Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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waltung durchzusetzen. Erschwerend kam hinzu, daß der Service Epuration in 
Koblenz seine Kontrollbefugnisse zwar emstnahm, sich aber in bürokratischer Ge 
nauigkeit erschöpfte, wo rasches und energisches Handeln erforderlich gewesen 
wäre. 
Ein starker Einfluß der politischen Parteien wirkte sich hemmend auf die Effektivität 
der Entnazifizierung aus. Zwischen ihnen bestand Konsens, daß nur die NS-Aktivi- 
sten - und diese sehr schnell - entnazifiziert werden sollten. Ein Gegenmodell zum 
französischen Verfahren wurde aber nicht vorgeschlagen. Der sehr rasch nach 1946 
einsetzende Wettlauf um die (Wähler-)Gunst der Pgs führte dazu, daß keine Partei 
mehr die Verantwortung für die Folgen der Entnazifizierung übernehmen wollte. Die 
Forderung nach Einrichtung einer richterlichen Einspruchsinstanz wurde immer lau 
ter erhoben: Die bürgerlichen Parteien forderten nachdrücklich ein Justiz- statt des 
bestehenden politischen Verwaltungsverfahrens. 
8.1. Ergebnisse der Entnazifizierung im Saarland, Hessen-Pfalz 
und Rheinland-Hessen-Nassau 
Die Zeitgenossen hatten den Eindruck, daß die Entnazifizierung in Hessen-Pfalz und 
im Saarland übermäßig hart gewesen war; Vorwürfe des Verfahrensmißbrauchs wur 
den nur hier erhoben. Die Entnazifizierungsbestimmungen waren aber überall gleich. 
Die drei Länder unterschieden sich vor allem in der Geschwindigkeit, mit der die 
Säuberung durchgeführt wurde. Hinzu kam, daß in den ersten Monaten, als die Erin 
nerung an die Verbrechen des NS-Regimes noch nicht vom Nachkriegsalltag über 
deckt war, schärfer geurteilt wurde - zu diesem Zeitpunkt arbeiteten bereits die pfäl 
zischen Organe. 
Rheinland-Hessen-Nassau hinkte von Anfang an in der Entnazifizierung hinterher; 
zudem zeigte die Militärregierung in Koblenz nur ein geringes Interesse an der so 
fortigen Durchführung der Sanktionen. Im Saarland beschränkte sich das Interesse 
der Militärregierung auf einige besonders wichtig erscheinende Bereiche. Innere 
Verwaltung, Post, Bahn und Saargruben wurden sehr rasch entnazifiziert, während 
die Säuberung der Privatwirtschaft hinter dem Primat des Wiederaufbaus zurück 
stand. Hessen-Pfalz war im Frühjahr 1947 am weitesten in der Entnazifizierung vor 
angekommen. Nur in diesen beiden Ländern mit fortgeschrittener Entnazifizierung 
hatten die Militärregierungen die Einrichtung einer Art Einspruchsinstanz erlaubt. In 
Rheinland-Hessen-Nassau sollten dagegen erst die laufenden Verfahren zu Ende ge 
bracht werden. 
Für die folgenden Tabellen wurden folgende wichtige Bereiche der öffentlichen 
Verwaltung: Innere Verwaltung, Justiz, Erziehungswesen und als technischer Ver 
waltungsbereich die Post, ausgewählt. Die Spalte "Econom" beinhaltet die gesamten 
Maßnahmen in der Privatwirtschaft, die Spalte "Summe" alle Entnazifizierungsver 
fahren in der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft seit Ende 1945. Im 
Vergleich zu den anderen Ländern fällt bei der Pfalz der hohe Anteil an Entlassungen 
unter einem relativ niedrigen allgemeinen Sanktionierungsgrad auf; dies hatte mit 
dazu beigetragen, daß der zeitgenössische Eindruck einer härteren Entnazifizierung
	        

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