Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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2.  Erweiterte  Vollmachten  für  die  deutschen  Regierungen  -
die  Umsetzung  der  KR  38
2.1.  Der  Stand  der  Demokratisierung  Ende  1946
Der  Demokratisierungsprozeß  in  der  französischen  Besatzungszone  war  seit  der  Zulassung ­
  politischer  Parteien,  Gewerkschaften  und  Vereine  im  Spätjahr  1945  weiter
vorangegangen.  Nach  den  demokratischen  Wahlen  auf  Kommunalebene  konstituierten ­
  sich  im  Oktober  1946  in  den  Ländern  der  französischen  Zone,  nicht  jedoch  im
Saarland,  "Beratende  Landesversammlungen"  (Assemblees  Consultatives),  von  Laffon
  als  premieres  pierres  de  la  democratie  nouvelle  bezeichnet 1 .  Laffon  erläuterte  in
einem  Schreiben  an  die  Ländergouvemeure  im  November  1946  sein  Demokratisierungskonzept: ­

Les  Allemands  doivent  bien  se  convaincre  que  le  retour  ä  la  democratie  est  progressif
  et  qu'ils  devront,  ä  chaque  etape  du  chemin  que  nous  leur  ouvrons,  faire
la  preuve  qu'ils  n'ont  pas  oublie  les  responsabilites  du  Nazisme,  qu'ils  comprennent
  la  necessite  d'aider  les  puissances  occupantes  et  meriter  constamment  la
confiance  qui  leur  est  accordee  car  ce  qui  nous  ä  conduit  ä  l'octroi  de  ces  libertes,
  c'est  precisement  l'espoir  que  les  Allemands  sauront  s'en  servir  pour  le  bien
general 2 .
Er  warnte  seine  Offiziere  davor,  die  Kontrolle  der  deutschen  Verwaltungen  zu  vernachlässigen. ­
  Kritik  an  der  Besatzungsmacht  dürfe  auf  keinen  Fall  geduldet  werden.
Vorfälle  in  den  anderen  Besatzungszonen  zeigten,  daß  die  neuen  Freiheiten  schnell
mißbraucht  würden.  Eine  früh  einsetzende  Kontrolle  (Intervention  preventive)  könne
von  vornherein  eine  derartige  Entwicklung  verhindern 3 .
Auf  der  Konferenz  der  deutschen  Verwaltungschefs  am  4.  Dezember  1946  in  Baden-Baden
  -  der  Vorsitzende  der  saarländischen  Verwaltungskommission  war  nicht  eingeladen ­
  worden  -  verlas  General  Koenig  eine  Erklärung,  in  der  er  die  provisorischen
Länderregierungen  ermächtigte,  im  Rahmen  der  Verordnung  Nr.  67  bis  zum  Inkrafttreten ­
  der  Verfassungen  Vorschriften  mit  Gesetzescharakter  zu  erlassen  (des  dispositions
  reglementaires  ayant  force  de  loi).  Einschränkend  fügte  Koenig  hinzu,  daß  die
aus  dem  Besatzungsrecht  hergeleiteten  Vorschriften  des  Alliierten  Kontrollrates  und
der  französischen  Militärregierung  beachtet  werden  müßten.  Es  dürften  daher  nur
Verordnungen  erlassen  werden,  die  nicht  im  Widerspruch  zur  französischen  Politik
stünden.  Koenig  äußerte  die  Hoffnung,  daß  die  bisher  gute  Zusammenarbeit  auch
weiterhin  erhalten  bleibe.  Die  französische  Regierung  habe  den  Wunsch,  dem  deutschen ­
  Volk  zunehmend  politische  Freiheiten  einzuräumen  (rendre  progressivement

1  CCFA:  Ordonnance  Nr.  67  instituant  une  Assemblee  Consultative  du  Land  Rheno-Palatin,  8.10.1946;
JO-CCFA  Nr.  41/46  (12.10.1946),  S.  341  ff.  CCFA/DGAA/INT/3.Sect.  4381:  Laffon  an  die  Ländergouvemeure ­
  von  Baden,  Württemberg-Hohenzollem  u.  Rheinland-Pfalz,  3.12.1946;  MAE  Y  1944-49
d.438/175-179.  Lattard,  Zielkonflikte,  S.  23ff.
2  CCFA/CAB/C  8655:  Laffon,  27.11.1946;  MAE  Y  1944-49  d.438/237f.
3  Si  ces  libertes  devaient  leur  permettre  de  prendre  la  tete  d'une  sorte  de  resistance  politique  ä  notre  action,
  nous  nous  verrions  dans  la  necessite  de  les  restreindre  pour  leur  plus  grand  desavantage',  ebd.
            
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