Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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gen  zu  lassen,  um  die  Arbeiten  zu  beschleunigen;  bis  zum  1.  Juli  sollte  der  Direktivenentwurf ­
  fertig  sein 16 .  Unter  der  Bezeichnung  DIAC/APSC/NADSC/P(46)1  wurden ­
  die  einzelnen  Artikel  durchgesprochen.  Delechaux  forderte  größere  Handlungsfreiheiten ­
  für  den  Zonenkommandeur.  Außerdem  dürften  die  bisherigen  Entnazifizierungsmaßnahmen ­
  nicht  in  Frage  gestellt  werden.  Auch  der  sowjetische  Versuch,  die
beiden  Personengruppenlisten  (für  die  Kategorien  I  und  II)  des  Befreiungsgesetzes  in
den  Direktiventext  aufzunehmen,  stieß  auf  seinen  Widerstand.  Delechaux’  Kompromißvorschlag ­
  lautete,  diese  Listen  nur  als  unverbindliche  Handlungsanleitung  der
Direktive  als  Anlage  beizufügen.  Am  2.  Juli  stimmte  der  NADSC  dem  Direktivenentwurf ­
  zu  und  legte  ihn  dem  APSC  zur  Beratung  vor.  Nach  mehrmaliger  Vertagung ­
  wurde  er  erstmals  am  6.  August  diskutiert 17 .
In  der  Zwischenzeit  hatte  Baden-Baden  erneut  die  Informationspolitik  der  französischen ­
  Kontrollratsgruppe  scharf  kritisiert.  Laffon  forderte  Noiret  auf,  die  Berichtsprotokolle ­
  der  verschiedenen  Gremien  regelmäßig  nach  Baden-Baden  zu  schicken ­
  und  ihn  über  alle  Diskussionen  auf  dem  Laufenden  zu  halten:  II  parait  anormal
que  le  representant  frangais  soumette  au  sous-comite  de  denazification  des  projets
dont  le  GMZFO  n'a  jamais  eu  connaissance  18 .  Eine  engere  Zusammenarbeit  zwischen ­
  Baden-Baden  und  Berlin  sei  gerade  in  der  Frage  der  Entnazifizierung  notwendig ­
 19 :  ...  car  il  est  desagreable  que  les  decisions  du  GFCC  viennent  interferer  dans  la
politique  suivie  en  zone  frangaise  sans  qu'il  ait  ete  tenu  compte  de  l'avis  du
GMZFO  2 °.
Meinungsverschiedenheiten  im  APSC  und  im  DIAC,  unter  anderem  über  die  Aussagekraft ­
  der  beiden  Listen  mit  den  automatisch  zu  entlassenden  Personengruppen,
führten  dazu,  daß  der  Entwurf  einschließlich  der  strittigen  Punkte  am  4.  September
dem  CORC  vorgelegt  wurde 21 .  Er  wurde  im  CORC  unter  der  Bezeichnung
CORC/P(46)301  beraten;  auf  französischer  Seite  nahmen  neben  General  Noiret,
Tarbe  de  Saint-Hardouin,  der  politische  Berater  General  Koenigs,  und  Generalsekretär ­
  Bapst  an  den  Beratungen  teil 22 .  Die  Urteilsverkündigung  im  Nürnberger  Prozeß ­
  verhinderte  die  für  Anfang  Oktober  angesetzte  Unterzeichnung  der  KR  38.  Noiret ­
  äußerte  Bedenken,  da  die  Direktive  zum  Teil  im  Widerspruch  zum  Urteil  stehe:
Einige  der  bislang  als  verbrecherisch  angesehenen  Organisationen  (SA,  Reichsregierung, ­
  Generalstab  und  Oberkommando  der  Wehrmacht)  waren  vom  Internationalen

16  DIAC/APSC/NADSC/M(46)9,  11.6.1946;  DIAC/APSC/M6mo(46)38,  14.6.1946;  AOFAA  DG  AP
c.232  p.47  u.  GFCC  DGAA  c.l  10  p.2.
17  DIAC/APSC/NADSC/M(46)  10  u.  11,  25.6.  u.  2.7.1946;  DIAC/APSC/NADSC/P(46)  1-Rdvise,
29.6.1946;  DIAC/APSC/NADSC/M6mo(46)7,  6.7.1946;  AOFAA  DG  AP  c.232  p.47  u.  MAE  Y
1944—49  d.532/44-91.
18  CCFA/CAB:  Note  an  Martin  in  Berlin,  19.7.1946;  AOFAA  DG  AP  c.232  p.47.
19  Ab  Juni  1946  bis  Februar  1948  fanden  in  unregelmäßigen  Abständen  gemeinsame  Konferenzen  der
GFCC  und  des  GMZFO  alternierend  in  Berlin  und  in  Baden-Baden  statt;  AOFAA  GFCC  DGAA  c.l02
u.  DGAPc.3306p.117.
20  Note,  19.7.1946  (Anm.  18).
21  DIAC/APSC/Memo(46)60  u.  61,  16.  u.  27.8.1946;  DIAC/APSC/M(46)22,  23,  24  u.  25,  27.7.,  7.8.,
22.8.  u.  5.9.1946;  AOFAA  GFCC  DGAA  c.109  p.7,  c.l  10  p.2  u.  MAE  Y  1944-49  d.531/132  u.  158f.
22  CORC/P(46)301,  13.9.1946;  CORC/M(46)50  u.  51,  24.  u.  27.9.1946;  AOFAA  DGAP  c.232  p.47.
            
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