischen  Säuberung  erreicht  worden.  Allein  die  Bestimmung,
daß  künftig  nur  Juristen  als  Vorsitzende  tätig  sein  dürften,  stieß  auf  Kritik:  Die  Frage
sei,  woher  man  die  dazu  notwendigen  30  politisch  unbelasteten  Richter  im  Saarland
hemehmen  wolle 12 .  Der  endgültige  Erfolg  der  Entnazifizierung,  so  Roth  in  der
"Volksstimme",  hänge  jedoch  vom  täglichen  Beweis  einer  starken  und  funktionierenden ­
  Demokratie  ab 13 .

Die  KP
Der  kommunistische  Redner  Fritz  Nickolay  erinnerte  auf  der  Kundgebung  im  Oktober ­
  1945  an  die  Warnung  seiner  Partei  vor  dem  Hitlerfaschismus.  Monopolkapital
und  Junkertum  hätten  Hitler  an  die  Macht  gebracht.  Hitler  und  nicht  die  französische
Militärregierung  trage  die  Verantwortung  für  die  jetzige  desolate  Situation  des  Saarlandes ­
 14 .  Wehrwirtschaftsführer  und  Nazibonzen  würden  jetzt  versuchen,  die  Aufmerksamkeit ­
  auf  die  vielen  kleinen  Pgs,  ihre  Opfer  von  gestern,  zu  lenken.  Diese
hätten  zwar  auch  ihren  Beitrag  zum  NS-Regime  geleistet,  seien  aber  nicht  von  vornherein ­
  als  "Reaktionäre"  anzusehen.  Die  Masse  der  Mitläufer  sei  entweder  auf  Hitlers ­
  soziale  und  nationale  Demagogie  hereingefallen  oder  aus  Furcht  vor  persönlichen ­
  und  wirtschaftlichen  Nachteilen  der  NSDAP  beigetreten.  Die  KP  plädierte  daher ­
  im  September  1946  für  deren  Integration  in  den  demokratischen  Aufbau:  Unser
Land  kann  auf  die  Millionenarmee  dieser  nominellen  Nazis  nicht  verzichten.  Die
Entnazifizierung  habe  nicht  nur  nach  der  politischen  Vergangenheit  zu  fragen,  son-9

  Glauben  Sie  noch  an  die  Entnazifizierung?\  "Volksstimme"  Nr.  6/46  (27.7.1946),  S.  2.
10  Der  Wettlauf  um  den  Pg\  "Volksstimme"  Nr.  21/46  (19.10.1946),  S.  2.  Roth  bezog  sich  dabei  auf  den
Artikel  Fort  mit  der  Angst!  in  der  S  VZ  am  12.10.1946.
11  "Volksstimme"  Nr.  14/46  (11.9.1946),  S.  1.
12  "Volksstimme"  Nr.  5/47  (1.1.1947),  S.  lf.
13  "Volksstimme"  Nr.  20/47  (15.5.1947),  S.  2.
14  Kundgebung,  27.10.1945  (Anm.  2).
            
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